Ich aendere mal das Subject, um den Focus etwas praeziser auf das
auszurichten, worum es (mir) eigentlich noch geht.
On Mon, 7 Jul 2008, Stefan Reuther wrote:
> Dominic Valerie Casare wrote:
[Sneakernet vs. P2P]
>> Worauf ich hinaus will ist, dass es unverhaeltnismaessig ist, einerseits
>> die Moeglichkeit der Privatkopie so effizient ausschoepfen zu koennen,
>> andererseits jedoch ueber eine wesentlich ineffizientere Verbindung
>> uebers Netz, den selben Akt zu kriminalisieren.
> Man "kriminalisiert" nicht "den selben Akt". Wenn ich meine MP3-Sammlung
> auf einen Server lade und $freund das Passwort verrate, ist das genauso
> Privatkopie wie wenn ich ihm die Wechselplatte mit der Sammlung in die
> Hand drücke. Denn dann werden "einzelne Vervielfältigungen" erstellt.
Ok das spricht jetzt stark fuer rapidshare. Hochladen und das Passwort
den Freunden mitteilen, die wiederum teilen es ihrem Freundeskreis mit
und so weiter. Der Effekt duerfte dem einer P2P-Plattform in etwa
gleichkommen, zumindest was Haeufigkeit und Geschwindigkeit der
Verbreitung anbelangt. Allein die Usability ist etwas eingeschraenkt.
Das heisst: Man kann es lediglich umstaendlicher machen, aber nicht
effektiv verhindern.
> Das Anbieten an Unbekannt aka P2P-Filesharing ist das, was
> "kriminalisiert" wird.
Ja und ich haette gern, dass man damit aufhoert, das zu kriminalisieren,
weil es sich vernuenftigerer Weise kaum von den alternativen
Moeglichkeiten der Datenverbreitung unterscheidet. Und das war
eigentlich schon immer der Fall. Wenn ich mich an meine uralten
DOS/Windows-Zeiten erinnere... Die Software ging von Hand zu Hand. Die
wurde /nie/ gekauft, das waren immer nur irgendwelche Kopien von
irgendjemand der sie von irgendjemand hatte... Zum Glueck ist wenigstens
das heute Dank OSS alles voellig legal. ;-)
>> Die Bringschuld ist das Eingehen auf die Beduerfnisse der potenziellen
>> Kunden. Sie kann das ignorieren, sollte dann aber auch damit leben
>> koennen, wenn die potenziellen Kunden ihre eigenen Wege zur Befriedigung
>> ihrer Beduerfnisse suchen und finden.
> Solange sie das legal tun, sollen sie doch.
Das mit der 'gesellschaftlichen Umwaelzung' und dem 'rasanten
technischem Fortschritt' sowie der 'Neuartigkeit eines globalen,
digitalen Echtzeit-Mediums' hast du aber schon verstanden? Sogar das
BVerfG erkennt diesen Umstand an und honoriert ihn mit einem voellig
neuen Grundrecht, welches sich nur darauf bezieht. Dieser Wandel
tangiert noch wesentlich mehr Ebenen, als den Bereich der
Persoenlichkeitsrechte, die in diesem Sinne auch /Datenrechte/ sind.
Aber beim Urheberrecht soll alles noch so gelten, wie aus grauer Vorzeit
und natuerlich sollen das auch alle so respektieren, obwohl die Welt
heute voellig anders aussieht, als damals. Naja, es ist deine
vermeintlich unangreifbare Rueckzugsposition - was legal ist, ist
erlaubt, was nicht erlaubt ist, ist illegal und das tut man nicht. Da
kann man schlecht etwas dagegen einwaenden. Aber damit kommt man
irgendwo bei dem (globalen) Problem auch nicht weiter.
[Abfilmen geht immernoch]
>> Mir sicher nicht, da ich sowas nur theoretisch durchdenke, aber wie
>> bitte soll ein Wasserzeichen die 'unerlaubte' Verbreitung verhindern?
> Irgendwann gab es mal eine Meldung, dass mal wieder jemand ein (US-)
> Gesetz plant, das vorschreibt, dass Kameras ein bestimmtes Wasserzeichen
> erkennen und dann abschalten sollen. Kann ich leider gerade nicht
> finden. So muss <
http://www.heise.de/newsticker/meldung/95410/> genügen.
Ja schoen, und die paar Digicams die bereits im Umlauf sind, kann man ja
per Rueckrufaktion wieder einsammeln und verschrotten, damit es auch in
der Praxis funktioniert... scnr
Stimmt. Da geht es jedoch um nichts weniger, als den Schutz der
*Waehrungen* vor allzu einfacher Faelschung mittels Farbkopierer. Das
ist schon eine etwas andere Dimension, auch von der rechtlichen Seite
her.
