On Tue, 1 Jul 2008, Stefan Reuther wrote:
> Dominic Valerie Casare wrote:
>> On Mon, 30 Jun 2008, Sebastian Biallas wrote:
>>>Dominic Valerie Casare wrote:
>>>>Es ging um Sony und deren Geschaeft mit der PSP - die sind da sowohl
>>>>Anbieter der Hardware als auch der Software. CMIIW
>>>>Aber selbst wenn die Software von anderen Herstellern kaeme - die waere auf
>>>>die PSP zugeschnitten und insofern SONY da mehr PSPs verkauft, wenn die
>>>>Software frei kopiert wird, kann SONY hier auch etwas davon an die
>>>>Hersteller zurueckfliessen lassen. Aehnliche Allianzen zw. Software-
>>>>Produzenten und Herstellern von Hardware-Plattformen, gerade im
>>>>Spielebereich, sind mit etwas unternehmerischer Fantasie leicht vorstellbar.
>>>Ja, ne, ist klar.
>>>
>>>Die Allianz sieht im Moment so aus, dass man dafür bezahlen muss, um für eine
>>>Konsole Spiele schreiben bzw. publizieren zu dürfen.
>> Dann sollten die Softwareproduzenten das einfach nicht mehr tun und die
>> Hardwarehersteller somit zwingen, ihre Bedingungen zu aendern. Das waere
>> ja der uebliche Vorgang am Markt.
> Warum sollten sie das tun? Offenbar funktioniert das Geschäftsmodell
> doch hervorragend.
Na dann gibt es auch keinen Grund zur Beschwerde. Ihr[TM] muesst euch
schon mal entscheiden.
> [Angst vor DRM]
> Der verstehende Techie fürchtet sich vor dem Einsatz der Technik durch
> Leute, die sie nicht verstehen oder denen die Auswirkungen egal sind.
> Wie, wenn nicht als "Furcht", würdest du die Aussichten auf 24x7-
> Videoüberwachung, Biometrie Gattaca-style, Kontamination jeglichen
> Saatguts mit Monsanto-Genkram bezeichnen? Das gleiche Problem gibt's mit
> perfekt vernageltem DRM.
Das sind zwei voellig verschiedene Kategorien. Ueberwachungsmasznahmen
zielen direkt auf deine Person ab und werden fuer ein vermeintliches,
hoeheres Gut der Gesellschaft oktroyiert. Gentechnik im Saatgut breitet
sich mit unvorhersehbaren Folgen fuer die Gesundheit (auch) des Menschen
nahezu unkontrollierbar aus, wenn es einmal in Umlauf gelangt und
ausgesaet wird. Das eine, wie das andere, birgt ein erhebliches,
persoenliches Risiko fuer mich, in ernsthafte Schwierigkeiten zu
geraten. Da ist ein 'ungutes Gefuehl' durchaus angebracht.
Nicht jedoch bei der X-Box. Das Ding dient nur der Unterhaltung und kann
mir ueberhaupt nichts aufzwingen, was meine Gesundheit oder Sicherheit
in Gefahr bringt. Sich davor zu fuerchten ist irrational.
> Mit etwas Pech gibt es irgendwann nichts
> unvernageltes mehr.
Ich glaube das keinesfalls. Sicherlich gibt es Bestrebungen in der
Richtung, aber es gibt ebenso ne Menge wach(sam)er Geister, die das
Beobachten und oeffentlich dagegen ins Feld schreiten. Nicht zuletzt
gibt es viele engagierte Leute, die das aktiv bekaempfen, wenn sie
damit auch ein hohes persoenliches Risiko eingehen - sie verdienen
unseren Respekt. DRM ist nicht zu tolerieren. Es ist der Versuch einer
grossangelegten, digitalen Entmuendigung und er /muss/ scheitern.
>> Nun, man muss keine DRM-verseuchten Medien kaufen. Diese Entscheidung
>> kann man dir nicht aufzwingen. Oder kann man das? Wenn ja, wie denn?
> Indem die Alternative irgendwann "das oder gar nichts" lautet.
Nun ja, die Bestrebungen sind zweifellos am laufen und es kommt jetzt
darauf an, sich persoenlich zu positionieren. Die treibenden Kraefte
dahinter werden nicht damit aufhoeren, selbst wenn du es schaffst, alle
Leute dazu zu bewegen, nichts mehr zu kopieren. DRM ist naemlich noch
aus manch anderem Blickwinkel verlockend. Sie werden nur aufhoeren, wenn
sie feststellen, dass sie damit nicht durchkommen. Das heisst, wenn sie
merken, dass die Leute DRM nicht akzeptieren und sich auf die eine oder
andere Art dagegen wehren.
