Re: KiPo fuer alle
  Home FAQ Contact Sign in
de.org.ccc only
 
Advanced search
POPULAR GROUPS

more...

 Up
Re: KiPo fuer alle         

Group: de.org.ccc · Group Profile
Author: Volker Birk
Date: Aug 20, 2007 00:38

Dominic Valerie Casare wrote:
> Schon klar, Du redest vom 'Kommunismus', der angeblich schon irgendwas
> war (bzw 'wesentlich mehr') und meinst damit wohl etwas, was ich einen
> 'Popanz' nennen wuerde.

Ah. In diesem Punkt sind wir einig ;-)
>> ["Real existierender Sozialismus"]
>>> Das betraf btw auch die
>>> UDSSR.
>> Die UdSSR sahen das für sich selber wohl ganz anders, wenn ich deren
>> Außendarstellung so sehe.
> Ich weiss nicht worauf Du dich konkret beziehst.

"Kommunismus, das ist die Macht der Räte plus Elektrifizierung des
ganzen Landes." - Lenin

Kurz: wir können uns gerne darauf einigen, dass das, was in der Politik
landläufig "Kommunismus" genannt wird, herzlich wenig mit dem zu tun
hat, was sich Marx und Engels theoretisierend ausdachten.
> Die Leute haben
> da auch nur mit Wasser gekocht, um es mal so salopp auszudruecken.

Ach!
>>> _Das_ waere Kommunismus gewesen, nicht das, was da innerhalb des
>>> Ostblocks so tatsaechlich aufgebaut und am Laufen gehalten wurde!
>> Der Kommunismus ist ein hehres Ideal, und somit völlig unrealistisch.
>> Selbstverständlich wurde im Ostblock dieses hehre Ideal nicht annähernd
>> erreicht. Wie auch?
> Ja das interessiert mich gerade. Du sagtest woertlich: " Der
> Kommunismus war seit 1918 schon wesentlich mehr als eine "Idee"."
> Und was meint das jetzt konkret?

Dass der Begriff "Kommunismus" doppelt belegt ist.
> Oder anders gefragt: Inwieweit
> unterschied sich die UDSSR von jedem anderen Staat, auf den dieses
> ominoese 'Kommunismus-Gespenst' nicht anwendbar war?

Von jedem? Keine Ahnung. Ich habe nicht den Eindruck, dass sie sich von
jedem anderen Staat strukturell völlig unterschied. Klar, von der
geographischen Größe her unterschied sie sich auf jeden Fall ;-)
> Totalitaere Strukturen, okay.

Da kommen wir an einen Punkt, wo ich einen Staat NICHT mehr OK finde.
> man in dieser oder jener abgewandelten Form auch woanders auf der Welt.

Klar.
> Ich meine, diese *Angst* vor dem *Kommunismus* war schlicht eine
> irrationale Reaktion auf eine neuartige Erscheinung in der Welt, die
> einen grundlegenden Wertewandel als gesellschaftliche Perspektive
> eroeffnen wollte.

Das sehe ich anders.

Der "Kommunismus" sowjetischer Prägung hatte einen sehr großen
missionarischen Eifer; andere Staaten fühlten sich durchaus zu Recht
bedroht, denke ich. Nun gut, Stalin hat dann mal kurz die Weltrevolution
abgeblasen, aber seine Nachfolger sahen das wiederum nicht alle so. Aber
auch der Imperialismus Stalins ist nicht gerade wenig bedrohlich, wenn
Du Nachbar in seinem Einflussbereich bist, denke ich.
> Der Westen sah die Bedrohung nicht in dem Land UDSSR
> oder dem Staatenbund des ( RGW ) - sondern im Ueberschwappen der *IDEE*
> als solcher ins eigene Territorium! Der ganze scheiss kalte Krieg war
> ein reines Spiegelfechten, IMO.

Da war schon wesentlich mehr als Spiegelfechten, siehe die Toten in den
Stellvertreterkriegen, sowie den nuklearen Overkill. Und diese "Idee"
wurde schon mit der Waffe in der Hand verbreitet. Samthandschuhe hatte
keine der beiden Seiten an.