[BluRay geknackt]
>>>Soweit ich das verstanden habe, ist über den Key-Revocation-Mechanismus
>>>ein Eingreifen seitens der Bluray-Truppe immer noch möglich. Ansonsten
>>>war das ein Angriff auf eine Implementation auf einem nicht vollständig
>>>"gesicherten" System. Um den Key zu finden, hat jemand den Speicher
>>>seines Rechners überwacht. Genau das kann meines Wissens Windows Vista
>>>verhindern, und gegen die Leute mit dem PCI-Sniffer gibt es auch schon
>>>Möglichkeiten.
>> Du scheinst ja ein richtiger Fan von solchem Mist zu sein. ;-]
> Ich will das DRM-Zeug genausowenig wie du. Nur halte ich es für wenig
> zielführend "ich will, also mache ich, weil ich kann" zu schreien. Davon
> geht das definitiv nicht weg.
Das ist eine Projektion deinerseits. Meine Intention ist etwas anders
gelagert. Um die zu verstehen, solltest du dich erstmal mental so weit
wie moeglich auf den Standpunkt von FS/OSS/CC und der Hackerethik[*]
einlassen. Ich argumentiere aus diesem Verstaendnis vom Umgang mit Daten
heraus und sehe darin auch sowas wie einen quasi-natuerlichen Zustand
des globalen Daten-Netzes. Ich sehe weiterhin massive Bestrebungen
seitens gewisser Industrien und deren Lobbys, diesen natuerlichen
Zustand in etwas Monstroeses zu pervertieren. Ein besonders aggressiver
Vorstoss wurde gestern erst wieder abgefedert[**] (zum Glueck, aber es
ist noch nicht ausgestanden). Und dagegen setze ich mich zur Wehr. Das
Copyright spielt dabei nunmal eine zentrale Rolle, weil alles von dieser
Faehigkeit des Kopierens abhaengt. Sowohl der ganze Datenaustausch im
Netz, wie auch das Geschaeftsmodell der einflussreichen Content-
Industrien, die sich nicht nur auf die Urheberrechtsgesetze stuetzen,
sondern diese eklatant verschaerfen und ausweiten wollen. Das Perfide
dabei ist, dass sowohl die einfachen User (Filesharer, Privatkopierer)
als auch die Werkschaffenden dabei ueber den Tisch gezogen werden
sollen und letztere helfen oft aus einem falschen Verstaendnis der
Tatsachenlage heraus der Content-Industrie noch fleissig dabei mit.
[*]
http://www.ccc.de/hackerethics?language=de
[**]
http://www.heise.de/newsticker/meldung/110588
>>>Wenn das favorisierte Medium unter Linux nicht spielt, werden diese aber
>>>in Nullkommanix zu Windows zurück booten.
>> "Erst wenn ichs seh..."
> Ich *habe* das schon gesehen. Wenn $verwandschaft sich von mir den
> Rechner neu installieren lässt, bekommen sie grundsätzlich Thunderbird,
> Firefox, OpenOffice und VLC verpasst. Beim nächsten Besuch läuft dann
> oftmals doch wieder der IE "weil mit dem FF $chatseite nicht ging", WMP
> "weil mit dem komischen VLdingens $spaßvideo nicht ging", usw. Meistens
> drohe ich dann Supportentzug an, da lernen sie's dann, aber ohne diese
> Motivation bleibt man doch beim "Marktführer". Ich sehe jetzt nicht,
> warum das mit Linux<>Windows anders sein soll als mit FF<>IE.
Naja der Punkt ist paradoxerweise, dass sich die Leute auch hier
irgendwie das besorgen, was sie haben wollen. Ich meine nicht den IE,
sondern eben den Zugang zum Content. Interessant wird das erst, wenn
deine Verwandschaft nur die Wahl haette, zw. Firefox oder 'IE-Nutzung
gegen Geld'. Wuerden sie dann dafuer auch bezahlen? Oder wuerden sie
sich das ueberlegen? Solange wie es im Prinzip egal ist (oder eben fuer
$USER aufs gleiche hinauslaeuft), waehlt er eben das, was ihn am
schnellsten zu dem bringt, was er haben will. Aber wenn es dann richtig
ins Geld geht, was man vllt nicht uebermaessig zur Verfuegung hat, ist
der Punkt erreicht, wo es auf der Kippe steht.
> Wie schon gesagt, Deutschlang besteht zum Großteil aus Nicht-
> Computertechnikern.