> Bluray-Kram werd ich nicht kaufen, eben wegen des DRM.
Genau. Ausserdem findet man das BR-Zeug auch schon wieder...
scnr
> Aber ich würde
> nicht drauf wetten, dass es in 20 Jahren noch DVDs gibt.
Ach komm, 20 Jahre... Erinner dich mal, wie deine Welt vor 20 Jahren
ausgesehen hat. Da kann soviel passieren und /NICHT/ /ALLES/ geht
schief. ;) Ich vertraue in die guten Kraefte, die die Freiheit wollen,
dafuer kaempfen und dass diese auf lange Distanz erfolgreich sein
werden.
>>>Dass es in absehbarer Zeit nur noch Content für solche Kisten geben könnte.
>> Denkt einer, der Linux benutzt und CC-Content zumindest kennt? Ich halte
>> es fuer sehr unwahrscheinlich, denn damit wuerde sich die
>> Content-Industrie IMHO selbst den Gnadenschuss verpassen.
> Noch sieht es ziemlich düster aus, wenn man sein Leben nur mit
> CC-Content füllen will.
Ich weiss ja nicht, wie das bei dir laeuft, aber ich habe hier ueber
Jahrzehnte einen betraechtlichen Fundus an Musik gesammelt (ja durchaus
auch bezahlt) und ich nutze den sehr haeufig. Wirklich neues kommt da
kaum noch hinzu - oft lass ich auch einfach nen Radiostream laufen.
Ich habe natuerlich alle meine CDs digitalisiert und doppelte Backups
davon. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich irgendwann keine
Moeglichkeit mehr haben soll, darauf zuzugreifen. Die Entwicklung der
Technik ist doch nicht immer so gelaufen, wie die Technokraten am
Reissbrett sich das vorgestellt hatten. Schau nur die 'Handy-Revolution'
- wer haette das so vorrausgesehen? Und ein wichtiger Punkt darin ist
eben, was der Kunde/Nutzer will. Zur Not sorgt er eben selbst dafuer,
dass er das bekommt - womit wir wieder bei der Entwicklung von P2P und
deren Nutzung waeren. Die Industrie wird sich vernuenftiger Weise am
Kunden orientieren, zumindest gibt es immer neue Zweige, die das tun,
und wenn sich einige alte Industriezweige nicht bewegen wollen oder
koennen, dann werden sie ueber kurz oder lang verschwinden. Das ist in
der Geschichte der Menschheit ganz gut nachzuvollziehen.
> Eben weil bestimmte Werke nun mal nur entstehen,
> wenn man echt kommerziell Geld in die Hand nimmt, siehe Parallelstrang.
> Natürlich brauche ich die "Herr-der-Ringe"-Filme nicht zum Leben, aber
> sie haben es dennoch bereichert, und ich habe gerne dafür Geld
> ausgegeben. Bis sowas als freier Content entstehen kann, wird noch eine
> Menge Zeit vergehen.
Das stimmt schon, aber meine Kritik an der Unflexibilitaet der
Content-Industrie kannst du damit auch nicht einfach wegwischen. Sie
kann ja weiterhin mit viel Geld sehr aufwaendige Produktionen
realisieren, nur muss sie bei der Vermarktung radikal umdenken und
andere Strategien verfolgen, die das Internet eben (als Konkurrenz) mit
einbeziehen.
Die Distributionsmodelle der MI/FI stammen noch aus einer Zeit, lange
vor DVD-Brenner und Breitband-Internet. Sie funktionieren heute nicht
mehr und man kann das Funktionieren auch nicht juristisch erzwingen.
Oekonomisch sinnvoll waere demgegenueber mal eine Untersuchung der
Gegebenheiten und der Anpassung des Geschaeftsmodells. Immerhin geht es
hier /NUR/ darum, Konsumgueter dem Volk anzubieten und es zum Kauf zu
bewegen. Es geht weder um eine Frage der Sicherheit noch um eine der
Gesundheit. Es haengt nichts weiter davon ab, als der Gewinn (resp.
Verlusst) wirtschaftlicher Unternehmungen. Da hat die Wirtschaft selbst
eine Bringschuld zu erfuellen.
Dominic