Re: Artikel aus Spiegel 20-2008: Wir sind die Guten
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Re: Artikel aus Spiegel 20-2008: Wir sind die Guten         

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Author: Dominic Valerie Casare
Date: May 26, 2008 04:49

On Sun, 25 May 2008, Stefan Reuther wrote:
> Dominic Valerie Casare wrote:
>> On Fri, 23 May 2008, Stefan Reuther wrote:

[Vergleich Handynutzer mit Autofahrer]
>>>zu kriegen.
>>>Das selbstständige Wählen des optimalen
>>>Übertragungsweges für die Kontaktdaten (vcard per OBEX oder SMS?) oder
>>>das Bereinigen des Geräts von versehentlich eingefangenen Hintergrund-
>>>Bildern fällt den Leuten schon schwerer.
>> Manche Leute kapitulieren vor einem schlichten Radwechsel, wissen
>> womoeglich nicht einmal, wie sie an ihr Reserverad kommen...
> Ich verlange von keinem Handynutzer, dass er eine Displaytransplantation
> schafft.

Das waere auch kein passender Vergleich zum montieren des fuer diesen
Zweck mitgefuehrten Reserverades. Vergleichbar waere in etwa der
Austausch einer SIM/Prepaid-Card und das schaffen die sehr wohl.

[Warezsammler]
>>>Dann kannst du damit auf der Mittelschule
>>>keine Weiber aufreißen und auch nicht in #h4x0rs (oder wo auch immer)
>>>damit rumprahlen.
>> Hm... Du willst tatsaechlich ernsthaft ueber pubertaeres Verhalten die
>> Relevanz von Urheberrechten diskutieren?
> Nein. Ich wollte nur zeigen, wie der von dir gepriesene Umgang mit der
> Technik ("selbstverstaendlicher, transmedialer Umgang von Teenagern mit
> Handys") real aussieht.

Ja und, was beweist das? Ich sehe darin nichts anderes, als den ganz
selbstverstaendlichen Umgang mit meinem Kassettenrecorder: Da wurde auch
alles moegliche zusammenkopiert und geschnitten und gemixt, von LP und
Original-MC ueberspielt (obwohl drauf stand, dass es VERBOTEN sein
soll), vom Radio aufgenommen (btw bei uns im Osten gabs auch richtige
Software ueber UKW zu empfangen. Hat sich lustig angehoert...) und das
alles natuerlich weiterverbreitet, getauscht, verschenkt wie auch immer.
Damit konnte man auch schonmal bisschen angeben na und? Ich finde daran
nichts Verwerfliches. Fuer mich ist der Gradmesser immer, ob unmittelbar
ein Mensch geschaedigt wird oder nicht. Und beim einfachen Kopieren und
Verbreiten von Information wird nunmal niemand geschaedigt. Wer so etwas
behauptet, der luegt wissentlich.

[objektive Wertminderung durch Graffiti am Haus]
>>>Woher kommt das "objektiv"?
>> Vom Gutachter, der den Wert des Hauses feststellt.
> Wir drehen uns im Kreis. Der Gutachter stellt auch nur deswegen einen
> geringeren Wert fest, weil er weiß, dass potenzielle Käufer einen
> geringeren Betrag ausgeben würden, was daran liegt, dass sie per
> Konvention gerne ein einfarbig pastellfarbenes Haus hätten.

Ja und? Darum ist das Graffiti am Haus eine Art von feststellbaren
Schaden. Man kann es sogar sehen und anfassen und - beseitigen. Wie
bringst du das mit der 'Verletzung von Immaterialgueterrechten'
zusammen? Und wenn ja - warum faellt juristisch das Graffiti am Haus
nicht unter ein solches, sondern wird unter 'Sachbeschaedigung'
einsortiert?
>> Das Internet ist neu. Die Gesetze sind alt. Was muss sich aendern - das
>> Internet oder die medienrelevanten Gesetze?
> Die Gesetze müssen sich durchaus weiter ändern; die komplette Freigabe
> digitaler Informationen halte ich jedoch aus den schon lang und breit
> ausgeführten Gründen nicht für wünschenswert.