Ja aber das sind auch nicht alles Doesbattel. Viele gehen den Weg des
geringsten Widerstandes ok, aber das heisst erstmal noch nicht, dass sie
jeden DRM-Scheiss kaufen wuerden, der ihnen dann das verweigert, was sie
eigentlich haben wollten.
>>>Nein, das meine ich nicht. Wer heute ein Medium verkauft, muss damit
>>>rechnen, dass der Nutzer kein "gesichertes" System hat. Darauf basieren
>>>die meisten "Einbrüche" in DRM-Systeme. Wer künftig ein Medium verkauft,
>>>kann ohne mit der Wimper zu zucken auf die Verpackung schreiben "braucht
>>>Vista und einen PC nach PC2011-Standard (=mit TPM, verschlüsseltem
>>>Speicherbus usw.)". Und damit sind dann wesentlich "schärfere" Schutz-
>>>mechanismen realisierbar.
>> In der Theorie hoert sich das schon beeindruckend an. Allein Windows
>> Vista floppt bereits[*]. Was soll das also sein - ne Werbeeinblendung?
>>
>> [*] Ein befreundeter Unternehmer aus der Computer- und Netzwerkbranche,
>> auf meine Nachfrage, was er von Windows Vista haelt: "Windows Was?"
> "Unternehmer". Für Unternehmer gelten andere Regeln.
Sein Unternehmen begruendet sich auf Verkauf und Einrichtung von
Computern und Netzwerk-Technik im Privatkunden- und unterem
Business-Bereich. Er verkauft auch den Privatkunden kein Vista - nur
wenn die unbedingt darauf bestehen. Ansonsten raet er davon ab.
> Für die gabs auch
> XP ohne Aktivierung. Der Privatanwender bekommt Vista übergeholfen. Ob
> er will oder nicht. Schon mal im Geizmarkt das XP-Downgrade verlangt?
Wie denn? Ich hab seit Jahren nur noch mit Linux zu tun... Microsoft ist
fuer mich jetzt in etwa mit Apple auf einer Linie - ein abgeschlossenes
Terrain mit eingeschlossener Userschaft. Ich hab dort nichts verloren.
> Da ich hier privat noch einen Zoo 16-bit-DOS-Zeug supporte, kann ich
> auch berichten, dass die mit Abstand häufigste Frage dieses Jahr ist "it
> doesn't run on my new Vista PC, what do I do now?".
Und was raetst du denn in dem Fall? :)
>>>>Die meissten denken gar nicht in so eine Richtung - die *tun* einfach
>>>>was sie wollen und koennen.
>>>Komisch, im Supermarkt, in der S-Bahn, im Theater halten sie sich doch
>>>auch an die (teilweise ungeschriebenen) Regeln.
>> Die machen meisstens auch Sinn und/oder sind zumindest nachvollziehbar.
>> Das ist eben beim Verbot trivialer Kopien nicht gegeben. Da helfen
>> auch Apelle im Namen verhungernder Kuenstler und Programmierer nicht
>> weiter,
> Der für mich nachvollziehbare Schluss ist, dass der Content-Hersteller
> von etwas leben will.
Das muss ich doch etwas praezisieren: Der /Mensch/ will von /etwas/
leben - und das soll er auch koennen. Nur es gibt kein Recht darauf,
dass man mit der Sache, die einem am gelegendsten erscheint, auch diesem
Anspruch gerecht werden kann. Das waere toll, wenns das gaebe, denn dann
wuerden alle einfach nur noch tun, was sie am liebsten machen wuerden
und koennten davon leben - weil es Gesetze gibt, die ihnen das
zusichern. Das war /so/ aber noch nichtmal in der DDR der Fall... ;)
> Ungefähr das will ich seit ca. 2.5e+17 Postings
> vermitteln. Auch, wenn du das mal wieder ins Lächerliche ziehst.
Daneben habe ich auch durchaus ne Menge konstruktive Vorschlaege
unterbreitet, untermauert mit Beispielen aus der Praxis, wie man unter
den veraenderten Gegebenheiten heute im Einklang mit der Dynamik des
Netzes und den Beduerfnissen der Netznutzer Geschaeft machen kann. Damit
dringe ich aber nicht bis zu deinem Verstaendnis durch, weil du
unbedingt darauf bestehen willst, dass die alten Urheberrechtsgesetze
heute noch Gueltigkeit besitzen und dass sich alle daran halten sollen,
obwohl es sehr viele (global & im Multi-Millionenbereich) eben /nicht/
tun.
