Re: Gesellschaft im digitalen Wandel
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Re: Gesellschaft im digitalen Wandel         

Group: de.org.ccc · Group Profile
Author: Dominic Valerie Casare
Date: Jul 16, 2008 03:10

On Tue, 15 Jul 2008, Ralf Wachinger wrote:
> * Dominic Valerie Casare wrote:
>>> [Urheberrecht und Software-Herstellerparteien]
>> Aber hier geht es doch gar nicht um konkurrierende Geschaeftsmodelle,
>> sondern um das, was $HOMEUSER mit seiner Technik machen kann und will
>> und wie man das zum Bereich Business ins Verhaeltnis setzt (und ob man
>> das ueberhaupt machen muss, das bezweifel ich naemlich).
> Der Clou in unserem Informationszeitalter ist doch, dass sich der reelle
> Unterschied zwischen Geschäftsleuten und Privatleuten immer mehr
> verwischt, weil die Information immer leichter und günstiger verbreitet
> werden kann.

Dem kann ich nicht ganz folgen. Der Unterschied zwischen Geschaefts-
und Privatleuten definiert sich nach wie vor ueber das, was sie tun. Nur
weil sich Privatleute (wie auch Geschaeftsleute) jetzt viel besser und
direkter vernetzen koennen, heisst das imo nicht, dass Privatleute
automatisch in eine Konkurrenzsituation zu den Geschaeftsleuten treten
(was freilich gern behauptet wird). Das tun sie nach wie vor erst dann,
wenn sie wirklich geschaeftsmaessig auftreten. Einzig das potenzielle
Geschaeftsfeld veraendert sich.
> Früher musste zum Beispiel ein Autor zumindest eine
> Druckerei finden (bei Selbstverlag) oder einen Verlag, der sein Anliegen
> umsetzte. Heutzutage kann er sein Werk einfach ins Netz stellen, da
> braucht er höchstens entsprechend Webspace. Das Kopieren besorgen die
> Downloader selbst. Desgleichen bei Musikern, die ihre Musik eigenständig
> ins Netz stellen, usw.

Richtig. Das macht durchaus einige 'Mittelsmaenner' obsolet, aber nicht
gleich den Privatmann zum Geschaeftspartner, oder sehe ich das falsch?
> Auch der einfache Privatmensch wird somit zunehmend zum ernsthaften
> Konkurrenten für die Industrie. Was für den Ersteren eine Chance ist,
> ist für die Zweitere eine Bedrohung.

Wie oben gesagt, kann ich dem nicht ganz folgen. Ein Konkurrent tritt in
den Wettstreit mit einem (anderen) Anbieter und es geht dabei um die
Bewirtschaftung eines Marktes. Der Kunde ist a priori kein Konkurrent,
denn ihn treibt ein voellig anderes Interesse. Dieses Interesse zu
erkennen und aufzugreifen, waere der notwendige Schritt auf der
Anbieterseite. Den potenziellen Kunden aber zum 'Konkurrenten'
umzudefinieren, damit man sich selbst nicht veraendern muss und
stattdessen rechtlich gegen ihn vorgehen kann, gilt imo nicht.
> Auch in Bezug auf die bestehenden Gesetze (weit hinausgehend über das
> Urheberrecht) ist das eine neue Situation. Die Frage ist, wie der
> Gesetzgeber sie handhaben wird, mehr zum Vorteil der Industrie, oder
> mehr zum Vorteil der Privatleute. Und ich meine das jetzt speziell in
> Bezug auf die Vermarktung eigener Inhalte, nicht auf die Aneignung
> fremder Inhalte. Wobei die Diskussion darüber, ob Informationen der
> Allgemeinheit gehören sollen oder nicht, eine weitergehende Sache ist.

ACK. Ich habe irgendwo ganz am Anfang der Diskussion bereits einmal ein
paar mehr philosophische Gedanken in diese Richtung eingestreut und
denke nach wie vor, selbst wenn bisweilen die Zeichen dafuer auch noch
etwas unguenstig erscheinen, dass es hier langfristig auf eine
/radikale/ Oeffnung und Freilegung der Informationen hinauslaeuft, bzw
auf eine strikte Trennung von oeffentlicher und privater Information.
Erstere zeichnet sich dadurch aus, dass sie - auf welchen Wegen auch
immer - in die Oeffentlichkeit /gelangt/ /ist/. Letztere muss unbedingt
davor bewahrt werden, wenn man verhindern will, dass sie zum
'oeffentlichen Gut' wird. Irgendwelche Mischformen mag es heute noch
geben, es wird in Zukunft aber immer schwieriger, so etwas zu
organisieren.[*] Und mit jedem 'Daten-GAU' draengt sich dieses Problem
staerker ins Bewusstsein der verantwortlichen Leute: Jede Information,
die einmal in die Oeffentlichkeit gelangt ist, ist praktisch nicht mehr
zu schuetzen. Vielleicht hat man Glueck und es hat keiner bemerkt - aber
sicher sein kann man sich der Sache nicht.

