Dominic Valerie Casare wrote:
> On Sat, 31 May 2008, Stefan Reuther wrote:
>>Da steht meistens ein Spruch der Art "Unerlaubte Kopien sind nicht
>>zulässig". Da Privatkopien aber erlaubt sind, kannst du den Spruch
>>natürlich ignorieren.
>
> Nun mal moeglichst realitaetsnah aus der Sicht eines pubertierenden
> Jugendlichen: Wie konkret duerfte das Verstaendnis der exakten
> juristischen Auslegung des Urheberrechtsgesetzes wohl sein? Wieviele
> wirtschaftsrelevante Gesetze waren dir als /Kind/ bereits bis ins Detail
> vertraut?
Als Kind? "Du sollst nicht stehlen."
Das Bedürfnis und die Möglichkeit, anderer Leute Dinge zu
veröffentlichen, hatte ich damals einfach nicht.
> Diese Wirtschaft war mit der Privatkopie noch /nie/ einverstanden
> und darum wurde auch DRM entwickelt, um dieses /Recht/ zu
> unterlaufen, resp. auszuhebeln.
Das würde die Industrie übrigens auch tun (können), wenn es kein
Urheberrecht gäbe. Davon abgesehen war das Recht zur Privatkopie niemals
ein einklagbares Recht in der Art, dass du vom Urheber verlangen kannst,
dir das Kopieren zu ermöglichen. Urteile der Art
<
http://www.heise.de/newsticker/meldung/59010> haben eher Seltenheitswert.
>>>Ich will Loesungen, die unter gegebenen Umstaenden sinnvoll _und_
>>>praktikabel sind. Ich will aber - und das ist noch wichtiger - keine
>>>Pseudo-Loesungen, die sowohl die kulturelle als auch die
>>>gesellschaftliche (und nicht zuletzt sogar die wirtschaftliche)
>>>Entwicklung behindern.
>>
>>Ich behaupte, dass eine völlige Freigabe genau so eine Lösung nicht ist.
>>Aus den von mir schon mehrfach ausgeführten Gründen.
>
> Wir muessen uns hier einmal auf einer Basis treffen, der folgendes zu
> Grunde liegt (oder wir koennens gleich bleiben lassen):
>
> -----------------------------------------------------------------------
> Mit dem Aufkommen und nahezu flaechendeckender Verbreitung von
> multimediafaehiger IT in allen Haushalten und dem Internet als global
> verbindender, digitaler Infrastruktur, haben sich die Verhaeltnisse fuer
> jegliche Geschaeftsmodelle, die sich auf den Verkauf und die Verbreitung
> von /Kopien/ begruenden, grundlegend geaendert. Sie koennen ihr altes
> Business nicht mehr in der Form betreiben, wie frueher, denn ihnen wird
> die Geschaeftsgrundlage schlicht /entzogen/.
> ------------------------------------------------------------------------
>
> Kannst du dich damit prinzipiell einverstanden erklaeren?
Netter Versuch am Thema vorbei zu schrammen.
Korrekt, Geschäftsmodelle, die ausschließlich auf dem Vertrieb von
digitalen *Kopien* basieren, haben fast ausgedient.
Du unterschlägst aber wieder einmal das Geschäftsmodell der Content-
Erstellung. Dieses ist keineswegs tot. Es ist sogar sehr gefragt. Denn
um etwas kopieren zu können, muss man erstmal ein Original haben, und
das Original muss jemand erstellen.
>>haben sie auch in ihren AGB <
http://www.google.com/accounts/TOS?loc=DE>
>>die üblichen Passagen, dass man ihre Dienste nur auf den offiziellen
>>Wegen nutzen darf (§5.3) und dabei Werbung zu akzeptieren hat (§17.3).
>
> Sie koennen (und wollen) mich jedoch nicht zwingen, mein 'adblock' zu
> deaktivieren.
Sie könnten sich irgendwann einfach weigern, dir Webseiten zu liefern.
Allerdings werden sie an Einzelusern wohl kaum was auszusetzen haben.
Genausowenig wie das UrhG an Privatkopien. Aber sie haben an
Multiplikatoren etwas auszusetzen. Zum Beispiel gab es mal einen freien
Google-Earth-Client namens Gaia. Verboten mit Verweis auf die AGB.
