Re: Artikel aus Spiegel 20-2008: Wir sind die Guten
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Re: Artikel aus Spiegel 20-2008: Wir sind die Guten         

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Author: Dominic Valerie Casare
Date: Jul 2, 2008 08:26

On Tue, 1 Jul 2008, Stefan Reuther wrote:
> Dominic Valerie Casare wrote:
>>>>Zumindest im Audio-Bereich hat nachweislich der 'Kopierschutz' zu
>>>>massiven Einbruechen der Absatzzahlen gefuehrt - nicht erst seit Sonys
>>>>grenzdebiler Rootkit-Aktion.
>>>Diese Kausalität halte ich für nicht allein ausschlaggebend. Andere
>>>Gründe, die ebenfalls zum Absatzrückgang führten, sind "flächen-
>>>deckender" Einsatz von P2P und viel zu viel Retortenbands. Die Summe
>>>macht's dann.
>> Und warum verabschieden sich dann immer mehr von DRM im Audio-Bereich?
>> Ganz aktuell: http://www.heise.de/newsticker/meldung/110202
> Ich sage ja nicht, dass Kopierschutz daran unschuldig ist. Aber eben
> nicht alleine, sondern nur als ein Grund von mehreren.

Aber ich sage, dass der Kunde mit seiner Kaufentscheidung gegen solche
Kopiersperren 'abstimmt', was man durchaus auch an den Verkaufszahlen
erkennen kann.
> Im Fall von DRM macht man eben auch nur eine Rechnung auf. Auf der einen
> Seite die Kosten für das DRM-System (vorzuhaltende Rechenleistung und
> Storage, Lizenzkosten), Supportaufwand und möglicherweise Kundenschwund,
> auf der anderen Seite Mehreinnahmen durch weniger unbezahlte Kopien.
> Diese Rechnung kippt eben momentan in Richtung "kein DRM". Was für
> Auswirkungen das haben wird, werden wir in ein paar Jahren sehen.
> Vielleicht ist's ja nur eine Art Schweinezyklus :-)

Schwerlich anzunehmen, weil man schon auf einen laengeren Zeitraum
zurueckblicken kann, im Verhalten der Kunden mit Medienprodukten. Und
btw auch in der 'Akzeptanz' von 'Kopierschutzmasznahmen'. Fuer mich
zeichnet sich da eher das Bild ab, dass die Kopierindustrie schon immer
bzw seit es billige Aufnahmetechnik gibt, vergeblich einem feuchten
Traum hinterherjagt, naemlich dem der Ausschlisslichkeit des Vertriebes
von Kopien. Sie hat es bisher nicht geschafft, obwohl die anderen
Hersteller immer wieder versprochen haben, einen 'unueberwindbaren
Kopierschutz' zu entwickeln. DRM ist jetzt nur das aktuell gueltige
Versprechen - bis zu seinem unweigerlichen Fall. Wenn du so willst, ist
/DAS/ ein solcher Schweinezyklus und sofern man den tatsaechlich in die
Kalkulation mit einbeziehen will... nunja. Es waere widersinnig, nicht?

