Dominic Valerie Casare wrote:
> On Mon, 7 Jul 2008, Stefan Reuther wrote:
>>>Die Bringschuld ist das Eingehen auf die Beduerfnisse der potenziellen
>>>Kunden. Sie kann das ignorieren, sollte dann aber auch damit leben
>>>koennen, wenn die potenziellen Kunden ihre eigenen Wege zur Befriedigung
>>>ihrer Beduerfnisse suchen und finden.
>>
>>Solange sie das legal tun, sollen sie doch.
>
> Das mit der 'gesellschaftlichen Umwaelzung' und dem 'rasanten
> technischem Fortschritt' sowie der 'Neuartigkeit eines globalen,
> digitalen Echtzeit-Mediums' hast du aber schon verstanden?
Natürlich. Nur sehe ich halt weiterhin nicht, warum man Leute, die nicht
mitspielen wollen unbedingt mit hineinziehen muss.
[Abfilmen geht immernoch]
>>>Mir sicher nicht, da ich sowas nur theoretisch durchdenke, aber wie
>>>bitte soll ein Wasserzeichen die 'unerlaubte' Verbreitung verhindern?
>>
>>Irgendwann gab es mal eine Meldung, dass mal wieder jemand ein (US-)
>>Gesetz plant, das vorschreibt, dass Kameras ein bestimmtes Wasserzeichen
>>erkennen und dann abschalten sollen. Kann ich leider gerade nicht
>>finden. So muss <
http://www.heise.de/newsticker/meldung/95410/> genügen.
>
> Ja schoen, und die paar Digicams die bereits im Umlauf sind, kann man ja
> per Rueckrufaktion wieder einsammeln und verschrotten, damit es auch in
> der Praxis funktioniert... scnr
Sollte das tatsächlich Gesetz werden (was ich nicht hoffe), hätten wir
die gleiche Situation wie jetzt mit den CT1+-Telefonen
<
http://www.heise.de/newsticker/meldung/107732>. Ansonsten würde sich
das Problem schlicht binnen 10, 20 Jahren "auswachsen".
[BluRay geknackt]
>>>>Soweit ich das verstanden habe, ist über den Key-Revocation-Mechanismus
>>>>ein Eingreifen seitens der Bluray-Truppe immer noch möglich. Ansonsten
>>>>war das ein Angriff auf eine Implementation auf einem nicht vollständig
>>>>"gesicherten" System. Um den Key zu finden, hat jemand den Speicher
>>>>seines Rechners überwacht. Genau das kann meines Wissens Windows Vista
>>>>verhindern, und gegen die Leute mit dem PCI-Sniffer gibt es auch schon
>>>>Möglichkeiten.
>>>
>>>Du scheinst ja ein richtiger Fan von solchem Mist zu sein. ;-]
>>
>>Ich will das DRM-Zeug genausowenig wie du. Nur halte ich es für wenig
>>zielführend "ich will, also mache ich, weil ich kann" zu schreien. Davon
>>geht das definitiv nicht weg.
>
> Das ist eine Projektion deinerseits. Meine Intention ist etwas anders
> gelagert. Um die zu verstehen, solltest du dich erstmal mental so weit
> wie moeglich auf den Standpunkt von FS/OSS/CC und der Hackerethik[*]
> einlassen. Ich argumentiere aus diesem Verstaendnis vom Umgang mit Daten
> heraus und sehe darin auch sowas wie einen quasi-natuerlichen Zustand
> des globalen Daten-Netzes.
Dort steht auch "Mülle nicht in den Daten anderer Leute".
Davon abgesehen basiert ein Großteil von OSS auf einem starken
Urheberrecht, und die Lizenzrestriktionen werden auch und gerade von
Hackern möglichst präzise eingehalten. Warum ist also diese Ungleich-
behandlung dein Ziel? Warum willst du dich über den Willen des Urhebers
hinwegsetzen, wenn es sich dabei um ein "klassisches" Copyright handelt,
nicht jedoch, wenn die Lizenzrestriktionen mit "GNU GPL" überschrieben sind?
> Ich sehe weiterhin massive Bestrebungen
> seitens gewisser Industrien und deren Lobbys, diesen natuerlichen
> Zustand in etwas Monstroeses zu pervertieren.
