Re: Artikel aus Spiegel 20-2008: Wir sind die Guten
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Re: Artikel aus Spiegel 20-2008: Wir sind die Guten         

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Author: Dominic Valerie Casare
Date: Jun 22, 2008 02:12

On Sat, 21 Jun 2008, Stefan Reuther wrote:
> Dominic Valerie Casare wrote:
>> On Tue, 17 Jun 2008, Stefan Reuther wrote:
>>>Dennoch finde ich, dass das existierende Urheberrecht als Framework
>>>durchaus taugt: man kann ja ganz legal Umgebungen mit "Netz-Recht"
>>>schaffen, in denen "Netz-Regeln" gelten.
>> Es geht nicht primaer um das, was man machen /kann/ - sondern es geht
>> primaer um das, was /passiert/! Siehe 'Normative Kraft des Faktischen'.
> Normative Kraft des Faktischen ist auch Parken in zweiter Reihe und
> Abbiegen ohne Blinken.

Das waere erst der Fall, wenn es eine signifikante Anzahl trotz
bestehender Regel tun wuerde. Wir hatten aber schonmal geklaert, dass
die Meissten sich an dieses Reglement halten - nicht zuletzt auch um
sich selbst und andere nicht in Gefahr zu bringen, was im Bereich
Verkehr durchaus schnell passieren kann.
> Das macht's nicht besser.

Du verstehst den Begriff nicht, oder? Es geht dabei nicht darum, ob es
ueberhaupt irgendwelche Leute gibt, die ein Verbot ignorieren - die gibt
es freilich immer, sogar bei Mord. Die Normative Kraft des Faktischen
schlaegt erst zu, wenn es hinreichend viele - quasi selbstverstaendlich
- tun und das ist nur moeglich, wenn sie mehrheitlich keinerlei Problem
damit haben oder den Grund des Verbotes nicht nachvollziehen koennen.
>> Du kannst es nennen wie du willst - Fakt ist, dass z.B. ein leerer IPod
>> mit 160 GB Speicherkapazitaet foermlich danach /schreit/, mit Musik
>> gefuellt zu werden. Den Preis fuer den IPod zu zahlen - das schaffen die
>> meissten. Die restlichen *Millionen* fuer die ganzen legalen Downloads
>> haben dann nur noch wenige /uebrig/. Brauchen sie aber auch nicht, denn
>> sie sind mit sowas aufgewachsen und *koennen* kopieren.
> Dürfen sie doch auch. Nur halt in gewissen Grenzen.

Die Grenzen existieren aber nicht wirklich. Sie sind - gerade fuer die
jugendlichen Adressaten - weder wahrnehmbar noch verstaendlich. Klar,
verboten irgendwie - who cares? Frueher wurden die Kassetten getauscht -
die Kopierindustrie hat dagegen angekaempft und versucht, es zu
verhindern. Heute werden Festplatten und Dateien uebers Internet
getauscht - Die Kopierindustrie kaempft noch immer dagegen an. Na und?
Aus Sicht dessen, der hier tauscht, geschieht nichts Anstoessiges. Egal
ueber welches Medium es stattfindet, es ist und bleibt der selbe Akt.
>> Wenn etwas so einfach und *selbstverstaendlich* ist, wie die Faehigkeit
>> und Moeglichkeiten, digitalen Content zu kopieren, dann *kann* das nicht
>> mehr verboten werden. Das ist meine Position. Man muss diese Realitaet
>> einfach mal anerkennen. Die Zeit laesst sich nicht zurueckdrehen.
> Die Alternative DRM gibt es immer noch, und sie wird auch eingesetzt.

Jaha... aber zunehmend weniger, weil die Kunden DRM nicht akzeptieren.
Entweder sie umgehen es - trotz Verbot - oder wenn das nicht moeglich
ist, ignorieren sie das Produkt gleich voellig (und moeglicherweise alle
Nachfolger gleich mit). Und genau so sollte man mit DRM umgehen. DRM ist
nichts anderes als der Versuch, einen versierten Nutzer zu entmuedigen.
> Auch, wenn du die DRM-Einsetzer als ewig gestrige bezeichnen wirst. Aber
> diese Realität musst du eben auch einfach mal anerkennen.