Man koennte naemlich auch ganz entspannt Geschaeft betreiben, indem man
auf die Beduerfnisse der Kunden wirklich eingeht und nicht versucht,
diese zu kriminalisieren. Sicherlich erfordert das auch erstmal ein paar
Investitionen und es birgt ein gewisses Risiko - am Ende duerfte es aber
die erfolgversprechendere Strategie sein. Denn man kann vielleicht Leute
zwingen, mit ihren gekauften Eigentum bestimmte Dinge zu /unterlassen/ -
man kann sie jedoch nicht zwingen, diese Produkte erst einmal zu
erwerben. Ich denke mal, jeder, der schon einmal im Auftrag einer
bestimmten Firma abgemahnt wurde, ist hinterher als Kunde verloren. Und
er wird sein bestes dafuer tun, den Ruf dieser Fa. ins fuer ihn richtige
Licht zu ruecken. Sowas kann ein Unternehmen eigentlich nicht wirklich
brauchen und man fragt sich, warum die MAFIA das im grossen Stil
riskiert.
> [Daten kopieren - warum einmal erlaubt und einmal verboten?]
>>>Ein DDoS ist auch dann
>>>juristisch verboten, wenn ich ihn nicht technisch verhindere, weil ich
>>>das üblicherweise technisch gar nicht kann.
>> Du weisst nicht, wie ein ddos funktioniert und was diesen von einer
>> /exzessiven/ /Nutzung/ deines Angebotes unterscheidet? Note: Beim ddos
>> wird i.d.R. eine grosse Anzahl von Rechnern benoetigt, die das im
>> Allgemeinen nicht freiwillig tun. Es ist nicht nur ein Akt der
>> Netzwerk-Sabotage von der Intention her, es beinhaltet auch Einbruch in
>> - und Missbrauch von fremden Einzelplatz-Systemen.
> Die klassische Version ohne zweites 'D' braucht nur eine Anzahl Rechner
> mit dicker Anbindung. Dazu braucht's dann keine Netzwerksabotage mehr.

Der Akt als solcher ist freilich eine Netzwerksabotage und die laesst
sich auch nachweisen. Die Logs unterscheiden sich naemlich vom Muster
einer regulaeren - wenn auch exzessiven - Nutzung.
> Das haben wir '94 in der Schule schon gemacht um die Doom-Spieler zu
> ärgern (das Ding crasht oder geht in einen 2-spf-Modus, wenn man das
> Ethernet saturiert).

Du bist wohl einer, der anderen immer den Spass verderben muss... ;>

["Raubkopie"]
>>>>In der Vorstellung der Leute, die den Begriff 'Raubkopie' kreiert haben,
>>>>um etwas Legitimes in ein kriminelles Licht zu ruecken, zaehlt die rein
>>>>private Kopie ganz genauso darunter.
>>>Raubkopie != legale Privatkopie.
>> Auf welche offizielle Definition von 'Raubkopie' beziehst du dich hier?
> Zum Beispiel diese (da es keine "offizielle" Definition gibt,

Eben, das haben propagandistische Kampfbegriffe so an sich.
> tut's auch Wikipedia):
> <http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Raubkopie&stableid=47502047>
>
> "Der Begriff der Raubkopie wird umgangssprachlich für rechtswidrig
> hergestellte oder verbreitete Kopien verwendet"

Das war mir freilich bekannt. Ich habe dir hingegen vor Augen gehalten,
wie er urspruenglich gemeint war. Und zwar in der selben Auslegung wie
'home taping is killing music' und aehnliche Knallschoten. Du bist da
mit inbegriffen, ob es dir gefaellt oder nicht. Es gibt auch nicht in
jedem Staat uebereinstimmende Regelungen in puncto Urheberrecht resp.
Recht auf Privatkopie. Sowas wie die PirateBay ist nach schwedischem
Recht z.B. voellig legal, nach amerikanischen wohl eher nicht, was
schon zu so manch erheiternder Konversation gefuehrt hat[0].

Das Internet globalisiert die Menschen ueber die Informationstechnik und
ueberschreitet dabei ganz *selbstverstaendlich* die Landesgrenzen. Die
Medienindustrie hat sich ihrerseits - Kraft ihres Kapitals - schon lange
globalisiert - nur die Rechte der Menschen sind noch lokalen Gesetzen
unterstellt. Was fuer den einen erlaubt, ist fuer den anderen bei Strafe
verboten. Solange es keine einheitlichen gesetzlichen Regelungen gibt,
die global gelten und fuer alle verbindlich sind, wird es schwer, dem
Treiben der Menschen im Netz rechtlich beizukommen, weil sie sich eben
*dort* begegnen und *dort* ihre eigenen Standards etablieren. Einfach
geboren aus der Art und Weise, wie sie das Netz benutzen.

Auf der Wiki-Seite findet sich btw noch ein nicht ganz uninteressanter
Link[1]. Solltest du mal lesen.

Dominic

[0] http://thepiratebay.org/legal
[1]
http://www.meneteqel.de/article/10/geistiges-eigentum-als-ideologischer-begriff
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