Das Schöne an der digitalen Welt ist, dass man wunderbar Parallel-
universen bauen kann. Wer nicht mitspielt, bleibt halt aus diesem
Teiluniversum draußen, aber niemand wird zu irgendwas gezwungen (z.B.
zur Freigabe seines Werkes).
>>>>Wenn das favorisierte Medium unter Linux nicht spielt, werden diese aber
>>>>in Nullkommanix zu Windows zurück booten.
>>>
>>>"Erst wenn ichs seh..."
>>
>>Ich *habe* das schon gesehen. Wenn $verwandschaft sich von mir den
>>Rechner neu installieren lässt, bekommen sie grundsätzlich Thunderbird,
>>Firefox, OpenOffice und VLC verpasst. Beim nächsten Besuch läuft dann
>>oftmals doch wieder der IE "weil mit dem FF $chatseite nicht ging", WMP
>>"weil mit dem komischen VLdingens $spaßvideo nicht ging", usw. Meistens
>>drohe ich dann Supportentzug an, da lernen sie's dann, aber ohne diese
>>Motivation bleibt man doch beim "Marktführer". Ich sehe jetzt nicht,
>>warum das mit Linux<>Windows anders sein soll als mit FF<>IE.
>
> Naja der Punkt ist paradoxerweise, dass sich die Leute auch hier
> irgendwie das besorgen, was sie haben wollen. Ich meine nicht den IE,
> sondern eben den Zugang zum Content. Interessant wird das erst, wenn
> deine Verwandschaft nur die Wahl haette, zw. Firefox oder 'IE-Nutzung
> gegen Geld'. Wuerden sie dann dafuer auch bezahlen?
Tja, sie *haben* dafür bezahlt. Ohne es zu wissen, und ohne eine
ernsthafte Wahl gehabt zu haben.
>>Da ich hier privat noch einen Zoo 16-bit-DOS-Zeug supporte, kann ich
>>auch berichten, dass die mit Abstand häufigste Frage dieses Jahr ist "it
>>doesn't run on my new Vista PC, what do I do now?".
>
> Und was raetst du denn in dem Fall? :)
Das, was ich auch nutze. DOSEMU unter Linux. Oder DOSBOX, wenn man
zuviel Rechenkraft übrig hat.
>>>>Komisch, im Supermarkt, in der S-Bahn, im Theater halten sie sich doch
>>>>auch an die (teilweise ungeschriebenen) Regeln.
>>>
>>>Die machen meisstens auch Sinn und/oder sind zumindest nachvollziehbar.
>>>Das ist eben beim Verbot trivialer Kopien nicht gegeben. Da helfen
>>>auch Apelle im Namen verhungernder Kuenstler und Programmierer nicht
>>>weiter,
>>
>>Der für mich nachvollziehbare Schluss ist, dass der Content-Hersteller
>>von etwas leben will.
>
> Das muss ich doch etwas praezisieren: Der /Mensch/ will von /etwas/
> leben - und das soll er auch koennen. Nur es gibt kein Recht darauf,
> dass man mit der Sache, die einem am gelegendsten erscheint, auch diesem
> Anspruch gerecht werden kann.
Das hatten wir schon. Niemand will Abnahmeverpflichtungen. Aber der
Content-Hersteller hat offensichtlich etwas geschaffen, was die Leute
haben wollen. Sonst würden sie's ja nicht kopieren wollen.
>>Ungefähr das will ich seit ca. 2.5e+17 Postings
>>vermitteln. Auch, wenn du das mal wieder ins Lächerliche ziehst.
>
> Daneben habe ich auch durchaus ne Menge konstruktive Vorschlaege
> unterbreitet, untermauert mit Beispielen aus der Praxis, wie man unter
> den veraenderten Gegebenheiten heute im Einklang mit der Dynamik des
> Netzes und den Beduerfnissen der Netznutzer Geschaeft machen kann. Damit
> dringe ich aber nicht bis zu deinem Verstaendnis durch, weil du
> unbedingt darauf bestehen willst, dass die alten Urheberrechtsgesetze
> heute noch Gueltigkeit besitzen und dass sich alle daran halten sollen,
> obwohl es sehr viele (global & im Multi-Millionenbereich) eben /nicht/
> tun.