Ich habe kein Problem mit DRM. Wie ich bereits sagte, ist DRM fuer mich
ein Ausschlusskriterium. Nicht nur fuer das Produkt - sondern fuer die
ganze Marke gleich mit. Welche Schluesse die Wirtschaft daraus zieht,
bleibt ihr ueberlassen.
> Wenn ich die
> Wahl zwischen einer Welt mit DRM und einer mit Fair-Use-Regeln (also
> Privatkopie) habe, bin ich für letztere.

Die Wahl hast du sowieso - denn es ist nicht (mehr) moeglich, sowas wie
DRM allem Content aufzuzwingen. Einer der zentralen Grundsaetze im
Informationszeitalter heisst: Daten, die einmal veroeffentlicht wurden,
lassen sich nicht mehr zurueckziehen. Oder anders ausgedrueckt: Was
einmal in den oeffentlichen Datenraum gelangt ist, ist fortan vogelfrei
und es gibt keine Moeglichkeit mehr, diese Daten wieder 'einzufangen'.

Daraus leitet sich btw auch die zentrale Bedeutung der Datensicherheit
ab. Es gilt naemlich ebenso fuer Daten, die nie veroeffentlicht werden
sollten!

Und davon ab gibt es eine zunehmende Menge[*] an freiem Content, der
nichts dagegen hat, kopiert und verbreitet zu werden. Das fuehrt
natuerlich auch nicht gerade zu einer Abnahme dieser
'Selbstverstaendlichkeit' im Umgang mit digitalen Content.

[*] http://netzpolitik.org/2008/jamendo-erreicht-10000-cc-alben/
http://www.gulli.com/news/isohunt-meets-jamendo-die-2008-06-21/
> Auch, wenn mich außer dem
> Anstand nichts davon abhält, fremden Content rauf und runterzuladen.

Die Forderung nach einem 'Anstand' wirkt demgegenueber irgendwie
deplatziert. Warum soll man die einen Inhalte voellig frei kopieren
duerfen und die anderen nicht? Sind doch alles nur Daten, Musik und man
will nichts weiter damit machen, als sie zu hoeren und weiter zu
verbreiten, sofern sie gefaellt. Das ist die selbe Schizophrenie wie im
Bereich freie vs. proprietaere Software. Was auf der einen Seite nicht
nur erlaubt, sondern sogar gewuenscht - zumindest jedoch grundsaetzlich
egal - ist, soll auf der anderen auf jeden Fall unterbunden und mit
hohem Strafen bedroht werden. Der Akt an sich ist in beiden Faellen
trivial.

Was fuer ein Irrsinn, aus Sicht eines Jugendlichen, der in solch einer
medialen Welt heranwaechst. Die logische Konsequenz daraus kann nur
lauten: Wenn etwas nicht weiter kopiert werden *soll*, dann muss man es
davor schuetzen, *veroeffentlicht* zu werden. Anderenfalls wird es
naemlich kopiert und breitet sich - quasi natuerlich - im Netz aus.

Und dass diese Anforderung mit dem Anspruch auf /ausschliessliche/
kommerzielle Verbreitung von digitalem Content inkompatibel ist, sollte
offensichtlich sein.
> Das ganze könnte ganz entspannt laufen. Man zahlt halt ein kleines Geld,
> und erhält dafür ein Werk.

Es koennte noch viel entspannter laufen: Man zahlt einen monatlichen
Festbetrag - zusaetzlich zu all den Kopierabgaben auf saemtliche Geraete
und Medien, wo das eh schon der Fall ist - auf die DSL-Flatrate und dann
ist das Thema vom Tisch. Alle, die irgendwelche Ansprueche anzumelden
haben, wenden sich an einen grossen Kopier-Geld-Verteiler und gut is.
> Aber nein, der Konsument muss halt gleich den
> ganzen Arm nehmen, wenn man ihm einen kleinen Finger hinhält

Die Wirtschaft macht es doch nicht anders? Die nimmt was sie kriegen
kann und gibt nur nach, wenn Druck ausgeuebt wird. Auf die Kleinen
rumhacken ist natuerlich viel einfacher, als auf die grossen, dicken
Fische.
> (letztes
> Beispiel: die Times bietet ihr Archiv online an - und das erste, was im
> Heise-Forum diskutiert wird, ist, wie man ein Script schreibt, das das
> komplett runterlädt und in Bittorrent stellt). *Natürlich* vergeht einem
> Werksanbieter dann irgendwann der Wunsch nach Fair-Use-Regeln.