[*] Weil man immer nur genau eine Chance hat. Ist die vertan, sind die
Daten abermals 'frei' und es gibt dann immer mehr potenzielle
Interessenten fuer diese Daten, wie auch Leute, die sie verfuegbar
machen koennten (aus welchen Gruenden auch immer).

Die fuer mich logische Konsequenz aus dieser Einsicht kann eigentlich
nur lauten, dass man seine Ressourcen nicht mehr darein verschwendet,
einen unmoeglich gewinnbaren Kampf zu fuehren, sondern sich mit der
prinzipiellen Oeffentlichkeit einmal veroeffentlichter Daten abfindet.
Ist dieser - zugegeben schwere - Schritt einmal getan, kann man sich der
Ueberlegung zuwenden, wie man mit dieser Situation - im Sinne der
persoenlichen Interessenlage - sinnvollerweise umzugehen hat.
>>> Es ist ein Grundsatz des Kapitalismus, einerseits Informationen
>>> geheimzuhalten, nämlich die eigenen nach außen und nach innen (jeder
>>> Mitarbeiter soll nur soviel wissen wie er für seine Arbeit braucht) und
>>> das, was die Konkurrenz noch nicht weiß, andererseits so viele
>>> Informationen wie möglich einzuholen und zu nutzen (besonders über die
>>> Konkurrenz, Stichwort: Industriespionage). Zudem wird versucht, die
>>> Gesetze für sich so günstig wie möglich auszulegen und zu nutzen, und es
>>> gleichzeitig den anderen so schwer wie möglich zu machen. Das ist nichts
>>> Neues und deutlich älter als das neue Informationszeitalter.
>> Ja. Der Knackpunkt liegt jedoch im letzten Wort verborgen.
> Ja, wobei zu bedenken ist, dass das Klassische zumindest auf kurze bis
> mittlere Sicht nicht einfach verschwindet, sondern neben dem Neuen
> bestehen bleibt (CDs neben Musik-Dateien, Druckerzeugnisse neben
> Web-Publikationen, Kino neben Fernsehen neben Web-Streams, usw.), es ist
> halt ein schrittweiser bzw. fließender Übergang. Kritisch sind die
> Übergangszeiten, wo die einen noch am Alten festkleben, die anderen noch
> nicht fest Fuss gefasst haben, und die Rechtslage noch nicht klar
> geregelt ist.

Der grundsaetzliche Unterschied zwischen frueher und heute ist der
quasi eliminierte Zeitfaktor fuer die Verbreitung von Informationen.
Wenn irgendwo auf der Erde eine neue Information auftaucht, dann ist die
gleichzeitig potenziell *ueberall* in der Welt aufgetaucht, weil das
Internet ein globales Echtzeit-Medium ist. Sehr gut nachzuvollziehen war
dies beim Erdbeben in Sichuan/China. Noch bevor sich die chinesische
Staatsfuehrung darueber einig war, wie und wann man dies gegenueber der
Weltoeffentlichkeit zu kommunizieren gedenkt, hatten irgendwelche Leute
die ersten Meldungen schon direkt aus dem Brennpunkt 'getwittert'. China
blieb dann eigentlich nichts anderes mehr uebrig, als progressiv mit der
Situation umzugehen und die Flucht nach vorn anzutreten - voellig
entgegen ihrer ueblichen Gangart. So schnell war keine der etablierten
Nachrichtenagenturen und einmal veroeffentlicht, war die Nachricht auch
nicht mehr 'einzufangen', konnte sich nur noch rasant ausbreiten. Ich
denke mal, diese Eigendynamik der Informationsausbreitung im Netz war
China in diesem Fall ebenso 'unangenehm', wie der MPAA eine
unautorisierte Veroeffentlichung eines neuen Blockbusters unmittelbar
vor Kinostart.

Worauf ich hinaus will, sind im wesentlichen zwei Aspekte:

Zum ersten, es macht im Prinzip keinen Sinn, sich dieser 'Eigendynamik'
zu widersetzen. Man kann Gesetze schmieden, die Informationsverbreitung
unter Strafe stellen, aber wenn ein einziges Individuum sich davon nicht
beeindrucken laesst, dann ist das ganze System torpediert. Egal ob es
um Konzern- oder Staatsinteressen dabei geht.

