Re: Krieg am Ararat - In Kurdistan herrscht Krieg
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Re: Krieg am Ararat - In Kurdistan herrscht Krieg         

Group: de.org.politik.misc · Group Profile
Author: Ping Of Death MC
Date: Jul 17, 2008 05:02

Kurdistan Infos schrieb:
> ## Nachricht zur Information/Dokumentation weitergeleitet
>
>
> Krieg am Ararat
>
> In Kurdistan herrscht Krieg
>
> Diese simple Wahrheit wird bei der Berichterstattung über die am
> Ararat von kurdischen Guerillakämpfern entführten Bergsteiger
> zumeist unterschlagen. Doch es ist die Wahrheit.
>
> Seit dem Wiederaufflammen der Kämpfe im Jahre 2006 sind beinahe 2000
> Menschen bei Gefechten zwischen den Guerillas der HPG und dem
> türkischen Militär ums Leben gekommen. Die HPG spricht selbst von
> rund 800 eigenen Verlusten, für die türkischen Sicherheitskräfte
> werden 900 Tote angegeben.
>
> Der allergeringste Teil dieser Toten ist auf die türkischen
> Luftangriffe in Irakisch Kurdistan zurückzuführen, die
> Auseinandersetzung findet im Wesentlichen in der Türkei statt. Dabei
> stehen den mehreren Hunderttausend Angehörigen der türkischen
> Streitkräfte und den mehr als 60.000 vom Staat bezahlten kurdischen
> sogenannten „Dorfschützern“ mehrere Tausend Angehörige der
> Volksverteidigungskräfte (Hêzen Parastina Gel, HPG) gegenüber, die
> aus der früheren ARKG-Guerilla hervorgegangen sind. Diese sind
> zentral organisiert, ständig bewaffnet und stets uniformiert. Es
> handelt sich also um völlig andere Strukturen als bei Aufständischen
> im Irak oder in Afghanistan, die in der Regel von der
> Zivilbevölkerung schwer zu unterscheiden sind - eine Tatsache, die
> dort schon mal eine komplette Hochzeitsgesellschaft das Leben
> kostet.
>
> Doch die Presse ist ahnungslos. Schon die Namen und Gesichter der
> kurdischen Rebellen sind unbekannt. Namen wie Fehman Hüseyin, den
> Oberkommandierenden der HPG, sucht man im Blätterwald vergeblich.
> Allenfalls ist von den altbekannten Recken Murat Karayilan und Cemil
> Bayik ist die Rede - wenn es hoch kommt. Karayilan heiße „Schwarze
> Schlange“, wird da berichtet. Sensationell – dabei kann er nichts
> für seinen Familiennamen. Wie oft konnten wir schon lesen, Erdogans
> Name bedeute „als Soldat geboren“ oder Generalstabschef Büyükanit
> habe seinen Namen vom Atatürk-Mausoleum? Noch nie? Natürlich nicht,
> denn Erdogan und Büyükanit sind ja respektable Staatsmänner und
> keine Hau-den-Lukas-Figuren wie Guerillakommandanten.
>
> Worum es in dem Konflikt eigentlich geht, warum nach sechs Jahren
> Waffenstillstand wieder gekämpft wird – die Deutschen wissen es
> nicht. Selbst die Türkeiexperten der Tagespresse wirken überfordert.
> Sie kennen weder die Protagonisten des Krieges noch die Forderungen
> der kurdischen Seite. Mal ist von Unabhängigkeit die Rede, mal von
> Autonomie. Zwar ist beides falsch, doch selbst dieser Unterschied
> wäre wesentlich. Ein unabhängiges Kurdistan könnte die Türkei wohl
> nie akzeptieren, eine kurdische Autonomie wie in Katalonien sollte
> für einen EU-Kandidaten hingegen ein Klacks sein. Der scheinbar
> kleine Unterschied birgt also die ganz wesentliche Frage, ob der
> Konflikt lösbar ist oder nicht. Tatsächlich sind die Forderungen der
> Kurden sogar noch moderater: Es geht um eine verfassungsmäßige
> Anerkennung der kurdischen Identität und der kurdischen Sprache.
>
> Doch über diesen Krieg und den zugrunde liegenden Konflikt wird in
> Deutschland in der Regel nicht berichtet. Es sei denn, es werden
> Deutsche entführt. An der Entfernung kann das nicht liegen,
> Afghanistan ist bedeutend weiter entfernt als Kurdistan. An der Zahl
> der Toten auch nicht, in der Türkei sterben mehr türkische Soldaten
> als Amerikaner im Irak. Es handelt sich vielmehr um eine bewusste
> Entscheidung der deutschen Medien, weg zu sehen.
>
> Sie sahen bereits in den 90er Jahren weg, als Hunderttausende von
> kurdischen Flüchtlingen nach Deutschland kamen. Zehntausende wurden
> als politische Flüchtlinge anerkannt. Zehntausende Kurden sind also,
> deutsche Behörden und Gerichte haben es bestätigt, vom türkischen
> Staat individuell politisch verfolgt worden. Doch der Krieg in den
> 1990er Jahren hatte kein Gesicht, er fand medial nicht statt, es gab
> keine Bilder vom Krieg. Die Türkei wollte keine ausländischen
