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Group: de.org.ccc · Group Profile
Author: George Orwell
Date: May 28, 2007 18:06

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Neukölln, gefunden worden war, nannte sich „Tron“. Mit „Jungen“
wie ihm müsste man sich um den Technologie-Standort Deutschland
keine Sorgen machen. Tron habe sich sogar einst „über Nacht“ eine
komplette Telefonzelle verschafft, „um seine wissenschaftliche
Neugier zu befriedigen“, und habe sie am nächsten Morgen per
Kleinlaster wieder an ihren angestammten Ort gebracht und dort
ordnungsgemäß verschraubt. Er habe auch ein öffentliches Telefon
mit einem Vorschlaghammer bearbeitet. Den „irritierten Polizisten“
habe er erklärt, er brauchte den Chip - die Telekom hätte die Software
geändert.

Boris F. alias „Tron“ wurde Ende 1995 zu einer
Bewährungsstrafe verurteilt. Die „deutsche Hacker-Elite vom Chaos
Computer Club (CCC)“ sei über Artikel über Tron auf ihn
aufmerksam geworden. Seitdem hackte Tron im Verein.

Auch der „Spiegel“ referierte die beiden sich widersprechenden
Positionen, die der Polizei, die „keine Spuren von Fremdeinwirkung“
gefunden habe, und die der Freunde, die einen Suizid bezweifelten. Zu
viele Indizien sprächen ihrer Meinung nach dagegen. Tron, so das
Magazin, habe sich auf gefährlichem Terrain bewegt. Die
„jugendlichen Datenhexer“ seien heute so umkämpft wie nach dem
zweiten Weltkrieg die Männer, die wussten, wie man Raketen ins All
oder auf anderer Leute Hauptstadt schießt. Auch Geheimdienste
versuchten die Hacker zu ködern, Verbrechersyndikate interessierten
sich für ihr Wissen. Das sei „eine Gemengegelage, in der selbst
Verschwörungstheorien plausibel erscheinen.“

Der Chef der dritten Mordkommission,
Kriminalhauptkommissar Klaus Ruckschnat, 41, kommt zu Wort. Für
ihn stehe fest, dass sich Boris F. noch am Tag seines Verschwindens
mit jemandem getroffen habe. „Wir wissen aber nicht, mit wem.“
Auch wenn die Anhaltspunkte für einen Suizid überwögen, ermitteltensie unter der Überschrift „Kapitalverbrechen“.

Das Magazin zählt die verschiedenen Gebiete auf, für die sich
Boris F. alias Tron interessiert hatte. Er habe die Fähigkeit besessen,
Chipkarten „am Küchentisch“ nachzubauen. Ihm sei es gelungen,

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Telefonkarten zu kopieren, Handy-Karten, die Chipkarten der „dbox“,
die digitales Bezahlfernsehen auf Hunderten von Kanälen
ermögliche. Die organisierte Kriminalität interessiere sich „lebhaft für
dieses Zukunftsgeschäft.“ Als Diplomarbeit habe der Informatik-
Student ein Gerät entwickelt, das die komplette Kommunikation per
ISDN günstiger kodiere als bisherige Apparate.

Der Hacker Tron sei von Geheimdiensten angesprochen worden,
nie jedoch vom deutschen Bundesnachrichtendienst. Dem könne man
so etwas zutrauen, suggeriert der Artikel. Der BND hatte sich im
Frühjahr 1998 an einen anderen Berliner Studenten und
Computerfreak gewandt, sich in einem Hotel konspirativ getroffen
und dem jungen Mann vorgeschlagen, für ein entsprechende Honorar
die Datennetze des Iran auszuspionieren. Der geheimnisvolle Herr
zahlte für eine erste „Fingerübung“ 2000 Mark. Als der Student
weitere Arbeiten ablehnte, verschwand der Auftraggeber spurlos von
der Bildfläche, auch die Firma, bei der er angeblich angestellt war,
hatte sich aufgelöst. Dem „subversiven Hobby-Elektroniker“ Tron sei
es jedoch nie um Geld gegangen. Er wäre zufrieden gewesen, wenn er
bei Leuten, die mit dem Handel illegaler Karten reich geworden
wären, „mal eine teure Workstation nutzen durfte.“