Ich suche nach einer praxistauglichen Loesung - du moechtest einen
Idealzustand re-installieren. Wie also - bzw wo - koennen wir da
zusammenkommen? Eigentlich haben wir naemlich recht viele gemeinsame
Interessen und auch einen gemeinsamen /Feind/, der sich bei solchen
Auseinandersetzungen wahrscheinlich hoechst amuesiert zuruecklehnt und
schonmal die Scheine fuer den naechsten Gang zum Parlamentarier seiner
Praeferenz abzaehlt.
>> weil die durch den shareholder value der Medienkonzerne und Software-
>> Giganten trefflich konterkariert werden.
> Mit den jetzt nutzlosen Mittelsmännern habe ich kein Mitleid. (Nicht
> alle dieser Mittelsmänner sind nutzlos, denn ein Spielfilm will z.B.
> auch vorfinanziert werden.)
>
> Aber auch die Garagenband oder der Sharewareprogrammierer wollen von
> irgendwas außer Spenden leben, was ihnen verunmöglicht wird, wenn jeder
> ihr Werk beliebig kopiert.
Das ist dennoch ein Trugschluss und basiert wohl auf der Propaganda o.g.
Mittelsmaenner. *sigh* Es wird wohl noch ne Zeit brauchen, bis du
dahinter steigst, dass gerade fuer die Kleinen und Kleinsten unter den
Werkschaffenden in der 'freien Kopie' ein riesen Vorteil liegt, den sie
nutzen koennen und sollten. Dieser Vorteil ermoeglicht es ihnen
naemlich, eine Publicity zu erlangen, die frueher nur durch die
Finanzkraft der Medienkonzerne erreicht werden konnte.
> ["Raubkopie"]
>>>Ich find's immer wieder toll, was Leute im Usenet alles so über mich zu
>>>wissen glauben.
>> Passiert dir oefter?
> Ich glaube, in diesem Thread wurde ich schon darüber belehrt, was ich
> vom Straßenverkehr verstünde
Zu Recht! Du hast dort immerhin mit deiner Erfahrung als *Fussgaenger*
argumentiert. Das war in dem Fall natuerlich inakzeptabel. ;)
>> Bei Dir faellt mir mit der Zeit eine ziemliche Divergenz auf:
>> Einerseits sprichst du dich akzeptierend fuer die Privatkopie aus, bzw
>> fuer alles, was gesetzlich /unzweifelhaft/ erlaubt ist. Zum anderen
>> argumentierst du konsequent wie ein /Hardliner/ der MAFIAA mit null
>> Verstaendnis fuer die Belange der einfachen Bevoelkerung im Wandel der
>> Zeiten und Moeglichkeiten.
> Was sind die "Belange der einfachen Bevölkerung"? Ich habe kein
> Verständnis für "wir wollen alles und zwar kostenlos und ohne
> Beschränkungen".
Nein es bezieht sich ja nur auf *Information*, keine materiellen Gueter.
> Das wäre Kommunismus oder Anarchie, je nach Sichtweise.
[
http://www.heise.de/newsticker/meldung/110560 ]
|
| Der US-Ökonom Joseph Stiglitz hat davor gewarnt, dass
| Immaterialgüterrechte Innovationen behindern. Das System des geistigen
| Eigentums "schmälert den Zugang zum Wissen", erklärte der Professor,
| der 2001 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften für seine
| Arbeiten über das Verhältnis von Information und Märkten erhielt,
| [...]
| Stiglitz bemängelte bereits den grundlegenden Ansatz, etwa Urheber-
| oder Patentrechte überhaupt als "geistiges Eigentum" zu deklarieren.
| Immaterielle Güter seien öffentlich und würden sich nicht
| "verbrauchen" lassen. Es sei daher auch schwierig, andere von ihrem
| Genuss auszuschließen. Das Eigentumsrecht an physikalischen Gütern
| könne daher nicht einfach auf sie übertragen werden. Andernfalls
| entstünden Monopolrechte über das Wissen, die oft missbraucht würden.
Wie waers, wenn du auch endlich mal den Unterschied zwischen materiellen
Guetern und reiner Information akzeptierst? Das gleichzusetzen, ist ein
kardinaler Fehler!
> Ich verstehe den Wunsch nach Dingen wie z.B. DRM-freier Downloadmusik
> und DRM-freien Filmen möglichst in freien Formaten. Will ich doch auch.
> Hey, ich bin Entwickler, und natürlich will ich Dinge, von denen ich den
> Quellcode hab!
Willst du nicht auch, dass die Dinge, die du entwickelst, benutzt
werden? Dann empfehle ich dir dringend, das obige zu versuchen. Wenn du
willst, dass deine Entwicklungen auch Abnehmer finden, muss du denen
entgegenkommen, aber bitte nicht mit vorgehaltener Waffe.