Schließlich gings in Wirklichkeit wie immer nur um Macht, auf beiden
Seiten.
>>> Andererseits
>>> konnte man trotz immenser Ressourcen der UDSSR auch nicht voellig ohne
>>> den Austausch mit den westlichen Maerkten auskommen und die scheren sich
>>> ja nen Dreck um sowas wie 'gerechte Verteilung'...
>> Das ist schlicht falsch. Du versuchst, hier die gesamte Sozialdemokratie,
>> den Humanismus sowie die katholische Soziallehre mit einer Hand
>> wegzuwischen. Sorry, das kann nicht klappen.
> Das stimmt nicht, ich versuche die nicht 'wegzuwischen'. Diese haben
> dort nur keine Bedeutung, wo es ums (grosse) Geld geht.

Das ist falsch.

Ich stimme Dir insofern zu, dass das große Geld sich üblicherweise
herzlich wenig schert außer um das große Geld. Mit löblichen Ausnahmen,
wie beispielsweise in Norwegen.
> Wo ist der
> der katholische Wasauchimmer im Kreise von IWF, Weltbank, WTO etc zu
> finden? Was kann die 'gesamte Sozialdemokratie' gegen die Eigendynamik
> internationaler Finanzmaerkte ausrichten? Welchen Einfluss hat der
> Humanismus auf den Boersenkurs?
> Nichts, Niente. Alles gut gemeint, aber letztlich machtlos.

Machtlos? Nein. Viel zu wenig Macht? Ja.
> Die Wirtschaft wird zukueftig die Regeln diktieren und die Richtung
> vorgeben, in die sich Regierungen bewegen *koennen*.

Das ist nicht nur zukünftig so, das wird immer so sein. Und es war auch
immer schon so.

Und die Politik wird zukünftig hoffentlich wieder mehr die Grenzen
setzen, in denen sich Wirtschaft bewegen kann.
> Wenn man den
> Kommunismus als einen Gegenentwurf zum Kapitalismus verstehen will, dann
> hat das in erster Linie keine politische, sondern eine _oekonomische_
> Dimension.

Kommunismus kann nur eine ökonomische Pleite sein. Unter anderem deshalb
halte ich Kommunismus für eine wirklich gut gemeinte, hoffnungslos
romantische Idee.
> Dagegen wurde die NATO
> aufgestellt. -IMO- Nicht um die Laender - sondern um die Rohstoffe und
> Absatzmaerkte, sprich: das Welt-Wirtschafts-System zu 'verteidigen'.

Die NATO wurde gegründet, um ein militärisches Bündnis gegen die
Sowjetunion und ihre Satellitenstaaten zu haben. Da ging's um
militärische Macht. Die NATO hat sich eigentlich überkommen, nur ist es
bei derart großen und machtvollen Organisationen üblicherweise so, dass
sie nicht mehr so leicht verschwinden ;-)

Du solltest Dir übrigens mal Wirtschaft von innen ansehen. Nach meiner
Erfahrung ist die weder gut noch böse. Es ist eben Wirtschaft. Sie ist
kalt, obwohl sie oft von hitzigen Menschen gemacht wird. Wirtschaft
vernünftig gemacht kann sehr Positives erreichen, genau wie Wirtschaft
extrem schädlich sein kann. Es liegt daran, was man damit macht.

Deshalb akzeptiere ich Wirtschaft und Politik, und habe Probleme mit dem
Militär. Letztendlich ist die Ausrichtung der Wirtschaft konstruktiv,
die des Militärs destruktiv. Das Problem liegt IMHO viel eher im Umgang
mit dem Militär.

Viele Grüsse,
VB.
--
"Es muss darauf geachtet werden, dass das Grundgesetz nicht mit Methoden
geschützt wird, die seinem Ziel und seinem Geist zuwider sind."

Gustav Heinemann, "Freimütige Kritik und demokratischer Rechtsstaat"
no comments
diggit! del.icio.us! reddit!