Ich spreche mich konkret auch nur fuer die Freigabe des /ungehinderten/
/Austauschs/ jeglicher Information von Privat zu Privat aus und ziehe
die Grenze eben dort, wo ein geschaeftliches Interesse hinzukommt. Damit
kann durchaus gegen die 'Chinesen' vorgegangen werden, wenn sie fremdes
Know-How kopieren und verwenden, ohne dafuer zu bezahlen, denn sie
machen wiederum Geschaefte damit. Wenn aber der einzelne Mensch
irgendwas mit anderen einfach nur austauscht, was beiden gefaellt, dann
sollte sich der Gesetzgeber da nicht dazwischen stellen. Im Prinzip geht
dieser Anspruch mit dem urspruenglichen Urheberrecht auch konform - nur
gab es dazumal noch keine P2P Tauschboersen (allerdings schon etwas
aehnliches: Eine Tape-Trade-Szene in diversen Zeitschriften/Fanzines).
>>>Du implizierst ständig, dass jeder Urheber sein Werk aus lauter
>>>Langeweile schafft, und dann erwartet, dass die Menschheit ihm
>>>gefälligst zu Füßen liegen und ihm das Ding abzukaufen habe.
>> Nein. Ich impliziere, dass der Urheber keinen Anspruch darauf hat, sich
>> jede Schei**e vergolden zu lassen. Andere Gewerbe muessen sich auch an
>> den Beduerfnissen und Gegebenheiten des Marktes orientieren, den sie
>> bedienen wollen. Misachten sie diese, wird es nichts mit dem Business
>> und sie gehen inso.
> Wie sie sich an den Bedürfnissen des Marktes bedienen, schrieb ich im
> folgenden Absatz.

Aber der andere wichtige Punkt: 'sich an den Gegebenheiten des MArktes
orientieren' - was ist mit dem? Du musst beide beachten und zu den
Gegebenheiten eines Marktes fuer Informationen gehoert in unserer Zeit
eben die leichte und globale Kopierbarkeit jeglicher Daten uebers
Internet. Die darf man bei der Kalkulation nicht ignorieren.
>>>Und natürlich gibt es auch die Urheber, die einfach aus Langeweile ein
>>>Werk schaffen, das instant so beliebt wird, dass es jeder haben möchte.
>>>Warum sollen die, die einem Großteil der Bevölkerung z.B. Unterhaltung
>>>und Freude verschafft haben, genau deswegen leer ausgehen, weil sie es
>>>freiwillig getan haben?
>> Sollen sie nicht? Wenn sie es richtig anstellen, gehen sie gewiss nicht
>> leer aus.
> Zum 148sten Mal: wie sollen sie es "richtig anstellen"?

150. Ich habe dir wirklich schon genug beispielhafte Ansaetze genannt.
Wenn du nur 'Gesetz' oder 'DRM' als moegliche Antwort akzeptierst,
ist das nicht mein Problem.
>>>>Du meinst also hier einen Anspruch darauf zu haben, mit Software Geld
>>>>verdienen zu koennen. Das ist per se nicht so. Dazu gehoert zumindest,
>>>>dass es dafuer auch einen Markt gibt, der bereit ist, diese Software zu
>>>>kaufen. Wenn es den Markt nicht gibt - oder nicht in der Groesse, dass
>>>>man davon leben koennte - dann ist es mit deinem Anspruch auch nicht
>>>>getan. Hast du hingegen ne richtig tolle Idee, die alle haben wollen,
>>>>dann kannst du die gern anbieten und wirst vllt sogar davon leben
>>>>koennen.
>>>Erkläre doch mal bitte *endlich*, wie *konkret* ich davon leben soll.
>> Ist das ein Freistellungsantrag aus der kapitalistischen Marktordnung?
>> Fuer dich gilt das selbe wie fuer jeden anderen !Politiker im Lande:
>> Klappt es nicht mit deinem Business, steht dir nur ein Anspruch auf
>> Grundsicherung zu. Davon wirst du leben koennen. Wie das geht, hat ja
>> kuerzlich erst einer 'vorgerechnet'... Mehr kannst du nicht erwarten.
> Okay, du bist also ernsthaft der Meinung, dass die Schaffenden
> bitteschön weiterhin ihre Werke schaffen sollen (weil die Gesellschaft
> sie ja haben will), und dann von Grundsicherung leben sollen?