Du siehst immer nur das Geld dahinter. Was nuetzt der Times ein Archiv,
welches nur vor sich hinduempelt und niemand mehr einen Blick hinein
wirft, ausser ein paar Historikern vllt? Ist es da nicht viel *toller*,
wenn man die ganzen, alten News - die btw alle schonmal verkauft und
bezahlt wurden - der Menschheit zur /freien/ Verfuegung stellt? Und
wenn ein paar Leute das ganze Archiv downloaden und weiter verteilen -
na und? Ueberall steht TIMES drauf, die Quelle spricht auch dann noch
fuer sich selbst, wenn sie auf alternativen Wegen kopiert wurde. Du aber
willst lieber gar nichts hergeben, als etwas kostenlos - egal wie viele
Menschen davon profitieren koennten. Das entspricht der alten Logik der
auf Mangel begruendeten Wirtschaft:

Huete deinen Besitz, denn er ist begrenzt und teuer zu beschaffen.

Fuer Informationen im digitalen Zeitalter gilt aber komplett das
Gegenteil; Diese Wirtschaft begruendet sich auf den Ueberfluss:

Verschwende deinen Besitz (an Information), damit er so viele wie
moeglich erreicht und dich bekannt macht. Das ist ueberlebensnotwendig,
um in der schieren Masse (an Information) nicht verloren zu gehen.

Es ist in erster Linie ein Schalter im Kopf, der da umgelegt werden
muss, um das verstehen zu koennen. Die Content-Industrie ist zum grossen
Teil noch gefangen in dem alten Paradigma und demzufolge auch stur
fixiert auf all die Kopien, die ihr ohne 'Gegenleistung' aus der Hand
gerissen werden. Sie sieht darin einen Verlusst - obwohl es eigentlich
ein Gewinn darstellt! Sie ist im Zugzwang, umzudenken und endlich ihr
Geschaeftsmodell anzupassen. Wenn sie weiterhin daran arbeitet, zu
verhindern, dass Leute ihren Content ohne zu bezahlen kopieren koennen,
dann arbeitet sie paradoxerweise an ihrem eigenen Untergang - und eben
*nicht* an ihrem Fortbestehen!
>>>>[geschaeftlich vs. privat auf ebay]
>>>>>Wo kommt jetzt auf einmal dieser Gegensatz her?
>>>>Mein ganz persoenlicher, subjektiver Standpunkt. Ich ziehe die Grenze
>>>>eben beim Geld - bzw dort, wo es primaer ums 'Geld verdienen' geht.
>>>Da halte ich es für eine untaugliche Bewertung, ausgerechnet
>>>ausschließlich den Willen des Nutzers, und zwar auch dort ausschließlich
>>>den Wunsch nach Erwerb von bunten Zetteln der EZB, zu berücksichtigen,
>>>und den Urheber gar nicht erst zu fragen.
>>
>> Du meinst den Urheber der Geldscheine oder was jetzt? Ich kann dir grad
>> nicht so recht folgen.
> Du willst den Unterschied bei der Werknutzung ausschließlich am Willen
> des Nutzers festmachen, und zwar ausschließlich an dessen Willen, Geld
> damit zu verdienen. Den Urheber willst du gleich gar nicht fragen.

Weil ich im Vorfeld eben nichts zu verhindern suche, sondern nur einen
eventuell entstandenen /Schaden/ feststellen lassen 'will'. Das heisst
nicht wirklich, dass ich das will - es ist eher ein Zugestaendnis an
diesen Anspruch, sofern er schon erhoben werden /muss/ und macht imo
wesentlich mehr Sinn, als solche Forderungen hier:
http://torrentfreak.com/mpaa-says-it-doesnt-need-evidence-to-convict-pirates-080.../
> Und du fängst dir natürlich gleich eine ganze Pandorabüchse voll
> Definitionsprobleme ein. Will jemand, der Bannerwerbung schaltet, um den
> Server zu finanzieren, Geld verdienen?