Die Ermittler, so endet der Artikel, hätten „kistenweise“
Computermaterial aus Trons Zimmer sichergestellt. Die Hoffnung,
anhand der Rechner Hinweise zu finden, sei wahrscheinlich
trügerisch. Ein Freund des Toten habe gesagt, der Hacker sei ein
Meister im Verschlüsseln“ gewesen. „Das knackt kein Polizist.“

In derselben Woche, am 5. November, schob der „Stern“ eine
detailreiche Reportage über den Fall nach, die die Angelegenheit noch
geheimnisvoller machte. Minutiös wird der letzte Tag, an dem Boris

F. lebend gesehen wurde, nachgezeichnet. Am 17. Oktober, einem
warmen Tag, habe er noch am Mittag sein Lieblingsessen von seiner
Mutter vorgesetzt bekommen: Kräuterspaghetti. Er habe sich mit
„Tschüs, ich geh’ dann jetzt“ verabschiedet und noch angeboten,
einen Brief der Mutter mitzunehmen. Dann habe ein Freund
geklingelt, als Boris gerade das Haus verlassen wollte. Der wollte sich

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Geräte für seine Diplomarbeit ausleihen. Die beiden jungen Männer
gingen ein Stück des Wegs gemeinsam, dann trennten sie sich.

Als Boris am nächsten Tag nicht wieder aufgetaucht war, gingen
die Eltern zur Polizei. Sie befürchtete, ihm sei etwas zugestoßen. Sie
bettelten die Polizisten an, nach ihm zu suchen. Man weigerte sich
zwei Tage lang, überhaupt seinen Namen aufzunehmen“, schreibt die
Reporterin Frauke Hunfeld.

Fünf Tage später, als man Tron fand, erhängt an seinem eigenen
Gürtel, verlängert mit einem Stück Gartendraht, hatte er seinen
Ausweis noch dabei, seinen Schlüsselbund, sein Handy, mehrere
hundert Mark. Er trug eine schwarze Jeans und eine Windjacke. Seine
Füße berührten den Boden.

Jetzt wird auch die Brisanz des Todesfalles klar. Boris F. war
nicht ein einfacher Computer-Spezialist, sondern habe, so schreibt die
Zeitung, als „einer der besten Informatiker“ nicht nur in der Hacker-
Szene, sondern auch bei Großkonzernen gegolten. Sein Spezialgebiet
sei die Verschlüsselung von Mikrochips gewesen, den kleinen
glänzenden Bauteilen auf Plastikkarten. Man braucht sie, um bei einer
Bank Geld aus dem Automaten zu ziehen, zum Telefonieren, als
Eintrittskarte für Büros oder sicherheitsrelevante Bereiche. Boris habe
geglaubt, dass jeder, der über die Fachkenntnisse verfüge, jederzeit
und überall eindringen könnte, in die elektronischen Netzwerke von
Versicherungen, Banken, Atomkraftwerken und von Rüstungsfirmen.
„Und Boris F. arbeitete in seinem kleinen Zimmer daran, dies der
Welt zu beweisen.“ Und deshalb überredete er sogar seine Eltern, sich
schriftlich bestätigen zu lassen, dass er und sie die PIN-Nummern
ihrer Bank zurückgegeben hätten, nur wenige Monate, bevor zwei
Halbwüchsige den Bankcomputer eines großen deutschen
Geldinstitutes überlisteten.

Nach seinem Studium wurde der Chaos Computer Club „seine
zweite Heimat“. Er sei ein Zeichentrickfim-Fan gewesen und habe
sich nach dem Walt-Disney-Film „Tron“ den Namen des Helden
zugelegt. Das „Tron“-Plakat habe an zentraler Stelle in seinem
Zimmer gehangen.
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