Der andere Aspekt ist, dass man - sofern man zukuenftig mit der
Verbreitung von Informationen (egal ob Nachrichten, Musik, Filme, ...)
erfolgreich Business machen will - diesen Faktor als zentralen Umstand
bei der Entwicklung des Geschaeftsmodells mit einbeziehen und alles
andere davon abhaengig machen muss. Beruecksichtigt man dies, kann man
getrost den - wenn auch ungewollten - 'Abfluss' von Informationen
dulden. Ihn verhindern zu wollen waere nur eine unproduktive, sinnlose
Ressourcenverschwendung.

[Idealismus im Prinzip positiv]
> Es ist wie in '1984'. Der einzelne hat keine Chance gegen das System,
> die Masse hätte jedoch schon eine Chance, aber sie ist halt die Masse,
> die sich leicht lenken und unterdrücken lässt, weil sie sich ihrer
> eigentlichen Macht nicht bewusst ist.

In der Vernetzung erwacht diese Macht allmaehlich. Das wird den 'alten'
Machthabern - egal ob aus Reihen der Politik oder der Wirtschaft (gibts
da ueberhaupt noch nen Unterschied?) - zunehmend unheimlich bewusst. Und
im Bereich P2P tritt genau dieser Aspekt auch sehr deutlich hervor. Die
Menschen brauchen keine Vermittler mehr, weil das Netz im Prinzip jeden
mit allen verbindet - egal wo sie leben. Austausch ist moeglich und es
spielt dabei absolut gar keine Rolle, um was fuer Daten es sich handelt.
Wichtig ist, dass es in Echtzeit zwischen zwei nahezu beliebigen Punkten
auf der Erde jederzeit stattfinden kann und das es immer mehr fuer ihre
persoenlichen Zielsetzungen zu nutzen verstehen.

Was also kann man vernuenftigerweise fuer Konsequenzen daraus ziehen?

[freie vs proprietaere Software]
>> Meine ist bereits zu Gunsten der freien Software gefallen und ich habe
>> es bisher nicht bereut. Manch einer hat mindestens ein ebenso
>> zwiespaeltiges Verhaeltnis beim Gebrauch proprietaerer Software, von
>> welcher er einfach nicht weiss, was sie so alles tut (oder nicht).
>> Stichwort 'security by obscurity' oder 'automatisches Zwangsupdate'.
> Ich denke, die meisten Anwender interessiert nicht, was sich da alles
> unter der Haube tut, sondern einfach nur, dass es tut. Und die Software,
> die vorinstalliert ist, gehört für sie einfach zum Computer dazu.

Na gerade bei den Windows-Systemen ist doch *nur* ein Betriebssystem mit
ein paar Basisanwendungen vorinstalliert? Das heisst, der Anwender
*muss* auf jeden Fall noch Software nachinstallieren. Bei einer
gaengigen Linux-Distribution hat er schonmal jede Menge davon im Paket,
mit den jeweils aktuellsten Versionen und spezielle Sachen kann er sich
einfach uebers Web nachinstallieren. Ich glaube nicht, dass die
Windows-Anwender heute so viel unbeholfener sind, als vor 10 Jahren oder
so, wo ich selbst noch dazu gehoerte. ;)
> Der
> Computer ist ein Gebrauchsgegenstand wie die gewohnten elektronischen
> Geräte auch. Wer käme schon auf die Idee, bei einem Fernseher, einem
> Radio, einer Stereoanlage, einem Videorecorder, erst Software zu
> installieren. Der Computer ist halt eine modernere Kombiversion dieser
> Geräte. Computer sollen das Leben erleichtern und verschönern, nicht
> alles schwer machen und Sorgen bereiten, das ist die Werbebotschaft, und
> sie wirkt.

Hmm... Aber das koennte man doch mit den 'klassischen' Geraeten schon
erreichen. Die besondere Qualitaet des Computers kommt doch nur in der
Interaktionsfaehigkeit zum Tragen, erst recht in Verbindung mit seiner
Faehigkeit zur Vernetzung. Zum Fernsehen oder Radiohoeren, braucht
keiner einen Computer - wohl aber zum Surfen, Chatten, Spielen, Daten
bearbeiten und/oder austauschen...
> Weiterhin ist es die lebenszeitliche und örtliche Allgegenwärtigkeit von
> Windows. In der Schule, am Arbeitsplatz, in Institutionen, in Behörden,
> im privaten Umfeld. Wer zum Beispiel wie ich im Bürobereich arbeitet, wo
> Windows und MS-Office Quasi-Standard sind, und diese Programme auch von
> daheim gewohnt ist, der tut sich viel leichter in der Arbeit. Und es
> wird auch erwartet, dass man sich im Nu auskennt, lange
> Einarbeitungszeiten sind passé. Es gibt immer mehr Zeitarbeiter, die
> Anforderungen und der Konkurrenzdruck der Arbeitnehmer untereinander
> werden immer härter, da kann man es sich nicht mehr leisten, sich nicht
> sofort auszukennen. Es wäre von großem Nachteil, wenn an jedem
> Einsatzort eine andere, unbekannte Software installiert wäre.

