On Sat, 31 May 2008, Stefan Reuther wrote:
> Dominic Valerie Casare wrote:
[jugendlicher Umgang mit Kopiergeraet gestern & heute]
>> Wenns dazumal das Internet schon gegeben haette, meinst du, ich haette
>> darauf verzichtet, dies in meine Aktivitaeten - ganz selbstverstaendlich
>> - mit einzubeziehen? So selbstverstaendlich, wie ich den Hinweis auf das
>> angebliche Kopierverbot auf dem Original-Tontraeger ignoriert habe
> Da steht meistens ein Spruch der Art "Unerlaubte Kopien sind nicht
> zulässig". Da Privatkopien aber erlaubt sind, kannst du den Spruch
> natürlich ignorieren.
Nun mal moeglichst realitaetsnah aus der Sicht eines pubertierenden
Jugendlichen: Wie konkret duerfte das Verstaendnis der exakten
juristischen Auslegung des Urheberrechtsgesetzes wohl sein? Wieviele
wirtschaftsrelevante Gesetze waren dir als /Kind/ bereits bis ins Detail
vertraut?
Und nicht zu vergessen: Die Kampagnen, die die MAFIA schon dazumal gegen
'Hometaping' und VHS-Rocording gefuehrt hat. Das war genau der gleiche
Irrsinn, der sich jetzt auf die 'verlusstfreie, digitale Kopie'
konzentriert, so als wuerde das nun einen eklatanten Unterschied zur
damaligen Situation machen. Erkennst du nicht die Muster, die sich da
wiederholen und die Absichten, die dahinter stehen? Diese Wirtschaft war
mit der Privatkopie noch /nie/ einverstanden und darum wurde auch DRM
entwickelt, um dieses /Recht/ zu unterlaufen, resp. auszuhebeln.
>> und genauso selbstverstaendlich, wie solche Kassetten dazu verwandt
>> wurden, z.B. Schuldiskos zu beschallen (oeffentliche Auffuehrung!).
>> Tja und?
> Schwein gehabt, dass die GEMA nicht vorbeigeschaut hat.
Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie viele Kuenstler wir mit unseren
Schuldiskos in den Ruin getrieben haben...
>> Ich will Loesungen, die unter gegebenen Umstaenden sinnvoll _und_
>> praktikabel sind. Ich will aber - und das ist noch wichtiger - keine
>> Pseudo-Loesungen, die sowohl die kulturelle als auch die
>> gesellschaftliche (und nicht zuletzt sogar die wirtschaftliche)
>> Entwicklung behindern.
> Ich behaupte, dass eine völlige Freigabe genau so eine Lösung nicht ist.
> Aus den von mir schon mehrfach ausgeführten Gründen.
Wir muessen uns hier einmal auf einer Basis treffen, der folgendes zu
Grunde liegt (oder wir koennens gleich bleiben lassen):
-----------------------------------------------------------------------
Mit dem Aufkommen und nahezu flaechendeckender Verbreitung von
multimediafaehiger IT in allen Haushalten und dem Internet als global
verbindender, digitaler Infrastruktur, haben sich die Verhaeltnisse fuer
jegliche Geschaeftsmodelle, die sich auf den Verkauf und die Verbreitung
von /Kopien/ begruenden, grundlegend geaendert. Sie koennen ihr altes
Business nicht mehr in der Form betreiben, wie frueher, denn ihnen wird
die Geschaeftsgrundlage schlicht /entzogen/.
------------------------------------------------------------------------
Kannst du dich damit prinzipiell einverstanden erklaeren? Es bringt imo
nichts, wenn du immer nur darauf beharrst, dass die Dinge so
weiterzulaufen haetten, wie sie das seit x Jahrzehnten taten und die
gleichen Ansprueche weiter erhoben werden koennten, obwohl sich die
/Umgebungsbedingungen/ komplett zu Ungunsten der Kopierindustrien
veraendert haben. Es wird nicht moeglich sein, unter diesen neuen
Bedingungen, die alten Konzepte mit den alten Verdienstmoeglichkeiten
aufrecht zu erhalten. Es ist hingegen auch zu viel verlangt, wenn ich
hier ad hoc eine 'Patentloesung' praesentieren soll: Ich kann nur mehr
oder weniger erfolgversprechende Ansaetze liefern, die zwar nichts
garantieren, die aber die besonderen Gegebenheiten /beruecksichtigen/ -
und genau darauf kommt es imo jetzt, hier & heute in erster Linie an.
