Re: Vorratsdatenspeicherung und Kalter Krieg
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Re: Vorratsdatenspeicherung und Kalter Krieg         

Group: de.org.ccc · Group Profile
Author: Natalia Sazepin
Date: Dec 10, 2007 01:18

On Thu, 06 Dec 2007 08:18:13 +0000, Juergen Nieveler wrote:
> Natalia Sazepin gmail.com> wrote:
>
>> Durch den Beschluss der Vorratsdatenspeicherung werden zukünftig
>> Betreiber von sogenannten "Tor-Knoten" gezwungen sein, IP-Adressen von
>> ein- und ausgehenden Verbindungen zu speichern und vorzuhalten. Wer
>> durch den Beschluss gezwungen sein wird, Daten vorzuhalten, soll jedoch
>> dafür entschädigt werden.
>
> Habe ich was verpasst? Bislang haben sich die Regierigen doch immer
> geweigert die Provider zu entschädigen...
>

Nach meinen letzten Informationen waren es 17 Euro je Auskunftsersuchen.
Für die Kosten, die man im Vorfeld hat, um die Daten überhaupt zu erheben,
hat man bisher leider keine Entschädigung durchboxen können. Daher lohnt
es sich wohl, TK-Dienstleistungen mit Speicherpflicht am besten so zu
konzipieren, dass sie möglichst viele "übliche Verdächtige" anlocken. Tor-
Knoten sind dafür sicher gute Kandidaten...
>> Daher wäre es denkbar, dass mehr
>> Deutsche anfangen, solche Tor-Knoten zu betreiben, da man dafür keine
>> besondere Hardware benötigt, aber trotzdem von nationalen
>> Überwachungsbestrebungen profitieren kann. Die Folge wäre, dass sich
>> das Tor-Netzwerk noch stärker als bisher nach Deutschland verlagert, so
>> dass die deutschen Behörden in die Lage versetzt werden, große Teile
>> des weltweiten Tor-Netzwerkverkehrs zu überwachen.
>
> Solange es aber keine Exit-Nodes sind bringt das den Behörden exakt gar
> nichts.
>

Deutschland hat jetzt schon überdurchschnittlich viele Exit-Nodes. Exit-
Nodes provozieren sicher auch den Bärenanteil der Auskunftsersuchen, so
dass deren Betrieb besonders lukrativ wird.
>> Nun nimmt die Spionage über das Internet in letzter Zeit stark zu, so
>> dass in Internet-Medien schon davor gewarnt wird, dass ein neuer Kalter
>> Krieg nicht auszuschließen ist. Immer mehr Regierungen erkennen auch
>> den Nutzen von Tor in der internationales Informationsgewinnung und
>> stellen eigene Tor-Knoten auf. Man könnte daher unterstellen, dass
>> diese Entwicklung in Deutschland zu einem gewissen Teil Kalkül
>> entsprechender Interessensgruppen ist.
>
> Nein. Wenn man das wollte würde man es wie die Chinesen machen und
> einfach eigene Exit-Nodes aufstellen.
>

Auch die chinesischen Behörden haben es bei den jüngsten Angriffen aus
China am liebsten, wenn diese nicht von Regierungsrechnern aus gestartet
werden, da das außenpolitisch unvorteilhaft ist. Wenn in Deutschland
plötzlich viele Exit-Nodes auftauchen, die nach .gov riechen, sieht das
auch verdächtig aus. Dann doch lieber die Knoten von augenscheinlichen
Privacy-Freaks betreiben lassen und die Daten bei Bedarf abmelken.

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