> Journalisten im Kriegsgebiet, und die NATO-Partner hielten sich
> daran. Bis auf ein Team von Spiegel-TV, das 1994 trotzdem filmte –
> und dafür vom Militär entführt, beschimpft, bedroht und tagelang mit
> verbundenen Augen durch die Gegend gefahren wurde. Danach traute
> sich kein Kamerateam mehr in das Kriegsgebiet. Der eingebettete
> Journalist war noch nicht erfunden, der abwesende Journalist war die
> wesentlich einfachere und elegantere Lösung.
>
> Während sich der Durchschnittsdeutsche diesen Luxus der Ignoranz
> über den Krieg vielleicht leisten kann, so gilt dies nicht für die
> kurdische und auch die türkische Bevölkerung in Deutschland. Für sie
> ist der Krieg tägliche Realität. Es sind ihre Verwandten, die dort
> sterben - auf beiden Seiten des Konflikts. Deswegen ist es nur
> natürlich, dass das Informationsbedürfnis über den Konflikt hoch
> ist. Kurden informieren sich meist über ROJ TV, den größten und
> traditionsreichsten kurdischen Satellitensender, der fast weltweit
> zu empfangen ist. Ganz normal sollte man meinen.
>
> Doch nicht für die deutsche Bundesregierung. Schäubles Vorgänger
> Schily hatte bereits 2005 die einzige in Europa erscheinende
> kurdische Tageszeitung verboten
> <http://kurdistan-kolumne.blogspot.com/2005/10/das-verkohlte-telefon-
> der-zgr-politika.html> . Allerdings war die Begründung derart windig
> gewesen, dass das Verbot sehr bald von einem Oberlandesgericht
> aufgehoben wurde. Auch dieser Frontalangriff auf die Pressefreiheit
> wurde übrigens in deutschen Medien totgeschwiegen – ganz im
> Gegensatz zu den beinahe zeitgleich stattfindenden Durchsuchungen
> bei Cicero-Journalisten. Es war ja nur eine kurdische Tageszeitung,
> die, zu Unrecht, verboten wurde.
>
> Schäuble hatte jetzt die glorreiche Idee, einen Gang zuzulegen und
> ROJ TV komplett zu verbieten. Mir als juristischem Laien stellt sich
> die Frage, wie man Bürgerinnen und Bürgern den Empfang eines
> Satellitensenders überhaupt verbieten kann. Als Begründung musste
> jedenfalls herhalten, bei ROJ TV würden auch PKK-Mitglieder
> interviewt. Das ist natürlich eine brilliante Idee! Ein Konflikt,
> über den nicht mehr berichtet wird, verschwindet dann wahrscheinlich
> sofort. Erdogan hatte einen ähnlichen Einfall, als er bei einem
> Staatsbesuch in Moskau einem Kurden erklärte, wenn man nicht an die
> kurdische Frage denke, existiere sie eigentlich gar nicht.
>
> Nicht mehr existieren soll dann auch ROJ TV mit seinem einzigartig
> reichen Programm in Kurmandschi, Türkisch, Sorani, Zazaki, Arabisch,
> Persisch, Aramäisch und Englisch. Verschwinden soll das kurdische
> Kinderprogramm mit Lucky Luke und „Es war ein mal...“, verschwinden
> vor allem die Nachrichten und Diskussionsprogramme, die dem gesamten
> Spektrum der kurdischen Community aus der Türkei, dem Irak, dem Iran
> und Syrien sowie verschiedensten türkischen oppositionellen
> Strömungen eine Plattform bietet. Nur der Opposition? Nein, selbst
> Angehörige der türkischen Regierungspartei AKP nahmen schon an
> Diskussionen auf ROJ TV teil. Nicht zu vergessen die regelmäßige
> Interviewsendung aus Brüssel mit Mitgliedern des Europäischen
> Parlaments. All dies soll weg, weil ROJ TV angeblich „das friedliche
> Zusammenleben der Völker“ beeinträchtige.
>
> Nicht der ungelöste Konflikt in Kurdistan und der Krieg stören also
> nach Ansicht Schäubles das friedliche Zusammenleben der Völker,
> sondern die Berichterstattung darüber. Sie soll am besten einfach
> weiter nicht stattfinden, oder höchstens in dem engen Rahmen, den
> die türkische Regierung setzt. Denn natürlich war sie es, die auf
> das Verbot von ROJ TV gedrängt hat. Der Krieg in Kurdistan
> existierte also in den deutschen Medien bis vor einer Woche nicht,
> und das soll auch so bleiben. Letztlich ist auch diese planmäßig
> geschaffene Ignoranz den Bergsteigern zum Verhängnis geworden.
>
> Vielleicht wussten sie gar nicht, dass sie in ein Kriegsgebiet
> reisen.
>
> posted by Reimar Heider at Montag, Juli 14, 2008
>
> <http://kurdistan-kolumne.blogspot.com/2008/07/krieg-am-ararat.html>
> http://kurdistan-kolumne.blogspot.com/
>
>
> +++

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Gruß
Ping Of Death, master of ceremony
und Mittelfinger für alle, die uns nicht mögen...
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