<
http://intevation.de/pipermail/freegis-list/2006-November/003024.html>
>>Denn auch die Netzeitung hat unter jeder Seite stehen: "Alle Rechte ©
>>2008 NZ Netzeitung GmbH". Und im Impressum: "Jegliches verwendete
>>Material ist urheberrechtlich geschützt.".
>
> Jaja warum auch nicht? Das machen doch alle so und es ist in erster
> Linie /WICHTIG/ gegen /kommerzielle/ Sekundaer-Ausbeutung des eigenen
> Angebots. Was Privatleute damit machen, ist denen so lange egal, wie
> kein Geld ins Spiel kommt. Moechte ich fast drauf wetten.
Richtig. Geld (wenn auch erstmal nur virtuelles) ist aber in dem Moment
im Spiel, wie du ihnen Besucher von der Webseite abziehst, üblicherweise
durch eigene Weiterverbreitung.
>>Ansonsten beharre ich nicht auf dem Geschäftsmodell der Majors, die eben
>>dem Künstler pro verkaufter CD nur 4%% vom Kaufpreis abgeben. Aber wenn
>>sich ein Künstler selbst vermarkten will - und das ist eben dank
>>Internet nun möglich - braucht er wenigstens einen kleinen Anreiz, den
>>Nutzer zur Zahlung zu überreden.
>
> Grundsatz: Treue Fans zahlen von selbst & tun dies gern.
>
> Wie bekommt man treue Fans?
[snip]
Du hämmerst immer auf den Musikern rum. Vermutlich, weil die tatsächlich
die besten Möglichkeiten haben, ohne Medienverkauf immer noch zu verdienen.
Was machen Journalisten? Monumentalfilmer? Buchautoren? Und sag nicht,
dass deren Geschäftsmodell ausgedient habe, denn es gibt nachweislich
Bedarf an deren Werken.
[Softwareentwicklung klein/gross]
>>In den Kopienpreis müssen einfließen
>>- der Herstellungspreis der Kopie
>
> :-) In Millionenstueckzahlen eines klassischen Presswerkes, liegt der
> schon im Cent-Bereich, oder gar noch darunter?
>
>>- der Erstellungspreis des Werkes
>>- etwas Gewinn
>
> Und hier wirds wieder hakelig. Diesen Anspruch an eine Kopie zu stellen,
> halte ich heuer fuer ueberzogen.
Ich nicht, denn ich will bezahlbare Kopien auch von Werken, die nicht
live "performt" werden.
>>Speziell der letzte Punkt ist durchaus wichtig: es ist das Recht und die
>>Pflicht eines Unternehmers, Gewinn zu machen. Schließlich muss er zum
>>Beispiel auch mal weniger erfolgreiche Produkte abfangen/subventionieren
>>können.
>
> Ja aber es gibt kein Anrecht darauf, jederzeit mit jedem beliebigen
> Geschaeftsmodell Gewinne erzielen zu koennen. Ich verweise
> nachdruecklich auf mein Bsp mit dem Hufschmied: Wenn das heute jemand
> machen will, weil er in die Fussstapfen seines Ur^5-Ahns treten will,
> der dazumal in Muenchen ein solches Gewerbe hoechst erfolgreich betrieb,
> dann wird er es schwer haben, damit heute am selben Ort Fuss zu fassen.
> Und der Grund liegt einzig nur darin begruendet, dass es fuer dieses
> Geschaeftsmodell keine wirtschaftliche Grundlage mehr gibt.
Der Grund liegt darin, dass die Dienstleistung "Hufschmied" heute nur
noch sehr selten gefragt ist. Die Dienstleistung "Werk schaffen" ist
aber gefragt wie nie.
Aufgabe des Gesetzgebers ist, Rahmenbedingungen zu schaffen. Dass der
Gesetzgeber dabei berücksichtigt, dass "Werk schaffen" gefragt ist, und
die Werkschaffer eine Entlohnung brauchen, nicht jedoch, dass das Volk
am liebsten alles und am liebsten kostenlos will, halte ich schon für
verständlich.
[Veeroeffentlichung neuer Kinofilme gleichzeitig im Netz]
>>Und wie soll dann die Abrechnung funktionieren? Spätestens, wenn die
>>Leute das seitenlange Formular (Name, Anschrift, Kontodaten) sehen, wird
>>wieder ein großer Teil sich sagen "vielleicht gibt's das ja schon
>>irgendwo umsonst".