> Nur solange die "einfache Bevölkerung" "null Verständnis" für die Werk-
> schaffenden zeigt, wirst du keinen Blockbuster legal als Ogg Theora zum
> Download bekommen.
Du kannst mir ja vieles vorwerfen, aber nicht, dass ich kein
Verstaendnis fuer die Werkschaffenden zeigen wuerde. Erinnere dich an
meine ganzen Bsp und Modelle, wie sie auch heute im Netz erfolgreich
sein koennen, sofern sie bereit sind, mit der Entwicklung zu gehen,
statt sich dagegen zu stemmen. Ich bin sehr auf der Seite der
Werkschaffenden, sofern die sich nicht auf die Seite der Content-
Industrie stellen. Dann bin ich zwangslaeufig gegen sie. Siehst du nicht
ein, dass wir hier eine Zeitenwende erleben und was fuer Umbrueche da
stattfinden? Ich kann mir nicht vorstellen, dass du wirklich glaubst, an
den alten Zustaenden festhalten zu koennen. Die werden von zwei Seiten
gerade aufgerieben: Einerseits die ganze Daten-Freiheits-Bewegung (Open
Source, Open Content, nicht zu vergessen die Grundlagen des Netzes
selber) und andererseits die Lobbyarbeit der Kopierindustrien, die ihren
Untergang vor Augen haben und es einfach nicht wahrhaben wollen, dass
die Zeit fuer ihr Geschaeftsmodell - Verkauf von Kopien - vorbei ist.
Wie auch immer es kommt - es wird kein Zurueck zu den alten Zustaenden
geben. Entweder wir bekommen irgendwann ein freies Netz, mit allen
Konsequenzen, oder wir bekommen ein zensiertes Netz wie China, bloss
global. Darum geht es heute und da will ich auf jeden Fall das freie
Netz, auch wenn der eine oder andere Urheber damit noch ein Problem hat.
Der Feind ist nicht der, der kopiert, sondern der, der sich die Rechte
aneignen und alle anderen Kopien verhindern will. Und der geht dabei
ueber (soziale) Leichen.
> Natürlich übertreibt auch die Content-Industrie gewaltig. Das passiert
> wohl immer, wenn man einem Riesen-Apparat massig Geld in die Hand
> drückt. Möglicherweise ist dir aber aufgefallen, dass ich versuche,
> nicht von der Industrie, sondern von den Schaffenden zu reden.
Das ist mir freilich aufgefallen, und ich erkenne das auch an, nur macht
es das im Ergebnis leider nicht besser. Denn was du effektiv damit
erreichst ist, die Position der Content-Industrie zu staerken. Erst
recht wenn du deren Vokabular und Propaganda kolportierst (Diebstahl-
Vergleiche und aehnliches). Diesen Koeder haben leider viele geschluckt.
> Daher
> argumentiere ich auch nicht wie die Industrie für Kopier-Totalverbote,
> sondern einfach für den "sanften Zwang" eines Urheberrechts mit Privat-
> kopie - aber eben ohne Totalfreigabe. Eben den Zustand von vor 15
> Jahren.
Und es faellt dir offenbar nicht schwer, die ganze digitale Umwaelzung
zu ignorieren. Der Zustand von vor 15 Jahren ist definitiv passe. Der
von vor 50 Jahren erst recht. Wir befinden uns gerade im freien Fall
nach irgendwohin, wo wir vorher so noch nicht waren. Es gibt dabei zwei
Richtungen: offen oder geschlossen. Ich weiss nicht, ob es langfristig
beides geben kann, weil sich das diametral gegenueber steht. Man sieht
es am Selbstverstaendnis der Freien Software Community - wie einfach es
gehen /kann/. So einfach /sollte/ das auch gehen, dem entgegen stehen
nur irgendwelche wirtschaftlichen Interessen, begruendet auf
ueberalterte Geschaeftsmodelle.
> Denn das Totalverbot kann die Industrie auch ohne Gesetz
> durchsetzen. Nicht von jetzt auf gleich, aber ich bin fest überzeugt,
> dass das geht. Dafür steckt zu viel Geld dahinter.
Sie tut doch schon ihr Moeglichstes, um das zu erreichen. Nicht nur
'entweder oder', sondern sie arbeitet zugleich in alle Richtungen. Aber
sie stoesst eben auch auf Widerstand.
> Und wäre ich Musikschaffender, würde ich mich schon wundern, warum ein
> Verbraucher 2,99 FRZ für eine Verhunzung meines Werks als Klingelton
> ausgibt, aber das Original unbedingt aus dem Esel ziehen will.
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978-3100396112