Bannerwerbung auf privaten Homepages funktioniert eher nicht. Wenn die
jedoch so gross und professionell aufgezogen wird, wie das Original
selbst (siehe SpOn-Mirror-Site), dann kann man auch von den selben
Zahlen ausgehen, die die Quelle damit einnimmt. Das ist aber weit
entfernt von privater Nutzung und das hatten wir eigentlich schon
hinreichend oft besprochen.
> Jemand, der einen Paypal-Donate-
> Button auf der Seite hat? Jemand, der mit fremdem Content auf einer
> ansonsten kostenlosen Seite Werbung für sein Ladengeschäft macht?
> Jemand, der für den Content keine Euro, sondern Linden-Dollar bekommt?

Es wird immer grenzwertige Faelle geben - wenn jedoch Geld in
irgendeiner Form ins Spiel kommt, stehen die Chancen fuer den Urheber
viel guenstiger, als ohne diesen Gegenstand. Ein Richter mag fallweise
pruefen, wie direkt der Bezug zw. Spendenbutton und fremden Content auf
der Website ist.
> Ich überlasse da lieber dem Urheber die Entscheidung, in welchem Umfeld
> und in welchem Kontext er sein Werk sehen will. Das kann er an monetären
> Gründen festmachen - oder an ganz anderen.

Die Theorie kann man beliebig perfekt ausgestalten. Ob sie sich in der
Praxis bewaehrt - das ist die relevante Frage. Und davon weiche ich auch
nicht ab: Stellt der Urheber 'praxisferne' Forderungen auf, muss er
damit leben, dass sie ignoriert werden. Will er dann irgendeinen Schaden
geltend machen, sollte er diesen nachweisen koennen. Tritt dieser Fall
ein, dann sollte der Faktor Geld das Zuenglein an der Waage darstellen,
das den Ausschlag gibt, ob sich hier jemand wirklich bereichert hat,
oder ob einfach nur von privat zu privat irgendwelche Daten kopiert
wurden. Alles was darueber hinausgeht ist nicht wirklich praxistauglich.
Der Alltag an den Gerichten belegt dies tagtaeglich. Wenn sich schon
Staatsanwaelte weigern, massenhaft eingereichte Strafanzeigen
entgegenzunehmen, dann ist das wohl ein deutliches Zeichen fuer eine
eklatante Schieflage im System, welches den gesellschaftlichen Normen in
einem bestimmten Bereich laengst nicht mehr gerecht wird.
> Wenn er z.B. nicht auf Nazi-
> Seiten auftauchen will, egal ob kostenlos oder nicht, hat er mit der
> momentanen Rechtslage die Möglichkeit, das durchzusetzen. Ich finde das
> durchaus sinnvoll.

Das hat er auch unter jeder Rechtslage, die ich mir wuenschen wuerde.
Das ist ja ein voellig anderes Problemfeld. Zum Glueck aber auch eines,
welches relativ selten nur in Erscheinung tritt, entgegen der
vielbeschworenen Raub-Mord-Kopier-Kinder-Terroristen-Schaender-Plage.
>> Was ich meine ist, dass der Akt des Geld Verdienens - wohl gemerkt Geld
>> ist das offiziell ausgegebene Zahlungsmittel - auf jeden Fall sicher
>> feststellbar ist und damit auch einen Wert belegt, der erwirtschaftet
>> wurde. Es ist darum sinnvoll, sich auf diesen Wert zu beziehen, wenn er
>> unrechtmaessiger Weise mit fremden Inhalten erworben wurde.
> Das wird sehr spaßig, wenn dann jeder Webseitenbetreiber seine komplette
> Kalkulation offenlegen muss.

Ist doch voellig aus der Luft gegriffen. Es geht primaer um das Treiben
in Tauschboersen - weniger um irgendwelche Webseiten, die schon fast aus
der Mode gekommen sind, weil sie noch wesentlich mehr Fallstricke
beinhalten (siehe Abmahnwahn im Markenrecht wg. kleiner Pictogramme und
aehnlichem Quark auf privaten HPs). Auch Blogs sehen sich zunehmend
unter Beschuss irgendwelcher Rechtsabteilungen, vor allem, wenn man dort
Kommentare anfuegen kann. Wer weiss, wie lange es solche privaten
Homepages ueberhaupt noch geben wird. :(

Aber das ist ja wieder nur einer deiner Nebenkriegsschauplaetze, die du
so gern eroeffnest, um vom Kern der Angelegenheit abzulenken.
> Möglichst nach HTML-Seite sortiert? Was ist
> mit Bannerwerbung? Und was ist, wenn die Bannerwerbung Teil eines Link-
> tauschprogramms ist, das der Serveranbieter gegen Preisermäßigung
> anbietet (IIRC hatte 1&1 mal sowas)? Und was bei Gratiswebspace-
> Anbietern, die ihrerseits Werbung schalten?