Mit der Entwicklung gehen, statt versuchen sie aufzuhalten. Neue
Konzepte aufstellen und ausprobieren, anstatt von rechtlicher Seite her
immer mehr Druck aufzubauen. Von jedem Arbeitnehmer - und sogar von den
Arbeitslosen - wird heute ein Hoechstmasz an Flexibilitaet verlangt.
Warum soll man das nicht auch von der Industrie verlangen duerfen? Wer
sich nicht bewegt, geht unter.
>>>Die funktionieren aber eben nicht im großen Stil.
>> Google funktioniert im grossen Stil oder? Der Service ist fuer alle frei
>> und finanziert sich ausschliesslich durch jene, die kommerzielle
>> Interessen damit verknuepfen. Die haben das sehr frueh kapiert und nun
>> den Vorteil dessen, der zuerst da war.
> Google finanziert sich "ganz klassisch" über Werbung. Nix neues. Daher
Also halten wir fest: Das Konzept Werbung funktioniert auch weiterhin.
Wuerde google jedoch anfangen, die Services -maps, -earth, -moon, -mars
etc fuer jeden User kostenpflichtig zu machen - was waere der Effekt?
Es wuerden rapide weniger diese Angebote nutzen, ergo ginge das
Geschaeft mit der Werbung ganz schoen in die Knie. Genau das Prinzip
steht hinter dem Gedanken, dass die Musik - also der content - schlicht
die /Werbung/ fuer das Angebot des Kuenstlers ist - aber nicht das
Angebot selber, denn kopieren kann heute jeder selber.
> haben sie auch in ihren AGB <
http://www.google.com/accounts/TOS?loc=DE>
> die üblichen Passagen, dass man ihre Dienste nur auf den offiziellen
> Wegen nutzen darf (§5.3) und dabei Werbung zu akzeptieren hat (§17.3).
Sie koennen (und wollen) mich jedoch nicht zwingen, mein 'adblock' zu
deaktivieren.
> Das entspricht also genau dem, was z.B. SpOn auch gerne hätte und vom
> UrhG eigentlich auch zugesichert bekommt.
Ja SpOn hat sich auch nicht beschwert ueber den hier geposteten Artikel.
Ich wuerde langsam wirklich gern mal wissen, wie die darueber denken; ob
sie es tatsaechlich so 'feindlich' interpretieren, wie du (und einige
andere Leute) es in dieser Diskussion hinstellen willst, oder ob sie es
nicht eher als eine kostenlose Werbung fuer ihr Angebot im Netz
verstehen. Ich tippe einmal auf letzteres, aber vllt sind sie ja
wirklich bisschen weltfremd und der Zeit hinterher, wer weiss... ;)
>> Die Hemmschwelle, ein kostenloses Angebot anzunehmen, ist nunmal gleich
>> null. Darum kommt es /NICHT/ auf jene an, die es in Anspruch nehmen -
>> sondern immer nur auf die, die dennoch dafuer bereit sind, zu zahlen.
>> Man muss sich ernsthaft ueberlegen, wie man jene dazu bewegt, etwas von
>> dem Geld, dass sie /uebrig/ haben, fuer die Leistung zu opfern. Ein
>> Appell an den guten Willen wirkt da konstruktiver, als eine Drohung.
> "Straßenbahn fahren mit Zahlbox" oder "Sonntagsschrippen in der
> Kaufhalle" ist bei weitem kein "kostenloses Angebot".
Da werden ja auch materielle Ressourcen verbraucht. Bei Daten, die
irgendwo rumliegen und beliebig oft kopiert werden koennen, sieht das
schon etwas anders aus. Aber soweit waren wir auch schonmal..