Es braeuchte einen fundierten Informatikunterricht an den Schulen, auf
welchen sich dann auch die Ausbildung der Medienkompetenz begruenden
kann. Freie Software wuerde sich dafuer aus mehreren Gruenden anbieten
und wer einmal mit den Grundlagen so richtig vertraut gemacht wurde,
kommt auch mit einer leicht veraenderten Oberflaeche klar. ;)
> Eine weiterer Umstand ist, wenn es nur (gute, passende,
> maßgeschneiderte) Windows-Software für einen Einsatzzweck gibt, bei
> Firmen, bei Selbständigen, bei Home-/Tele-Arbeitern, die somit
> festgelegt sind. Daheim für private Zwecke, da kann man sich alles viel
> eher aussuchen, aber was berufs- und arbeitsmäßig vorgegeben ist, da hat
> man keine (freie) Wahl.

Das stimmt natuerlich.
> Dann kommt die Hardware dazu, für die es zwar Windows-Treiber gibt,
> jedoch keine oder nur unzureichende Treiber für andere Betriebssysteme.
> Ich habe im Laufe meiner privaten Computerzeit andere Betriebssysteme
> ausprobiert (OS/2, BeOS, SuSE-Linux), aber die fehlende oder
> unzureichende Hardwareunterstützung war immer wieder ein Problem.

Also das mit SuSE-Linux muss jetzt schon ein *gutes* Stueck
zurueckliegen, oder?
> Windows dagegen passte letztendlich immer wieder wie angegossen zur
> Hardware.

Nunja, mitunter wurde auch schonmal die Hardware ans Windows angepasst.
Das ist aber eher ein Bsp fuer 'wie man es nicht machen sollte'.
> Die Verkuppelung von Windows und Hardware schon lange eine
> gewisse Teilrealität, nicht erst eine Schreckensvision der Zukunft.
>
> Du siehst, es gibt leider real existierende Gründe für Windows. Ich
> möchte eigentlich auch weg von Windows, mir wird das Ganze auch immer
> weniger geheuer,

Wenn du es damit ernst meinst, dann raeum einfach mal eine Partition
frei[**] und installiere eine aktuelle OpenSUSE[***] parallel zu deinem
Windows. Das machen heute recht viele und es ist ne gute Moeglichkeit,
die Sache vorsichtig zu testen, ohne etwas zu riskieren dabei. Die
Installation geht heuer *extrem* userfreundlich vonstatten und es wird
dir automatisch ein Dual-Boot-System eingerichtet. Sogar deine
Windows-Partitionen werden korrekt eingebunden und das funktioniert
obendrein jetzt auch mit ntfs.

Wenn du dir nicht erst letzte Woche nen nagelneuen Rechner mit
irgendwelchen 'High-End-Komponenten' zugelegt hast, sind eigentlich
keine Probleme mit der Hardware zu erwarten. Fuer gewoehnlich wird die
jetzt automatisch erkannt und konfiguriert. Und sollte doch mal etwas
nicht auf Anhieb funktionieren (z.B. 3D-Unterstuetzung fuer Grafikkarte
oder eine freakige WLAN-Karte, dann gibt es oftmals auch die
Moeglichkeit, einen proprietaeren (Original-)Treiber einzubinden. Also
fehlende Hardware-Unterstuetzung zaehlt heute als Ausrede nicht mehr. ;)

Zur Not wird dir auch hier geholfen: alt.linux.suse (deutschsprachig).

Und ein ganz allgemeiner Tip: Bei zukuenftigen Hardwareeinkaeufen auf
Linux-Kompatibilitaet achten. Hardware einfach testen geht z.B. mit
einem Live-System auf DVD ganz prima. Wenn das korrekt startet und alles
sauber einrichtet, einschliesslich Internetzugang und Periferiegeraete,
dann ist die Installation auf Platte auch kein Akt mehr.

[**] so 20 Gigabyte sollten in jedem Falle reichen. Zusaetzlich noch
eine kleine als swap-partition, etwa doppelt so gross wie dein
Arbeitsspeicher. Die Installationsroutine erkennt den Platz
selbststaendig und schlaegt dir die Verwendung passend vor.

[***] http://de.opensuse.org/Stabile_Version
> aber in mir existiert ein Zwiespalt, der sich
> inzwischen auch auf meinem PC manifestiert hat. Bald kann man sagen, es
> ist so wie ein Layer-System, wo Windows auf seine eigentlichen Aufgaben
> als Betriebssystem, also als Vermittler zur Hardware, konzentriert wird,
> während die Anwendungssoftware zunehmend durch FOSS gestellt wird. Kein
> Idealzustand, aber mein Computer erfüllt so seinen Zweck als praktisches
> Werkzeug.