>
> Ich suche nach einer praxistauglichen Loesung - du moechtest einen
> Idealzustand re-installieren.
Komisch, ich hätte das jetzt für "andersrum" gehalten :-]
Denn das was du als Idealzustand ansiehst, kann einfach aufgrund
technischer Realitäten sowieso von der Industrie immer pervertiert
werden. Eben mit allerlei DRM-Knebeln. Und dass die Möglichkeit, aus
erbrachter Geistesleistung Einnahmen zu erzielen, ausschließlich
Großkonzernen vorbehalten bleibt (weil nur die sich den DRM-Kram leisten
können) finde ich nicht wünschenswert. Dann würden einfach nur die
reichen Großkonzerne nur reicher und größer.
Ich fand halt den laissez-faire-Zustand von Anfang der '90er einfach
entspannter.
>>Aber auch die Garagenband oder der Sharewareprogrammierer wollen von
>>irgendwas außer Spenden leben, was ihnen verunmöglicht wird, wenn jeder
>>ihr Werk beliebig kopiert.
>
> Das ist dennoch ein Trugschluss und basiert wohl auf der Propaganda o.g.
> Mittelsmaenner. *sigh* Es wird wohl noch ne Zeit brauchen, bis du
> dahinter steigst, dass gerade fuer die Kleinen und Kleinsten unter den
> Werkschaffenden in der 'freien Kopie' ein riesen Vorteil liegt, den sie
> nutzen koennen und sollten. Dieser Vorteil ermoeglicht es ihnen
> naemlich, eine Publicity zu erlangen, die frueher nur durch die
> Finanzkraft der Medienkonzerne erreicht werden konnte.
Dies können sie auch mit dem existierenden Urheberrecht, insofern
besteht da kein Handlungsbedarf.
["Raubkopie"]
>>>>Ich find's immer wieder toll, was Leute im Usenet alles so über mich zu
>>>>wissen glauben.
>>>
>>>Passiert dir oefter?
>>
>>Ich glaube, in diesem Thread wurde ich schon darüber belehrt, was ich
>>vom Straßenverkehr verstünde
>
> Zu Recht! Du hast dort immerhin mit deiner Erfahrung als *Fussgaenger*
> argumentiert. Das war in dem Fall natuerlich inakzeptabel. ;)
Tja, da lief mir doch heute glatt was passendes über den Weg:
| DPA 2008-07-10 10:50:15
|
| Fast jeder dritte deutsche Autofahrer ist einer Studie zufolge
| ein «Blinkmuffel». 32,4 Prozent der Fahrer setzen ihren
| Blinker nicht vorschriftsgemäß ein und verstoßen damit gegen
| die Straßenverkehrsordnung, wie der Auto Club Europa in
| Stuttgart mitteilte. [...]
So schlecht scheint also weder meine fußgängerische Beobachtung, noch
meine autofahrerische Erinnerung zu sein.
> [
http://www.heise.de/newsticker/meldung/110560 ]
> | Der US-Ökonom Joseph Stiglitz hat davor gewarnt, dass
> | Immaterialgüterrechte Innovationen behindern. Das System des geistigen
> | Eigentums "schmälert den Zugang zum Wissen", erklärte der Professor,
> | der 2001 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften für seine
> | Arbeiten über das Verhältnis von Information und Märkten erhielt,
[...]
> Wie waers, wenn du auch endlich mal den Unterschied zwischen materiellen
> Guetern und reiner Information akzeptierst? Das gleichzusetzen, ist ein
> kardinaler Fehler!
Wenn wir uns als Gesellschaft den Luxus von "Immaterial-Arbeitern"
leisten wollen, muss aus Immaterialgut irgendwann Materialgut werden,
denn von Immaterialgut wird man nicht satt. Das Immaterialgüterrecht
versucht das etwa.
Natürlich muss man gut dosieren. Patentlaufzeiten sind für Digitalkram
viel zu lang. 70 Jahre pma für Urheberrecht im Digitalen Bereich
sicherlich auch. Aber eine gewisse Schutzfrist halte ich für
unumgänglich. Der Herr Stiglitz sieht das, wenn ich den Artikel richtig
lese, nicht ganz unähnlich.