> Es ist bereits der
> Versuch, per Appell an den guten Willen eine Zahlung zu erhalten. Es hat
> nicht dauerhaft funktioniert, weil die Menschen irgendwann feststellten,
> dass sie die Leistung auch ohne (ausreichende) Bezahlung erhalten.
>
> Letztenendes sind wir mit der Musik in Form von CDDA (!= Kopierschutz)
> momentan in der Situation "Straßenbahn mit Zahlbox".
Nein (s.o.). Information wird nicht /verbraucht/. Es entsteht einfach
kein Verlusst dabei.
> Warum hältst du es
> nun für absurd, dass ich Zweifel habe, dass die Zahlungsmoral sich
> irgendwie bessern würde, wenn wir noch die im Hintergrund über allem
> schwebende leichte "Drohung" des UrhG aufheben würden?
Weil die Drohung selbst nicht funktioniert, sondern die Leute eher
wuetend macht und sie dann sagen: nun erst recht, geldgieriges Pack!
Und weil ich da von mir ausgehe: Wenn ich mit jemanden persoenlich zu
tun habe und von ihm eine Leistung erhalte, mit der ich zufrieden bin,
dann spuere ich einen Impuls, mich erkenntlich zu zeigen. Der Impuls ist
umso staerker, je direkter der Kontakt zu der Person - oder auch - je
direkter der Bezug zw. Leistung und der dahinter stehenden Person
erkennbar ist. Und das ist auch der Grund, warum die Live-Auftritte
immer mehr Bedeutung gegenueber den Verkaeufen der Musik selbst
gewinnen, weil die /Kunden/ dabei das Gefuehl haben, mit dem Kuenstler
direkt in Kontakt zu treten, von ihm eine Leistung zu erhalten und ihn
persoenlich dafuer zu bezahlen.
>
> Ich nehme an, wenn es nicht um Musik-Industrie-Bashing gegangen wäre,
> sondern um Text-Copyrights, würde der Grundtenor etwas anders lauten.
Nimmst du an. Naja, warum nicht... Wir koennen ja mal nen Test machen,
wenn wieder ein guter OnTopic-Artikel in der Netzeitung erscheint... ;)
> Denn auch die Netzeitung hat unter jeder Seite stehen: "Alle Rechte ©
> 2008 NZ Netzeitung GmbH". Und im Impressum: "Jegliches verwendete
> Material ist urheberrechtlich geschützt.".
Jaja warum auch nicht? Das machen doch alle so und es ist in erster
Linie /WICHTIG/ gegen /kommerzielle/ Sekundaer-Ausbeutung des eigenen
Angebots. Was Privatleute damit machen, ist denen so lange egal, wie
kein Geld ins Spiel kommt. Moechte ich fast drauf wetten.
> Ansonsten beharre ich nicht auf dem Geschäftsmodell der Majors, die eben
> dem Künstler pro verkaufter CD nur 4%% vom Kaufpreis abgeben. Aber wenn
> sich ein Künstler selbst vermarkten will - und das ist eben dank
> Internet nun möglich - braucht er wenigstens einen kleinen Anreiz, den
> Nutzer zur Zahlung zu überreden.
Grundsatz: Treue Fans zahlen von selbst & tun dies gern.
Wie bekommt man treue Fans?
1. Bekanntheitsgrad erhoehen: Wenn viele die Musik kennen, sind die
Chancen natuerlich groesser, dass darunter auch der eine oder andere
potenzielle Fan ist.
Daraus folgt: Goto PirateBay und verschenke mit viel Tamtam deine
Musik -> verknuepfe damit Werbung fuer deine Webpraesenz,
wo stets was aktuelles von dir zu erfahren ist.
2. Gehe auf Tour, damit die Leute dich live erleben koennen. Das sind
optimale Gelegenheiten, um alles moegliche von dir zu /verkaufen/.
3. Bleib immer in Kontakt mit deinen Fans. Wer unerreichbar hoch ueber
den Wolken schwebt, wird nicht mehr so als /Mensch/ /mit/ /normalen/
/Beduerfnissen/ wahrgenommen, also wie jemand, der es tatsaechlich
/noetig/ hat, dass hier ab und an mal etwas Geld rueberkommt. Die
Zeiten des *Starkults* sind auch immer mehr passe - gefragt sind
heute eher /echte/ Menschen, statt unerreichbare 'Stars'.