Jeder wie er mag. Nur finde ich die 'Ausreden' oben etwas duenn. Sag
doch, dass du es lieber willst, dein Windows. Das ist schon in Ordnung.
Aber fuer die, die wirklich ne Alternative suchen, steht auch eine zur
Verfuegung. Aufwand ist das heute nicht mehr und vertraut wird man damit
auch recht schnell, zumal es im Netz ne riesen Community gibt, die gern
weiterhilft, wenn es irgendwo klemmt. :)

[Verbot mit Duldung von unlizensierten (Software-)Kopien]
>> Und das vor allem, wenn ich es aus der Sicht des exemplarischen
>> Kapitalisten betrachte, der ja gewohnheitsmaessig nach dem gehen sollte,
>> was ihm nuetzt. Kann es also sein, dass hier eine zweigleisige, partiell
>> gegenlaeufige Strategie gefahren wird und wenn ja, warum?
> Konkret weiß ich es auch nicht, aber ich denke, das gehört zur
> grundlegenden Strategie, sich nicht in die Karten schauen zu lassen, wie
> ich sie schon im Vorposting skizziert habe, zusammen mit Muskelspiel und
> Einschüchterungstaktik. Ich kann es ja bis zu einem gewissen Grad
> irgendie nachvollziehen, aber auch bei mir schleicht sich zunehmend ein
> Gefühl der Ratlosigkeit ein, zumal die FOSS ja auf dem Vormarsch ist,
> und die etablierten Konzerne nicht mehr so monokulturell sicher sind.
> Oder sie gehen aufs Ganze als quasi Kriegserklärung. Da kann man nur an
> die Gesetzgeber und die Rechtsprechung appellieren, nicht auch noch vor
> den Konzernen einzuknicken und sich zum Narren halten zu lassen. Aber
> wenn die Politiker und die Richter nichts von Computern verstehen, dann
> sieht es düster aus.

Da sagst du was. Ich fuerchte, wir brauchen eine komplett neue
Generation von Politikern. Die Richter zeigen sich zumindest noch
lernfaehig, jedenfalls je hoeher man in die Instanzen schaut. Die
besseren Juristen bleiben wohl den Gerichten erhalten. Die anderen
versuchen sich als Politiker...

[globale digitale Kluft]
> Ja, die Schwellenländer sind auf dem Weg, aber es gibt immer noch viele
> ärmere Länder und auch ärmere Menschen in den wohlhabenden Ländern.
> Bildung ist in der Tat wichtig, aber da fängt auch was an
> schiefzulaufen. Stichwort: Fachkräftemangel. Unsere Wirtschaft fordert
> jetzt, dass hochqualifizierte Fachkräfte aus anderen Ländern leichter
> hier arbeiten können. Sie macht es sich allzu leicht, weil sie bei uns
> zu wenig ausgebildet hat, und weil ihnen die hiesigen Fachkräfte zu
> teuer und zu anspruchsvoll sind. Die Fachkräfte werden jedoch in den
> Ursprungsländern gebraucht. Es läuft wieder analog zum alten Muster wie
> in der Kolonialzeit.
[...]
>>> [Die Situation der Industrie]
>>> Ich glaube auch nicht, dass es der Industrie so schlecht geht, wie sie
>>> oft der Anschein erweckt. Präventive Melodramatik gehört mit zur
>>> Geschäftsstrategie. Was meinst Du, wie die Erde unter den stampfenden
>>> Beinen der Dinosaurier schwanken würde, wenn sie wirklich in einer
>>> Notlage wären?
>> Schlimmer als TRIPS, ACTA oder der juengste Angriff auf das
>> 'EU-Telekom-Paket'[*] meinst du? Ich denke eher, wenn die Erde *noch*
>> staerker schwankt - um in deinem Bild zu bleiben - dann kann das nur
>> daher ruehren, dass ein paar Dinos *umgefallen* sind...
>>
>> [*] http://futurezone.orf.at/it/stories/292156/
> Schlimmer? Im vorigen Jahrhundert hätte ich noch eher nein gesagt. Aber
> im real existierenden 21. Jahrhundert halte ich bald alles für möglich.
> Zeiten der Umwälzungen haben immer wieder die schlimmsten Auswüchse
> menschlichen Wütens hervorgerufen. Man denke nur an den Kirchenapparat
> zu Beginn der Neuzeit, der sich gegen den drohenden Machtverlust mit
> allen Mitteln gewehrt hat. Und die Umwälzungen betreffen nicht nur die
> neuen Medien, sondern auch soziale Umschichtungen - die sich
> vergrößernde Schere zwischen Arm und Reich und Arbeitslosigkeit -,
> weltweite Krisen, die Flüchtlingsströme, die gegen die EU anbranden, die
> Terrorismus-Hysterie und Political Stupidity des Westens, u. a.