Ueber diese grenzwertigen Detailfragen lasse ich gern die Juristen
beraten. Ich wuerde jedem immer nur empfehlen, /wenn/ er schon sowas
machen muss, dann auf jeden Fall keinen finanziellen Vorteil draus zu
schlagen. Wenn er sich aber so schwer wie du dabei tut, zu verstehen,
was damit gemeint ist, dann hat er es auch verdient, damit auf die Nase
zu fallen.
>>>[Bücher & Filme]
>>>Ich schaue die im Kino wegen der guten Anlage, und
>>>hole mir später die DVD, die ich schmerzarm auf dem 32" Fernseher sehen
>>>kann (und nicht auf dem 17" PC). Saugen dauert mir zu lange, und bei der
>>>Auswahl meiner DSL stand "Filme laden" auch überhaupt nicht auf der
>>>Anforderungsliste.
>> Heute ist DSL 6000 eigentlich 'normal'. Es gibt nebenher sogar schon in
>> vielen Gebieten die Option auf 16000er oder gleich gar VDSL mit
>> _wesentlich_ mehr Speed.
> Hätte ich kriegen können. Und? 2000er reicht für 99%%.

Du bist halt ein Sonderfall, nicht repraesentativ fuer die Masse. Das
erklaert wohl auch deine Schwierigkeiten, die Dynamik der Masse zu
verstehen. ;>

Ich weiss es jetzt nicht ganz genau, aber ich glaube, es ist gar nicht
mehr so einfach, eine 'kleine' DSL-Leitung zu bekommen, wo es
hinreichend gut ausgebaut ist. DSL 6000 im Paket mit Telefon-Flatrate
ist zumindest bei der Telekom das Paket der Wahl, dass sie auch
versuchen, zu verkaufen. Meint, sie bieten dafuer das beste
Preis-Leistungs-Verhaeltnis an und der Kunde waere eigentlich /bloed/,
wenn er zum gleichen Preis darauf bestehen wuerde, weniger Bandbreite zu
bekommen. Ich wuesste jedenfalls nicht, warum jemand so etwas machen
sollte.
>>>Wenn ich eine CD kaufe, wird
>>>die als erstes gerippt und landet in der Medienbibliothek. Und natürlich
>>>wird auch im kleinen Kreis getauscht - Privatkopie halt. Nur verspüre
>>>ich nicht das Bedürfnis, das gleich einem unbegrenzten Teilnehmerkreis
>>>anbieten zu müssen.
>> Frag dich mal ehrlich, ob das Beduerfnis nicht sofort aufkommen wuerde,
>> wenn du privat eine wirklich gute Anbindung ans Netz haettest und es
>> /nicht/ verboten waere, im Gegenteil, wenn die Kuenstler das u.U. sogar
>> begruessen oder tolerieren wuerden, weil es gut fuer ihre Publicity ist.
>> Sharing is caring. :-)
> Ich hatte jahrelang 100 MBit bis zum Arbeitsplatz.

Und wie wurden die abgerechnet? Ich meine damit natuerlich die
Aufwaendungen deines AG, der die Bandbreite zur Verfuegung stellte und
gewiss irgendwelche Erwartungen an dich damit verknuepft hat.
> Napster hat mich
> trotzdem nicht interessiert. Habe damit nur ein paar Freeware-Archive
> gespiegelt (kurz bevor deren Ableben) und ein paar FreeBSD-CDs gesaugt.