Jetzt mal noch ein kleines Exempel anhand der Radiohead-Aktion. Obwohl
die nicht wirklich guenstig aufgezoegen wurde und auch nicht ganz ernst
gemeint war und selbst auf Grundlage der von der Band dementierten,
pessimistischen Comcast-Statistik, bleibt doch folgendes festzustellen:
Es haben etwa 1.200.000 Leute die Seite besucht. Wenn nur 40%% bereit
waren, etwas fuer den DL zu zahlen und im Durchschnitt knapp 4 Euro
bezahlt wurden (
http://www.heise.de/newsticker/meldung/98677) und man
jetzt einmal ueber den Daumen peilt, dass bei
1.000.000 Downloads 40%% (480000) im Schnitt 4 Euro bezahlt haben, dann
kaeme das auf einen direkten Reingewinn von (CMIIW) 1.920.000 Euro nur
fuer ein paar kopierte Bits & Bytes.
Wie gesagt, das war eine eher pessimistische Rechnung, aber es reicht
doch wohl allemal als Verguetung fuer eine einzige Aufnahmesession oder?
Aber damit ja noch nicht zu Ende: Das Album verkaufte sich auch danach
noch sehr erfolgreich (Platz 1 in USA und GB) -> nochmal jede Menge
Kohle!
Wen kuemmerts da ernsthaft, wenn das Album schon 1,5 Minuten nach
freischalten des Downloads in allen einschlaegigen Tauschboersen war und
dort genauso rege getauscht wurde? Wenn du den hypothetischen Wert
errechnen willst, der jede Kopie mit den exemplarischen 4 Euro
veranschlagt, dann kommen hier sicherlich 15-20 Millionen zusammen. Wenn
du den hypothetischen Wert des selben Albums als kommerziellen Download
annimmst, dann landest du noch ne ganze Ecke weiter oben. Aber genau das
ist der Punkt, den ich immer wieder ins Blickfeld ruecke: Es geht nicht
um die, die nicht bezahlen wollen, sondern um jene, die es trotzdem
machen wuerden! Es geht nicht darum, zu verhindern, das Leute mein Werk
fuer umsonst kopieren koennen - denn das wird immer der Fall sein. Es
geht einzig darum, dass sich die Aktion fuer mich am Ende rechnet.
Wenn ueber eine Million als 'Verguetung' fuer ein Album nicht angemessen
erscheinen, dann weiss ich auch nicht, wo man den Maszstab denn ansetzen
will? IMO wuerden schon einige Tausend voellig genuegen. Wer mehr will,
soll gefaelligst auf Tour gehen und seinen Fans in die Augen schauen -
was ja Radiohead durchaus auch tun.
> [Softwareentwicklung klein/gross]
>>>Woher nimmst du die Überzeugung, dass Kopien grundsätzlich "überteuert"
>>>sind?
>> Einfache Rechnung zwischen Aufwand und Nutzen. Die Kopien waren auch
>> schon damals ueberteuert, nur hatte die Industrie da eine
>> Monopolstellung und konnte den Preis bestimmen, wie sie wollte. Heute
>> gibt es sicherlich schon ueber eine Milliarde kleiner 'Kopierfabriken'
>> weltweit, die ihr da Konkurrenz machen und viele davon sind bereits ans
>> Internet angeschlossen. Tendenz exponentiell steigend.
> Der Herr Gottschalk will nebenan einen Kopienpreis, der gleich dem
> Rohlingpreis ist. So eine Rechnung ist schlicht unseriös.
Nicht unter dem Gesichtspunkt, dass der Rohling selbst ja bereits eine
Urheberrechtsabgabe beinhaltet. Immer wieder im Blick behalten:
Informationsverbreitung ist kein Privileg mehr. Jeder der will, kann es
tun. Die Mittel und Moeglichkeiten liefert die Industrie - deren Einsatz
unterbinden zu wollen, ist unrealistisch. Der Preis den man fuer eine
/Kopie/ - egal von was - verlangen kann, *muss* sich daran messen
lassen, wie einfach und billig es ist, dies *selbst* zu bewerkstelligen.