Das sind die vorlaeufigen Ergebnisse der segensreichen, neoliberalen
Heilslehre, mit der eine ueberschaubare Gruppe radikaloekonomischer
Fundamentalisten aus einer bekannten, Chicagoer Kapitalschule seit den
1970er Jahren die in ihrem krankhaften Humanismus gefesselte Menschheit
zu erloesen gedenkt. Das muss schon ein bisschen weh tun, sonst merkt
man ja nicht, dass die Welt hinterher besser ist, als vorher... >;-[
>>> Das Laisser-Faire der 'Normativen Kraft des Faktischen' halte ich nicht
>>> für den richtigen Weg. Das Kopieren an sich ist kein kreativer Akt,
>>> nicht mal ein sinnvoller.
>> Es ist noch weniger: eine Banalitaet.
> Es zu banalisieren, halte ich nicht für so gut. Das Kopieren sollte ein
> zielführender Akt sein. Zum Beispiel "ich kopiere Daten für ein Backup,
> damit sie nicht verloren sind, wenn mal meine Festplatte den Geist
> aufgeben sollte".

Bist du Buddhist? Ich meine, Achtsamkeit bei allem was man so tut, ist
prinzipiell lobenswert. Aber ueberlegst du tatsaechlich jedesmal, wenn
du zum Stift greifst, um dir etwas zu notieren genau, warum du das jetzt
machst, welche tiefere Bedeutung dieser - an sich banale - Akt genau
hat? Oder 'passiert' dir das einfach nur so, quasi automatisch? Ehrlich?

Ich fuer meinen Teil speichere und loesche Daten mit der selben banalen
Routine, wie ich etwas auf ein Blatt Papier schreibe und vllt wieder
durchstreiche... Besondere Vorsicht ist da nur gegeben, wenn es an
sensible Daten geht, oder irgendetwas im System selbst. Das ist dann von
der Achtsamkeit in etwa zu vergleichen, mit einem persoenlichen Brief
oder offiziellen Anschreiben. Ganz allgemein mache ich lieber ein Backup
zuviel, als eines mal schmerzlich zu vermissen.
>>> Sich die Festplatte vollhauen, nur weils
>>> kinderleicht geht, man massig Speicherplatz und eine Highspeed-Flatrate
>>> hat, dem fehlt Sinn und Zweck, bzw. hat den Zweck der Angeberei bei
>>> Jugendlichen, einen technikverliebten Selbstzweck bei Computer-Freaks,
>>> und ist das Ziel naiv-idealistischer Datenbefreier. Wenn das mit "Alle
>>> Informationen sollen frei sein" gemeint sein sollte, dann ist etwas
>>> schiefgelaufen.
>> Gut, damit duerfte deine eigentliche Intention klar umrissen sein. ;)
> Und was hältst Du genau für meine eigentliche Intention?

Zum Zeitpunkt, als ich das schrieb, war ich davon ueberzeugt, dass du
Stefans eher 'konservativen' Standpunkt lediglich auf eine etwas
smartere Weise verteidigen willst und dein anfaengliches Eingehen auf
meine zentrale Argumentation nur eine - wenn auch sehr ueberzeugend
vorgetragene - rhetorische Strategie gewesen sein koennte. Nach deinem
zweiten Posting muss ich das etwas relativieren, oder du bist wirklich
ein Profi auf diesem Gebiet. ;)

Der Grund fuer den Verdacht war die ploetzliche Konzentration gewisser
'Schlagwoerter', die das verstaendnisvolle Eingehen auf die Problematik
des gesellschaftlichen Wandels und der zentralen Rolle, die der
Wirtschaft dabei zukommt, etwas zu drastisch und unvermittelt
kontrastierte (und dabei eben sehr in die Richtung der repetitiven
Argumentation zeigte, mit welcher Stefan mich so lange zuvor
maltraetiert hat, bis ich letztlich die Notbremse zog, weil ich keine
Bewegung mehr darin erkennen konnte).

Aber nix fuer Ungut. War nur so eine flapsige Bemerkung, die man sich
besser schenkt.
>> Und zur 'prall gefuellten Festplatte' mit all den ach so wertvollen
>> 'Produkten' drauf: Halte mal kurz einen etwas staerkeren Magneten[**]
>> daneben und schwubbs - alles innert Millisekunden hinweggefegt.
>>
>> Wenn etwas so simpel herbei- und hinfortzuschaffen ist, wie Daten auf
>> einer Festplatte, dann ist das nichts, was man vernuenftigerweise
>> irgendwie gesetzlich reglementieren muesste oder koennte. Ob man da
>> jetzt an die einzelnen User appellieren will, es doch lieber bleiben zu
>> lassen, steht auf einem anderen Blatt.
> Auch wegen der Gefahr des Verlustes gibt es das Recht auf Privatkopien.