>>Ich verstehe den Wunsch nach Dingen wie z.B. DRM-freier Downloadmusik
>>und DRM-freien Filmen möglichst in freien Formaten. Will ich doch auch.
>>Hey, ich bin Entwickler, und natürlich will ich Dinge, von denen ich den
>>Quellcode hab!
>
> Willst du nicht auch, dass die Dinge, die du entwickelst, benutzt
> werden? Dann empfehle ich dir dringend, das obige zu versuchen. Wenn du
> willst, dass deine Entwicklungen auch Abnehmer finden, muss du denen
> entgegenkommen, aber bitte nicht mit vorgehaltener Waffe.
Solange es beim Hobby bleibt: klar. Aber bei dem, mit dem ich meine
Brötchen verdiene, bin ich schon stark dagegen, dass z.B. China das
Knowhow klaut und meinem Chef den Gewinn kaputtmacht, von dem er mir
normalerweise Gehalt zahlen würde. (Daher habe ich u.A. einen Teil des
Verschlüsselungssystem entwickelt, mit dem der Code gegen Auslesen
geschützt wird.)
>>Nur solange die "einfache Bevölkerung" "null Verständnis" für die Werk-
>>schaffenden zeigt, wirst du keinen Blockbuster legal als Ogg Theora zum
>>Download bekommen.
>
> Du kannst mir ja vieles vorwerfen, aber nicht, dass ich kein
> Verstaendnis fuer die Werkschaffenden zeigen wuerde. Erinnere dich an
> meine ganzen Bsp und Modelle, wie sie auch heute im Netz erfolgreich
> sein koennen, sofern sie bereit sind, mit der Entwicklung zu gehen,
> statt sich dagegen zu stemmen. Ich bin sehr auf der Seite der
> Werkschaffenden, sofern die sich nicht auf die Seite der Content-
> Industrie stellen. Dann bin ich zwangslaeufig gegen sie.
Jede Regel, die den einzelnen Werkschaffenden im Geschäftsverhältnis zum
Abnehmer stärker stellt, stellt auch die Content-Industrie stärker. Das
ist nun mal so. Content-Industrie ist nicht per-se was böses. Wie schon
gesagt, irgendwer muss die $100M für den Action-Kracher vorschießen, das
kann selten ein einzelner Werkschaffender.
> Ich kann mir nicht vorstellen, dass du wirklich glaubst, an
> den alten Zustaenden festhalten zu koennen. Die werden von zwei Seiten
> gerade aufgerieben: Einerseits die ganze Daten-Freiheits-Bewegung (Open
> Source, Open Content, nicht zu vergessen die Grundlagen des Netzes
> selber) und andererseits die Lobbyarbeit der Kopierindustrien, die ihren
> Untergang vor Augen haben und es einfach nicht wahrhaben wollen, dass
> die Zeit fuer ihr Geschaeftsmodell - Verkauf von Kopien - vorbei ist.
Beiden kann letztlich die Rechtslage fast egal sein. Open Source
funktioniert sowohl mit Kopiererlaubnis-by-default, als auch mit
Kopierverbot-by-default (Ausnahme: bei kompletter Freigabe funktioniert
die GPL nicht mehr, zumindest Privatpersonen könnten bei deinem Modell
"Komplettfreigabe der Kopie für Privat" z.B. modifizierte Binaries ohne
Quellen verbreiten). Die Kopierindustrie setzt ihre Einschränkungen zur
Not technisch durch (DRM für Filme mit Online-Abfrage der Schlüssel
dürfte nicht mehr lange auf sich warten lassen). Und letzteres will ich
*definitiv* nicht. Wenn ich ein Werkstück kaufe, soll das auf ewig mein
und von mir nutzbar sein. Nicht nur, wenn der Auth-Server will.
Du wirst sagen, so ein DRM wäre der Sargnagel für die Kopierindustrie,
der alle zu Open-Content überlaufen lässt. Ich sage: einem großen Teil
der Menschheit würde das (noch) *sehr* schwer fallen. Irgendwann wird
jeder schwach. Selbst Fefe zockt Spiele mit "Faschisten-DRM" :-)
<
http://blog.fefe.de/?ts=b68d279c>
Wenn ein Künstler "gefileshared" werden will, kann und sollte man ihm
den Gefallen tun, klar :)
Stefan