> In den Kopienpreis müssen einfließen
> - der Herstellungspreis der Kopie
:-) In Millionenstueckzahlen eines klassischen Presswerkes, liegt der
schon im Cent-Bereich, oder gar noch darunter?
> - der Erstellungspreis des Werkes
> - etwas Gewinn
Und hier wirds wieder hakelig. Diesen Anspruch an eine Kopie zu stellen,
halte ich heuer fuer ueberzogen. Von Ausnahmen wie der beschriebenen
Auftragsarbeit, wo das Werk komplett zu einem festen Preis produziert
und insgesamt abgegeben wird, mal abgesehen.
> Speziell der letzte Punkt ist durchaus wichtig: es ist das Recht und die
> Pflicht eines Unternehmers, Gewinn zu machen. Schließlich muss er zum
> Beispiel auch mal weniger erfolgreiche Produkte abfangen/subventionieren
> können.
Ja aber es gibt kein Anrecht darauf, jederzeit mit jedem beliebigen
Geschaeftsmodell Gewinne erzielen zu koennen. Ich verweise
nachdruecklich auf mein Bsp mit dem Hufschmied: Wenn das heute jemand
machen will, weil er in die Fussstapfen seines Ur^5-Ahns treten will,
der dazumal in Muenchen ein solches Gewerbe hoechst erfolgreich betrieb,
dann wird er es schwer haben, damit heute am selben Ort Fuss zu fassen.
Und der Grund liegt einzig nur darin begruendet, dass es fuer dieses
Geschaeftsmodell keine wirtschaftliche Grundlage mehr gibt. Es wird ihm
niemand verbieten koennen, es dennoch zu versuchen, aber er wird wohl
nicht davon leben koennen.
Genauso entzieht das Internet und die IT in den Haushalten einer
Industrie, die sich auf den Vertrieb von Kopien spezialisiert hat,
zunehmend die Daseinsgrundlage. Es macht keinen Sinn, dies aufhalten zu
wollen! Die Entwicklung kommt erstmal so richtig in Schwung. Wir haben
heute Terabyte-Festplatten, Gigaherz-Multicore-Prozessoren und
Bandbreite satt. Die ganze Welt draengt in Richtung Netz und ruettelt
damit an den Grundfesten der /Kopierindustrie/!
> Wenn man jetzt die ganzen Sesselfurzer weglässt, die bei einer
> Veröffentlichung bei einem Major Label noch durchgefüttert werden
> wollen, kommt man sicher bei einem geringeren Preis raus als bei einer
> heutigen brandaktuellen Musik-CD. Aber unter Garantie nicht auf den
> Preis des Rohlings und/oder der Bandbreite.
> Ehrlich gesagt kaufe ich mir
> meine CDs und DVDs auch meistens erst dann, wenn sie einen einstelligen
> Euro-Betrag kosten. Irgendwo wird das schon kostendeckend sein, denn aus
> lauter Mitleid mit mir werden die Geschäfte das nicht in der Art anbieten.
Wozu braucht es zwischenhaendler, wenn es das Internet gibt? Mal so
grundsaetzlich gefragt. Wenn du unbedingt Originale haben musst, kannst
du die aucu von der Quelle ordern. Aber zunehmend wird man sich die
Daten einfach nur downloaden wollen und wer mag - konvertiert sich halt
ne DVD daraus und brennt das Ding auf Plastik.
>> [Veeroeffentlichung neuer Kinofilme gleichzeitig im Netz]
>>>Ach so, du wolltest ein eigenes proprietäres ParamountDownloadTool.exe?