Das im Falle der DVD - und aller Medien, die ueber einen 'effektiven
Kopierschutz' verfuegen - schon ausgehebelt wurde. Ob sich jemand dran
haelt, ist natuerlich die andere Frage.
> Wenn das Werk jedoch auf Teufel komm raus kopiert wird, der Urheber bzw.
> Rechteinhaber bzw. Verwerter das nicht will, und das Gesetz aufgrund der
> Unverhinderbarkeit des Kopierens versagt, dann wird auch er auf
> "Notwehr" umschalten, die den Namen Kopierschutz trägt, dann sind alle
> Konsumenten die Angeschmierten. Der Wille des Urhebers bzw.
> Rechteinhabers bzw. Verwerters ist Gesetz, so und so.
>
> Ich will weder ein Moralapostel, noch ein Gesetzeshüter sein, jeder darf
> so frei handeln, wie er will. Aber niemand befindet sich im luftleeren
> Raum, jede Handlung hat Auswirkungen und Konsequenzen. Ich gebe das nur
> zu bedenken.

Das ist klar. Etwas theadralisch ueberhoeht gesagt: Der Weg zur Freiheit
hat seinen Preis und fordert so manches Opfer... ;)
>> Jedoch auch die Frage im Raum: Warum eigentlich? Was macht eine
>> /sinnlos/ /vollgemuellte/ /Festplatte/ mehr oder weniger in einer Welt
>> voller /sinnlos/ /vollgemuellter/ /Festplatten/ schon aus? Es ist ein
>> banaler Akt, der getrost uebersehen werden kann, da er keinen Schaden
>> produziert, hoechtens an dem einen oder anderen Ego kratzt.
>>
>> [**] http://www.supermagnete.ch/magnets.php?group=blocks_big
> Jetzt schaltest Du plötzlich auf eine andere Sachfrage um. Es geht
> darum, welchen Wert Menschen in Information sehen, individuell und
> gemeinschaftlich.

Ein Beispiel im Kontext: Wenn du heute eine aktuelle Linux-Distribution
aus dem Netz laedst, sagen wir mal ein aktuelles SuSE-Linux, dann hast
du eine prall gefuellte DVD mit einem sehr leistungsfaehigen
Betriebsystem /UND/ hunderten von teilweise sehr umfangreichen
Programmpaketen, auf aktuellem Stand. Zusaetzlich freien Zugriff auf
Installationsquellen im Netz fuer noch viel mehr, teilweise sehr
spezielle Anwendungen - von der CGI-Software uebr ein Tonstudio bis hin
zur professionellen Programmierumgebung einschliesslich aller Quellen.

Wenn du dir das proprietaere Komplement dazu vorstellst, also ein
Windows-OS /plus/ Steinberg-Software, Photoshop, Visual-Sonstwie-
Programmierumgebung, OfficeSuite, AutoCAD XX, Video-Editoren,
Webpublishing-Software - weiss der Geier was - von unzaehligen kleineren
Tools ganz abgesehen, dann kommst du auf einen 'Nominalwert' von vllt
*etlichen* Zehntausend Euro fuer dieses Paket.

Wenn du dir dieses schizophrene Verhaeltnis vorstellst, was bedeutet es
dann in Bezuig auf den /Wert/ dieser Daten, sofern sie je auf einer
Festplatte liegen? Ist die Linux-Distri nichts wert, weil man sie ganz
einfach kostenlos bekommen kann?

Was macht den eklatanten Unterschied zwischen beiden Festplatten aus?
Wenn man es genau nimmt, sind beide 'zugemuellt'. Der Anwender wird in
jedem Fall nur ein Bruchteil der Sachen wirklich brauchen, maches vllt
nur selten einmal.

Das Selbstverstaendnis des einen soll dem anderen zum Verhaengnis werden
koennen, obwohl er nichts anderes gemacht hat, als sich die Festplatte
mit allerlei Software 'zuzumuellen', die er vllt nie wirklich brauchen,
geschweige produktiv nutzen wird. Warum soll man das also /verbieten/,
solange er nicht versucht, seinerseits die Software wieder zu verkaufen
oder sie fuer sein Business zu verwenden?
> Die Geldscheine aus dem obigen Beispiel, oder dieses
> Posting. Der eine wird sagen "was für ein Stuss" und misst ihm keinen
> Wert zu, er andere wird es interessant finden zum Lesen, Nachdenken,
> Weiterdiskutieren. Oder einen hineingesteckten monetären Wert zur
> Schaffung bzw. Beschaffung der Information. Einen vereinbarten Wert beim
> Verkauf, einen angepeilten Erlös nach der Veröffentlichung.

