Re: Budestrojaner
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Re: Budestrojaner         

Group: de.org.ccc · Group Profile
Author: Daniel Roedding
Date: Feb 13, 2007 07:54

Ralph Lehmann wrote:
> Dir ist offensichtlich nicht klar, warum die Medien etwas bringen oder
> nicht. Dabei ist es ziemlich einfach: "Bad news are good news." Nein,
> den Spruch habe nicht ich erfunden, er kommt aus der
> Medienwelt. Und nochmal: Wo ist Dein Beweis, dass der Staat/das Regime
> Medienkampagnen inszeniert hat?

Ich kann es nicht beweisen, es fallen aber teilweise merkwürdige
Koinzidenzen auf. Insbesondere wenn teilweise "Lappalien"
tagelang aufgebauscht werden, während "wirkliche Nachrichten"
unter den Tisch fallen. Spiegel Online ist darin sehr gut,
bei einigen anderen Medien ist von vornherein bekannt, daß
sie sich im Besitz von Parteien befinden.
>> Dieser politische und mediale Trend steht im krassen Widerspruch
>> zur Faktenlage, die da nämlich lautet, daß die allgemeine
>> Kriminalität in den letzten 50 Jahren eigentlich fast kontinuier-
>> lich *zurückgegangen* ist.

Die Probleme der Kriminalitätsstatistik gab es früher genauso
wie heute. Kann man also als systemimmanente Invariante
ansehen. Damit kann man dann entweder der Statistik sämtliche
Aussagekraft absprechen oder sie eben (mit den bekannten
Einschränkungen in punkto Genauigkeit) in der Argumentation
verwenden.
>> D. h. in Deutschland lebt man heute
>> erheblich *sicherer* als früher, dennoch wird immer *mehr*
>> im Bereich Sicherheit als notwendig proklamiert und führt
>> zu Einschnitten in die Grundrechte der Menschen.
> Könnte es sein, dass wir sicherer leben, *weil* immer mehr im Bereich
> Sicherheit getan wird? Könnte es sein, dass hinreichender materieller
> Wohlstand die Motivation zu kriminellen Handlungen sinken lässt?

Letzteres sicher. Bei ersterem bin ich skeptisch. Wenn der
Staat am einen Ende einen großen Lauschangriff startet kann
ich den Zusammenhang zu z. B. einfachen Diebstählen am
anderen Ende nicht wirklich sehen. Und z. B. im Bereich
des Schutzes von Frauen gegen sexuelle Übergriffe ist *erst*
die Quote runtergangen und *dann* kamen die großen Kampagnen
von Politik und Medien.
>> Ich kann mich dunkel an Berichte über Umfragen erinnern, nach
>> denen zumindest die Nicht-Ablehnung der RAF-Aktivitäten in
>> der Bevölkerung bei einem zweistelligen Prozentsatz der
>> Befragten geäußert wurde.
> Du kannst Dich dunkel erinnern ... Achso, und zweistellig geht von
> 10 - 99. Bitte nenne Zahlen, aus denen man etwas ableiten kann.

Ich bin kein RAF-Experte und speichere nicht alles weg, was
ich mal gelesen habe. Vorschlag: ein paar Wochen abwarten,
das Thema ist ja. wg. Frau Mohnhaupt wieder aktuell. Da wird
sicher noch das ein oder andere durch die Medien kommen.
>>>> Auch die Historie einiger heutiger "etablierter" Parteien
>>>> gründet sich auf Gewalt. Ich sage nur mal als Beispiel
>>>> "Grüne" und Stichwort "Brokdorf". Die Wurzeln der Umwelt-
>>>> bewegung sind letztlich gewalttätiger Natur gewesen.
>>> Ja. Und die Wurzeln der Menschheit umfassen noch ganz andere Dinge:
>>> Back 2 the roots, Kannibalismus jetzt! Gab's früher auch schon, muss
>>> also in Ordnung sein.
>> Bleiben wir doch mal in der aktuellen Epoche. Also dem Zeitalter
>> der "Demokratie".
> Warum? Du bist es doch, der die Demokratie (in ihrer jetzigen Form)
> durch Anarchie zumindest vorrübergehend ersetzen will. Außerdem ist die
> Beschränkung auf die "aktuelle Epoche" von Dir willkürlich festgelegt
> und deshalb nicht akzeptabel.

Die Zeit ab 1949 stellt rein objektiv eine kontinuierliche
Rechtsepoche in Deutschland dar.
> noch lange nicht, dass ihr Verhalten in der Vergangenheit damit
> automatisch als legitim zu betrachten ist.

Kann man bezogen auf die NPD auch als Argument nehmen. Warum
soll sie heute automatisch "schlecht" sein nur weil es in
der Vergangenheit "ähnliches" gab was als "schlecht" angesehen
wurde/wird?

Egal wie herum man nun argumentieren mag und ob man Geschichte
einbeziehen will oder auch nicht: bitte nicht mit zweierlei
Maß messen. Entweder man "verzeiht" *allen* etwaige frühere
Sünden oder man "stigmatisiert" *alle*. Das gilt eben für
Grüne, Linke/PDS/SED und auch für die NPD. Wobei eben bei
den erstgenannten beiden der Bezug zu fragwürdigen Taten
sogar direkter ist als bei der NPD.
> Gewalt ist aber keine Lösung.

Das bleibt nach wie vor eine Floskel und kein Argument.
> Hint: Du gibst hier im de-usenet seit mehreren Tagen Dinge öffentlich
> zum Besten, für die Du in zahlreichen Gegenden dieser Welt schon lange
> ohne richterlichen Beschluss einfach verschwunden wärst. Du jammerst
> also auf ziemlich hohem Niveau.