Nun gut, ich habe kein Problem damit, dich als Sonderling zu
akzeptieren, den man durchaus ausgehungert in einem Supermarkt ueber
Nacht einschliessen koennte, der aber trotzdem nichts aus dem Regal
entwenden, sondern lieber verhungern wuerde. Fuer die Meissten Leute
gilt aber, dass eine sich bietende Gelegenheit auch genutzt wird, wenn
dadurch kein nennenswerter Schaden entsteht. Aus welchen Motiven auch
immer. Das gilt sogar fuer die, die es eigentlich besser wissen
muessten:

"After the police arrest citizens for minor copyright infringements that
allegedly took place on OiNK, they now face their own anti-piracy woes.
Chief Constable Steve Finnigan is accused by the music industry of
copyright infringement and now faces High Court action. Police pirates
- who would have imagined it?"
http://torrentfreak.com/police-chief-faces-high-court-anti-piracy-action-120608/

Der Punkt dabei, auf den ich abstelle ist, dass diese Gelegenheiten
massenhaft geschaffen werden und ganze Industriezweige sehr gut daran
verdienen (durchaus auch mit Werbung fuer Breitbandanschluesse, die
konkret auf Musik- und Filmdownload-Zeiten abzielen). Wenn man den
Leuten nun die ganzen Moeglichkeiten verkaufen - sie aber dann davon
abhalten will, jene auch zu nutzen, dann stellt man eine unsinnige
Forderung in den Raum, die die meissten gar nicht ernst nehmen werden.
>>>>Natuerlich
>>>>werde ich nicht ins Kino gehen zu einen Film, der nichts wert ist, weil
>>>>ich mich vorab davon ueberzeugen konnte. Aber ist das nicht in Ordnung?
>>>Dafür gibt es Filmkritiken in den verschiedensten Medien, manche sogar
>>>mit Filmausschnitten.
>> Filmkritiker haben oftmals eine etwas vom Massengeschmack abweichende
>> Sicht auf das Werk. Sich darauf zu verlassen ist nicht immer eine
>> Garantie.
> Oooooch, eine Tüte Mitleid.... So ist das Leben nun mal.

Yo das geht postwendend an die zurueck, in deren Namen du hier meinst zu
sprechen. So ist das Leben (im digitalen Zeitalter) nunmal.
Veroeffentlichte Daten werden kopiert. Heult doch.
>>>>Oder findest du besser, wenn man mittels Werbung ins Kino gelockt wird,
>>>>der Film jedoch nicht halten kann, was da versprochen wurde und man
>>>>einfach nur frustriert und enttaeuscht ist?
>>>Pech. Risiko. Whatever. Kann dir mit dem neuen Auto, dem Fertiggericht
>>>aus der Kühltruhe, dem Busfahrschein oder der neuen Hose genauso
>>>passieren. Und da fordert niemand ein Recht auf eine 100000 km
>>>Probefahrt (denn vorher kann man ja nicht beurteilen, ob der Wagen nicht
>>>doch untenrum rostet!).
>> Wiedermal ein unzutreffender Vergleich zw. materiellen und immateriellen
>> Guetern.
> Wieso?

Weil der Film im Kino nicht 'verbraucht' wird, wenn man ihn ausserhalb
kopiert und betrachtet. Beim Auto tritt jedoch sehr wohl ein Verschleiss
ein.
> Der Autohersteller bekommt die Karre doch nachher zurück und hat
> damit keinen Schaden erlitten!

Du willst das nicht kapieren oder?

Selbst wenn du alle turnusmaessigen Durchsichten und die damit
verbundenen Ersetzungen von Verschleissteilen (Bremsen, Reifen, Kupplung
Stossdaempfer, diverse Lager, Kuehl- und Bremsfluessigkeit, Motoroel,
Oel-, Luft- und Bezinfilter etc pp) bezahlt haettest, waere an dem Auto
noch wesentlich mehr Wertverlusst zu verzeichnen, der auf die Benutzung
zurueckzufuehren ist. Der Motor ist - sofern Benziner - schon fast
schrottreif, zumindest was Lagerschalen und Ventildichtung betrifft. Die
Karosserie zeigt wahrscheinlich diverse Roststellen von unterseitig
eingetretenen Spritzwasser, etliche Gummischlaeuche und -dichtungen
duerften langsam poroes werden und die Sitze zeigen deutliche
Gebrauchsspuren, vom Kofferaum ganz zu schweigen.

Die Wiederherstellung des Urzustandes kostet annaehernd genausoviel, wie
die Anschaffung eines Neuwagens, weil der Arbeitsaufwand betraechtlich
zu Buche schlaegt.

Ich weiss ja nicht, wie 'aggressiv' man eine Filmkopie anschauen muss,
damit /das/ /Original/ solche Gebrauchsspuren aufweist...
> Und wenn er sie anständig gebaut hätte,
> hätte ich sie ja auch gekauft!