Wenn ich einen Geldschein kopiere, dann ist das u.U. eine Moeglichkeit,
mir damit widerrechtlich /echte/ Werte anzuschaffen. Wenn ich eine Kopie
von einer Software erstellt habe, dann ist das erstmal nur ein
Datenpaket auf meiner Festplatte, kein 'Wert an sich'. Ob jemand dem
einen Wert beimisst oder nicht, spielt da gar keine Rolle, solange kein
echter Wert (resp. Verlusst) irgendwo nachweisbar ist.
>>> Es wäre schade, wenn das
>>> Internet und die Computer in der Zukunft nur noch als stupide
>>> Massendatenproduktionsmaschinen dienten.
>> Die wenigsten Anwender programmieren auf ihrem Computer. Viele jedoch
>> beschaeftigen sich mit Inhalten und das zunehmend kreativ. Da kommt dann
>> sehr schnell wieder die Copyright-Keule ins Spiel, weil man das nicht so
>> einfach machen kann bzw soll. Aber offenbar haben viele das Beduerfnis,
>> ihre IT daheim auch so zu nutzen. Was soll sie effektiv davon abhalten?
> Effektiv nichts. Es dreht sich doch um zwei verschiedene Umstände:
> Erstens die Verbreitung selbstgeschaffener Werke. Wenn Dich daran jemand
> hindern will, das darf nicht sein. Zweitens um die Verbreitung der Werke
> anderer. Wenn Du sie verbreiten darfst oder gar sollst, dann gilt das
> eben Geschriebene. Wenn Du sie nicht verbreiten darfst, dann handelst Du
> auf eigenes Risiko.

Zumindest so lange, bis man akzeptiert hat, dass man im
Informationszeitalter einmal veroeffentlichte Daten nicht an der
Verbreitung hindern kann. Das klappt nichtmal im Chinesischen Internet.
Ein radikales Umdenken halte ich hier dringend fuer geboten.
> Allgemein sehe ich das Eingehen eines Risikos in Relation dazu, das es
> eine Sache wert ist. Ein Risiko für Schrott eingehen halte ich für
> zweifelhaft. Ich habe kein Bedürfnis nach Schrott, den kann die
> Industrie behalten.

Das ist zweifellos eine vernuenftige Einstellung. Was 'Schrott' ist und
was nicht, bleibt aber eine subjektive Einschaetzung. Wenn Leute Musik
tauschen, dann eher, wenn oder weil sie diese gut finden, nicht wegen
dem 'Kick' am Risiko.
> Und es gibt nicht nur die Schwarz-Weiß-Sicht nicht veröffentlichen oder
> veröffentlichen, sondern die Verbreitung inwieweit. Das engste ist zum
> Beispiel, wenn jemand etwas in sein elektronisches Tagebuch nur für
> seine eigenen Augen schreibt. Weiter geht es, wenn er jemandem etwas
> mailt, sagen wir mal, innerhalb einer Firma. Weiter, wenn es auch alle
> Kunden der Firma erfahren sollen. Noch weiter, wenn es die
> Öffentlichkeit erfahren soll.

Du beschreibst hier verschiedene 'Schutzzonen', die die Sicherheit der
darin befindlichen, exklusiven Daten gewaehrleisten sollen. Was von
drinnen nicht nach draussen gelangen darf, obliegt dem Verantwortlichen
fuer die Datensicherheit des jeweiligen Bereiches. Wenn er es nicht
schafft und die Daten gelangen auf den untersten Level (also in die
Oeffentlichkeit), dann sind sie zwangslaeufig 'vogelfrei' und
prinzipiell nicht mehr privat. Das ist ja eine zentrale Forderung von
mir in dieser Debatte: Ein Bewusstsein fuer diese Problematik zu
entwickeln und die daraus resultierenden Schluesse zu ziehen. Ein
wesentlicher Schluss ist imo, dass es unter solchen Umstaenden einfach
nicht moeglich ist, irgendwelche Informationen *gleichzeitig* zu
veroeffentlichen und sie an der Ausbreitung zu hindern. Veroeffentlichte
Daten wecken immer irgendwo ein Interesse, welches sie aufgreift und
weiter transportiert. Man hat eigentlich keine Wahl, dies zu akzeptieren
und davon ausgehend zu ueberlegen, wie man seine Veroeffentlichungs-
strategie darauf abstimmt. Alles andere ist Zeit- und Ressourcen-
verschwendung mit erheblichen rechtlichen Kolateralschaeden.
>>> [Werbung]
>>> Das Internet ist auch voller Werbung, sie breitet sich auch dort aus,
>>> dieser Verlockung können scheints immer weniger Werbungbringende
>>> widerstehen.
>> Ich will eine adblock-extension fuer mein Reallife. Hat wer nen Link? ;)

Proprietaerer Mist... ;-)

Dominic
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