>> Hoer doch bitte mal auf, wie ein /MicroSlave/ zu denken. Das nervt ja
>> echt. ;) Ich spreche nicht von proprietaeren Tools - und 'exen' schonmal
>> gar nicht - sowas kann man tatsaechlich schon mit einem einfachen
>> BitTorrent-Tracker hinkriegen, der entsprechend restriktiv konfiguriert
>> ist. Das verhindert zwar nicht, dass der Film auch ueber andere/offene
>> Tracker und Plattformen verteilt werden kann - aber das ist auch nicht
>> Sinn der Sache. Es geht an der Quelle nur darum, moeglichst
>> unkompliziert, *zeitnah* und effizient eine grosse Nachfrage zu
>> bedienen.
> Und wie soll dann die Abrechnung funktionieren? Spätestens, wenn die
> Leute das seitenlange Formular (Name, Anschrift, Kontodaten) sehen, wird
> wieder ein großer Teil sich sagen "vielleicht gibt's das ja schon
> irgendwo umsonst".
Ja und? Siehe Rechenbeispiel Radiohead. Ausserdem kann man den
Bezahlvorgang beliebig vereinfachen - also Paypal ist heute vielen sehr
vertraut fuer alle moeglichen Gelegenheiten im Netz zu bezahlen, warum
soll das bei Filmen und Musik nicht ebenso funktionieren? Der Preis muss
natuerlich stimmen, sonst wird die Hemmschwelle zu hoch.
> Natürlich, diese Situation haben wir heute in ähnlicher Form auch. Warum
> Geld für einen Download bei $MUSICLOAD bezahlen, wenn es das Gewünschte
> auch beim Esel gibt. Aber wenn das Eseln auf einmal vollkommen legali-
> siert wird, dann werden auch die gestandenen Familienväter ("Spießer")
> sich fragen, warum sie denn den ganzen Aufwand mit Registrierung und
> Bezahlung auf sich nehmen, wenn Eseln genauso legal ist.
Es ist wirklich ne Frage, wie hoch der Aufwand, wie niedrig der Preis
und wie handlich das ist, was ich dafuer bekomme. Wer den neuesten
Kinofilm fuer 2-3 Euro als DRM-freie Kopie auf die Platte laden kann,
wird womoeglich nicht erst gross ueberlegen, wo er das noch guenstiger
kriegt. Es sei denn, Geld spielt in seinem Leben eine zentrale Rolle und
in dem Fall ist es nur in Ordnung, wenn er mit etwas persoenlicher
Initiative dieses Defizit selbst kompensieren kann. Das ist einfach
angewandte Informationsgesellschaft u know?
> Das Urheber-
> recht schwebt hier noch als "sanfte Drohung" über allem und schubst die
> Leute in die richtige Richtung. Und das ist IMHO _noch_ nötig.
Quark. Komm schon, es ist /nicht/ noetig - nur weil man sich konsequent
/weigert/, sich auf die neuen Gegebenheiten einzulassen und Business mit
dem Internet - statt dagegen - zu machen!
>>>Damit der Download noch einen weiteren Schritt umständlicher wird, als
>>>einfach im edonkey auf "Suchen" zu klicken? Denn letzteres ist bei
>>>*ungeschützten* Downloads immer die Konkurrenz.
>> 'Ungeschuetzte Downloads' - wie niedlich. ;) Btw Ich sagte bereits:
>> Meinetwegen auch ohne P2P Protokoll, dann geht der Traffic halt voll zu
>> Lasten des Anbieters. Ausserdem: Es soll ja gar nicht verhindert
>> werden, dass Leute den Film auch in edonkey oder wo auch immer finden
>> koennen. Das spielt gar keine Rolle denn: ES GEHT IMMER NUR UM DIE, DIE
>> BEZAHLEN WUERDEN, NICHT UM DIE, DIE NICHT BEZAHLEN WOLLEN.
> Richtig. Es geht darum, die erste Gruppe so groß wie möglich zu machen.
Nicht zu /machen/, sondern zu *halten*. Man muss die Quellen dafuer
selber oeffnen, nicht verschliessen.
> Denn "nicht bezahlen wollen" ist bei einem homo sapiens der
> Auslieferungszustand.