Sie /sollen/ ueberhaupt nichts. Es ist jedem freigestellt, was er tun
will und was nicht.
> Niemand verlangt, dass ein Urheber einen Anspruch darauf haben soll,
> dass ihm jemand sein Werk abnimmt. Aber wenn es ihm jemand abnehmen
> will, benötigt der Urheber eine Möglichkeit, sich dafür sinnvoll
> bezahlen zu lassen.

Einfaches Bezahlsystem per Kreditkarte (ssl nicht vergessen) sollte es
tun. Fuer die, die kein Problem damit haben, ist Paypal auch ne Option.
Wenn der Preis in Ordnung ist, dann wird das schon in Anspruch genommen.
Nicht von allen - aber von hinreichend Vielen. Oder die Nachfrage war
eben doch nicht so gross, wie deine 'Marktforscher' es prognostiziert
haben. In dem Fall -> Pech gehabt.
> Hat er diese Möglichkeit nicht, wird er künftig
> keine Werke mehr schaffen, da es sich für ihn einfach nicht lohnt.
> Beziehungsweise er wird das nicht mehr fulltime tun.

Ja und? Wie viele Menschen wuerden am liebsten ihr noetiges Geld auf
eine ganz andere Weise verdienen, als sie tagtaeglich tun muessen, weil
sie keine echte Wahl haben? Warum sollen die hier besprochenen 'Urheber'
irgendwelche Sonderkonditionen eingeraeumt bekommen?
>>>Konkretes Szenario: Angenommen, ich habe wirklich die tolle Idee, das
>>>Action-Puzzle-Strategie-Spiel, auf das Millionen Deutsche gewartet
>>>haben. Meine Bank findet es gut, und ich kann es für 50 Millionen EUR
>>>entwickeln. Wie soll ich das Spiel nun _konkret_ an den Mann bringen?
>> Riskante Sache. Es kann klappen oder nicht. Ich weiss nicht, warum es
>> dir damit besser gehen soll, als einen beliebigen Mittelstaendler, der
>> einen solchen (50 Mio?!? Ich glaube den rueckt die Bank so schnell nicht
>> raus) Kredit beantragt und bewilligt bekommt. Es gibt keine Garantie,
>> dass die Sache gelingt und sich der erhoffte Erfolg einstellt.
> Du lenkst mal wieder vom Thema ab. Ich ging für das Beispiel davon aus,
> dass das tatsächlich Millionen haben wollen.

Und woher kannst du das /vorher/ so genau wissen? Das ist doch genau so
eine Spekulation wie der hypothetische 'Schaden' beim freien Kopieren...
> Das Geschäftsmodelle auch mal in die Hose gehen können, weil das Produkt
> am Markt vorbei entwickelt ist, hat mit Urheberrecht nichts zu tun. Und
> für solche Produkte verlange ich auch keine gesetzliche Gewinngarantie.