>
> Ja und? Siehe Rechenbeispiel Radiohead. Ausserdem kann man den
> Bezahlvorgang beliebig vereinfachen - also Paypal ist heute vielen sehr
> vertraut fuer alle moeglichen Gelegenheiten im Netz zu bezahlen, warum
> soll das bei Filmen und Musik nicht ebenso funktionieren? Der Preis muss
> natuerlich stimmen, sonst wird die Hemmschwelle zu hoch.
Paypal fasse ich normalerweise nicht mal mit der Kneifzange an.
Deswegen sagte ich ja auch, dass das _noch_ nicht funktioniert. Später
vielleicht. Momentan gibt es kein standardisiertes Micropayment-System.
Unter den existierenden Anbietern sind viel zu viele Nischen und viel zu
viele windige Gestalten. Sollte Internet-Micropayment mal dort ankommen,
wo das europäische Bankensystem heute ist - ich kann problemlos ohne
viel Brimborium von hier zur Kreissparkasse Kleinkleckersdorf überweisen
- mag das anders aussehen.
>>Denn "nicht bezahlen wollen" ist bei einem homo sapiens der
>>Auslieferungszustand.
>
> Hehe :-)
>
> Aber woher hat ers denn? Kommt doch vom Ursprung: Alles was 'gemacht'
> wird kommt direkt oder indirekt von den Ressourcen der Erde. Und was
> verlangt die Erde dafuer? Nichts, die gibt einfach nur - besser: Der
> Mensch entreisst es ihr! Als natuerliche Wesen haben wir ein
> natuerliches Recht, alles fuer unsere Existenz notwendige zu bekommen,
> denn die Erde stellt es zu Verfuegung. Aber irgendwann haben sich da
> allerhand Mittelsmaenner eingeschaltet und beanspruchen alles moegliche
> fuer sich selbst, fuer ihren persoenlichen Vorteil - sollen sie ruhig,
> so lange es funktioniert. Aber wenn es nicht mehr funktioniert -
> aufgrund natuerlicher oder natuerlich gewachsener Bedingungen, dann
> sollte man das auch akzeptieren koennen.
Du darfst gerne z.B. ins kanadische Hinterland ziehen, dir dort selbst
deine Blockhütte bauen, selbst deine Schafe und dein Gemüse züchten, und
wenn du noch Zeit hast, eine Richtfunkantenne zimmern und auf deinem
handgeklöppelten Prozessor einen TCP-Stack implementieren. Dort müsstest
du dir aber auch deine Musik selber machen. Oder du drückst einfach
weiter kleine bunte Scheine an Mittelsmänner ab.
[wma vs. mp3]
>>>So und nun nochmal zum Grund fuer das Vorhandensein von wma, wo mp3 als
>>>quasi-Standard existiert. Was hat wma, was mp3 nicht hat, wo es doch
>>>wesentlich mehr Geraete am Markt gibt, die zwar mit mp3, nicht jedoch
>>>mit wma klarkommen?
>>
>>WMA hat wohl durchaus bessere Qualität bei gleicher Bitrate, und
>>spielt eher in einer Liga mit AAC.
>
> Sagt wer? Die Marketingabteilung von Microsoft?
[...]
> Und in der Praxis sieht es wohl so aus, dass man schon ab einer Bitrate
> von 192kbps bei mp3 kaum mehr nen unterschied zum unkomprimierten hoert.
> Alles oben drueber ist praktisch schon Platzverschwendung. Was war also
> nochmal das Alleinstellungsmerkmal von wma?
Bitraten über 192 kbps sind langweilig. Interessant ist 64 kbps abwärts.
Und da sind AAC und WMA einfach mal besser als MP3. MP3 limitiert dir da
die Bandbreite auf ein besseres Analogtelefon.
>
http://de.wikipedia.org/wiki/Windows_Media_Audio:
> | WMA unterstützt ferner die Einbindung des DRM-Kopierschutzes, weshalb
> | das Format in vielen Musik-Online-Shops anzutreffen ist.
>
> Na bitte, warum nicht dazu stehen und irgendwelchen Mist von wegen
> bessere Qualitaet bei gleicher BR erzaehlen?
Man kann auch MP3 in einen DRM-Container packen, das ist kein
Alleinstellungsmerkmal von WMA.
Stefan