Versuchs doch mal andersrum: Der Verkaeufer verlangt von dir, einen
Preis zu bezahlen und dann kriegst du ein Auto. Vorher darfst du vllt
von Ferne mal nen kurzen Blick drauf werfen, aber mehr auch nicht. Das
Auto musst du dann auch nehmen wie es ist - kaufwandeln ist nicht drin.

Und jetzt die DRM-Version: Der Verkaeufer 'verkauft' dir auf die selbe
Weise ein Auto, du darfst es jedoch nicht mit nach Hause nehmen. Du
darfst es nur benutzen und jedesmal faehrt einer von der Firma mit und
quatscht dich voll, dass du dir ja nicht erlauben sollst, irgendwelche
Maetzchen damit zu machen oder auf Wegen zu fahren, die er dir nicht
erlaubt. Und ja - wenn die Firma pleite geht, wird dein Wagen still
gelegt. Du hast ihn zwar voll bezahlt, aber eigentlich nur das Recht zum
Fahren erworben, solange die Fa. existiert...
> (Der letzte Satz wird von den Film-Saugern auch gerne benutzt: ich
> schau's mir ja nur an, um festzustellen, ob's mir gefällt, und wenn's
> mir gefällt, kaufe ich's. Meistens gefällt's nicht (sonst würde es ja
> nachher gekauft), aber man braucht natürlich volle 150 Minuten, um das
> rauszubekommen. Jaja....)

Na und? Ist doch wirklich egal. Die Frage ist: Waere der 'Filmsauger'
denn ins Kino gegangen oder haette er sich die DVD tatsaechlich gekauft?
In den Meissten Faellen muss man das wohl verneinen. Er hat eine
Gelegenheit wahrgenommen - sicher - aber daraus schliessen zu wollen,
dass er anderenfalls ein zahlender Kunde geworden waere, funktioniert
nicht. Warum das nicht funktioniert, habe ich dir allerdings auch
schonmal erlaeutert.
>>>Aber eine Kopie von einem Anonymling ohne eigene Geistesleistung halte
>>>ich immer noch nicht für unterstützenswert.
>> Ja aber schau doch mal: Sowas muss auch praktikabel bleiben. Wem nuetzen
>> Gesetze, deren Einhaltung man nicht oder nur mit immensen Aufwand
>> kontrollieren kann?
> So wie die StVO ("vor dem Abbiegen blinken",

Spaetestens wenns mal gekracht hat, wird derjenige den Sinn des Blinkens
verstehen, wenn er es vorher partout nicht begreifen konnte.
> "die auf diesen runden
> Blechtafeln angegebene Geschwindigkeit nicht überschreiten")

Gut, das empfinden etliche als Gaengelung - aber viele auch nicht. Die
groessere Gruppe hat damit wohl kein Problem, die anderen zahlen
bisweilen eine Sondersteuer dafuer.

Aber auch hier steht die GEFAEHRDUNG ANDERER MENSCHEN im Vordergrund.
> oder das
> StGB ("du sollst nicht stehlen", "du sollst keine Graffiti an fremde
> Häuser malen")?

Jetzt kaust du das auch noch wieder hoch... Ach nee, lies einfach meine
diesbezueglichen Erwiederungen im Thread weiter oben. Das ist doch oll
so. :-/
> Zur Erinnerung: die Privatkopie ist u.A. deswegen erlaubt, *weil* man
> ein Totalverbot nicht kontrollieren könnte.

Das war schon *vor* dem Internet so. Was meinst du, wie gut man das
heute kontrollieren kann, wo jeder nen breitbandigen Netzanschluss und
ne riesen Festplatte am Rechner hat? Der logische Schluss kann nur sein,
privates Kopieren auch uebers Netz uneingeschraenkt zu legitimieren,
weil es eine zeitgemaesse Form der Privatkopie darstellt. Eine Art
Filesharing-Flatrate wuerde sich dafuer anbieten, aber ich denke mal,
es funktioniert prinzipiell auch ohne, wenn man einsieht, dass das
Geschaeftsmodell content-selling ausgedient hat und man jetzt den
Schwerpunkt auf Aktivitaeten drumherum legen muss, sprich Live-Events,
Merchandise (kuenstlerischer Bereich) oder Service & Support (Software).

Dominic
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