Ich habe nie behauptet daß es nicht Gegenden auf dieser Welt
gäbe, auf denen es um Meinungsfreiheit schlechter bestellt
wäre als in DE.
> Du kannst aus Protest PDS oder NPD wählen, egal: Beides funktioniert nicht.

Sagst Du. Ich sehe es nach wie vor anders.
> Darüber hinaus hat der typische Protestwähler ungefähr den IQ einer
> Scheibe Toastbrotes. Du möchtest Dich im Ernst mit solchen Leuten auf
> eine Stufe stellen?

Das ist blanke Polemik. Man kann seine Wahlstimme im Sinne
einer Positiv- und im Sinne einer Negativauswahl einsetzen.
Also entweder diejenige Kraft wählen, die man haben will,
oder eine Kraft wählen, die diejenigen, die man nicht haben
will, möglichst effektiv schwächt. Letzeres wird dann
attraktiv wenn man nicht "positiv" wählen kann.
>> So, und wo wir nun festgestellt haben, daß sowohl die PDS
>> als auch die NPD irgendwie Dreck am Stecken haben und es
>> auf beiden Seiten um Protestwahl geht, nenne mir bitte
>> *rationale* Argumente, warum PDS-Wahl als Protest "legitim"
>> ist und NPD-Wahl nicht. Ich behaupte, es gibt da keinen
>> moralischen Unterschied.
> Wo hast Du gelesen, dass ich die Protestwahl der PDS als sinnvoll erachte?

Das habe ich auf *Dich* bezogen nirgendwo gelesen. Aber es
entspricht einem weit verbreiteten Schema gerade in der
jüngeren Generation. Da ist PDS wählen als Protest akzeptiert,
während NPD wählen "bäh" ist. Und ich möchte einfach nur
aufzeigen, daß der eine Weg eben nicht besser oder schlechter
ist als der andere.
>> mit einem Rechtsgefüge, welches
>> einer Rechtskomplexität entspricht wie sie in Deutschland
>> so ca. 1960 vorhanden war. Ein Bruchteil an Bürokratie und
>> Rechtsvorschriften hat offenbar seinerzeit auch gereicht,
>> ein friedliches Miteinander zu ermöglichen. Die Staatsquote
>> war niedrig, die Belastungen der Bevölkerung ebenfalls,
>> es war mehr unternehmerische Freiheit vorhanden, was zu
>> florierender Wirtschaft führte,
> Die Kausalität ist falsch. Nimm ein Geschichtsbuch zur Hand und lies.

Kann man auch in beide Richtungen sehen. Ich will einfach
mal als Gegenargument das heutige Baurecht anführen. Glaubst
Du der "Wiederaufbau" wäre mit dem heutigen Sammelsurium an
Vorschriften überhaupt so möglich gewesen?
>> Ich bin durchaus einem friedlichen Zielzustand
>> interessiert. Allerdings sehe ich nicht, daß man die hierzulande
>> aufgelaufenen Mißstände auf friedlichem Wege wird beseitigen
>> können. Das Revolutionsdilemma halt...
> Dein Problem ist, dass die Missstände, die Du beklagst von vielen nicht
> als solche empfunden werden. Du musst Deine Revolution also gegen das
> Volk machen. Eine solche Revolution endet in keiner Form der Demokratie
> sondern zwangsläufig in einer Diktatur.

Wie erklärt sich dann die in Umfragen zu sehende steigende
Unzufriedenheit der Bevölkerung? Du tust so als ob alle
glücklich und zufrieden wären. Ich sehe eine Kritikerquote
von über 50 %%, also absolute Mehrheit...
>> Davon abgesehen: nur einige hundert Kilometer weiter südlich
>> gibt es ein Land, welches mit direkter Demokratie zwar nicht
>> durchweg gute, aber zumindest bessere Erfahrungen gemacht
>> hat als Deutschland mit seiner repräsentativen Demokratie.
>> Für meinen persönlichen Geschmack gibt's allerdings auch
>> dort noch viel zu viel Parlament und Parteipolitik.
> Die Schweiz hat sich für eine Mischform entschieden. Das ist ok so, was
> ist Dir daran zu wenig?

Wo zu viel Macht an Personen gebunden ist gibt es Raum, daß
sich Nebeninteressen etablieren können.
>> Nein, aus Sicht der Bürger ist dieser Staat so etwas wie
>> ein Zufallsprodukt. Das kann man bereits daran festmachen,
>> daß a) durch die Koalitionslogik häufig nicht die Kräfte
>> an die Macht kommen, die tatsächlich gewählt wurden,
> Was allerdings auch im Vorfeld einer Wahl jedem bekannt sein dürfte.

... und zur allgemeinen Verdrossenheit beiträgt.
>> und
>> b) die regelmäßige Debatte über nicht eingelöste Wahl-
>> versprechen eindrucksvoll demonstriert, daß die Bürger
>> eben nicht das bekommen haben, was sie eigentlich haben
>> wollten.
> Auch das sollte bekannt sein. Ärgerlich ist das natürlich, allerdings
> sollte es bessere Ideen geben als die Deine, um diesem Missstand
> abzuhelfen.

"Sollte es ... geben". Ja, Zustimmung. Ich sehe aber keine,
außer das System insgesamt ein wenig ins Wanken zu bringen.
Und das bekommt man eben am effektivsten damit hin, die
NPD in den Bundestag zu setzen.
> Beachte bitte weiterhin, dass die direkte Demokratie nicht nur Vorteile
> hat. Ich weise nur auf die zwangsläufigen Inkonsistenzen in der
> Gesetzgebung hin, die sich auf jeden Fall einstellen würden.

Noch mehr Inkonsistenzen als in der jetzigen Gesetzgebung?

Daniel
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