Hehe :-)
Aber woher hat ers denn? Kommt doch vom Ursprung: Alles was 'gemacht'
wird kommt direkt oder indirekt von den Ressourcen der Erde. Und was
verlangt die Erde dafuer? Nichts, die gibt einfach nur - besser: Der
Mensch entreisst es ihr! Als natuerliche Wesen haben wir ein
natuerliches Recht, alles fuer unsere Existenz notwendige zu bekommen,
denn die Erde stellt es zu Verfuegung. Aber irgendwann haben sich da
allerhand Mittelsmaenner eingeschaltet und beanspruchen alles moegliche
fuer sich selbst, fuer ihren persoenlichen Vorteil - sollen sie ruhig,
so lange es funktioniert. Aber wenn es nicht mehr funktioniert -
aufgrund natuerlicher oder natuerlich gewachsener Bedingungen, dann
sollte man das auch akzeptieren koennen.
> Oder bist du jemals morgens aufgewacht und hast
> gedacht "heute will ich endlich mal was bezahlen"?
Nein das ist an sich ein unsinniger Gedanke auch.
> Sowas gibt's (ich
> habe sogar bereits davon profitiert), aber doch eher selten.
Allerdings habe ich durchaus schon oft Dinge bezahlt und vieles sogar
gern und freiwillig. Am leichtesten faellt es mir, wenn ich das Geld
direkt jenem in die Hand druecken kann, der es auch verdient.
>> [wma vs. mp3]
> Natürlich kann man sich auch ein MP3-Ripper-Programm installieren, die
> ganzen Wizards in mühevoller Kleinarbeit deaktivieren und die MP3s per
> Explorer auf das mobile Gerät schieben. Das macht aber Oma Krause nicht.
Ich kenn gar keine Oma die rippt. Alle Leute die ich kenne, die rippen,
die verstehen auch damit umzugehen. Die wissen sehr genau was sie wollen
und wie sie es bekommen. (Und die benutzen fast alle Windows-Betriebs-
verhinderungssysteme... *sigh*)
> Ja, hier wurden seitens der Industrie Bedürfnisse geweckt, die nun
> erfüllt werden müssen. Das ist die normalste Sache der Welt.
[...]
>> So und nun nochmal zum Grund fuer das Vorhandensein von wma, wo mp3 als
>> quasi-Standard existiert. Was hat wma, was mp3 nicht hat, wo es doch
>> wesentlich mehr Geraete am Markt gibt, die zwar mit mp3, nicht jedoch
>> mit wma klarkommen?
> WMA hat wohl durchaus bessere Qualität bei gleicher Bitrate, und
> spielt eher in einer Liga mit AAC.
Sagt wer? Die Marketingabteilung von Microsoft?
Wiki meint dazu
http://de.wikipedia.org/wiki/Windows_Media_Audio:
| Das standardmäßige verlustbehaftete Kompressionsverfahren von WMA
| basiert auf demselben Prinzip wie die MP3-Kompression: Nach einer
| Umwandlung in eine Frequenz-Amplituden-Domäne werden
| Maskierungseffekte (nahe Frequenzen, die nicht unterscheidbar sind)
| oder Töne, die generell nicht hörbar sind (Hörgrenze), gelöscht.
| Dadurch wird Speicherplatz gespart.
Und in der Praxis sieht es wohl so aus, dass man schon ab einer Bitrate
von 192kbps bei mp3 kaum mehr nen unterschied zum unkomprimierten hoert.
Alles oben drueber ist praktisch schon Platzverschwendung. Was war also
nochmal das Alleinstellungsmerkmal von wma?
http://de.wikipedia.org/wiki/Windows_Media_Audio:
| WMA unterstützt ferner die Einbindung des DRM-Kopierschutzes, weshalb
| das Format in vielen Musik-Online-Shops anzutreffen ist.
Na bitte, warum nicht dazu stehen und irgendwelchen Mist von wegen
bessere Qualitaet bei gleicher BR erzaehlen? Wenn dem so waere, dann
wuerden in einschlaegigen Musik-Tauschboersen DRM-freie wma's stehen,
nicht mp3.
> Immerhin ist das Verfahren "MPEG1 Audio Layer3" schon um die 15 Jahre
> alt.
Algorithmen altern... nicht? Naja egal.
Dominic