Wie gesagt: Geschaeftsmodelle koennen auch in die Hose gehen, wenn sie
nur die Rahmenbedingungen missachten, innerhalb welcher sie ihr Business
betreiben wollen. Siehe -> Hufschmied. Wer sowas heute machen will,
sollte sich besser in der Naehe eines grossen Gestuets niederlassen,
anstatt in Berlin, Prenzlauer Berg, oder so. Frueher ging das ueberall.
>>>Wäre freies Kopieren erlaubt, werde ich vielleicht ein paar Dutzend
>>>Kopien los. Danach steht es in sämtlichen Tauschbörsen.
>> Mach endlich deine Augen auf! Egal ob du es erlaubst oder nicht - es
>> steht so wie so kurz danach in einschlaegigen Tauschboersen. Aber wenn
>> du einen Mittelweg anstrebst, z.B. ueber einen sehr niedrigen
>> Einstiegspreis, Ingame-Werbung und/oder Spendenbutton auf deiner
>> Website, wo der Download angeboten wird, dann wirst du wohl feststellen,
>> dass deutlich mehr Leute bereit sind, dir etwas fuer deine Leistung zu
>> geben, als es sein muessten, wenn sie es alle nur fuer lau haben
>> wollten.
> Wenn du das so sicher weißt, kannst du sicherlich Beispiele nennen. Die
> mir bekannten Beispiele, wo z.B. Künstler ihre Werke kostenlos
> verteilen, sind allesamt Leute, die nicht davon leben müssen, weil sie
> entweder bereits genug eingenommen haben, oder sowieso (noch) keine
> realistische Chance auf Viel Geld[tm] haben und erstmal nur bekannt
> werden wollen.

Ich habe dir schon ein solches Bsp genannt: Der Erfolgsautor Paulo
Coelho verteilt seine Buecher selbst ueber die Piratebay _und_ erfreut
sich seit dem massiv angestiegener Verkaeufe international. Des weiteren
war auch das hinreichend bekannte Radiohead-Projekt ganz interessant,
obwohl sich nachher rausgestellt hat, dass die es damit nicht wirklich
ernst gemeint haben (eher als Werbemasznahme). Und da zeigte sich auch
noch etwas in punkto Hemmschwelle: Ich weiss nicht, ob du versucht hast,
das dazumal von der Website zu laden - ich schon. Ich habe an dem Punkt
abgebrochen, wo ich meine Handynummer eingeben sollte. Ganz kostenlos
ging es hingegen sowieso nicht: Wer tatsaechlich nichts bezahlen wollte,
musste dennoch seine Kreditkartendaten eingeben und natuerlich einen
entsprechenden Betrag an sein Kreditkartenunternehmen dafuer abdruecken
lassen. Das war nicht wirklich elegant geloest. Ein weiteres Bsp waere
das Supporter-Projekt der 'Einstuerzenden Neubauten'[*]. Das ist eine
Avantgarde-Industrial-Band mit groesserem Bekanntheitsgrad jedoch
ausserhalb des Mainstreams. Deren Ansatz geht so: Wir sammeln das Geld
vorher ein und wenn wir soviel haben, dass wir das Album produzieren
koennen, dann machen wir es und unser Publikum kann den ganzen Prozess
online mitverfolgen. Das ist zwar nicht wirklich billig, aber ein sehr
kreativer Ansatz von einer ganz anderen Seite: adressiert genau die
Leute, die die Musik wirklich haben wollen, also richtige 'Fans' und
laeuft nun schon in der dritten Runde.

[*] http://supporter.neubauten.org/blixa_msg.php

Die ganzen Projekte auf sourceforge.net klapper ich jetzt nicht ab, um
zu schauen, wer alles nen Spenden-Button auf der Download-Page platziert
hat und nachzufragen, wie gut oder schlecht das funktioniert. Es gibt
auch da keine Garantie das es klappt oder etwas bringt: Aber die Leute
gehen wenigstens kreativ mit der neuen Situation um, anstatt wie deine
'traditionell denkenden' Industrien nur in Lobbyarbeit und Rechtskosten
zu investieren.
>> Du aber willst ja was ganz anderes: Es reicht dir nicht, nur genug Geld
>> herein zu bekommen - du willst _verhindern_, dass es Leute ueberhaupt
>> kriegen koennen, ohne dafuer zu bezahlen.
> Was ist daran jetzt abwegig?

Die Frage ist ernst gemeint? Nach all meinen Ausfuehrungen?
>>>Es _gibt_ ja Anbieter, die dir Musik zu besseren
>>>Konditionen bieten als ein Major Label mit dem Muff von tausend Jahren
>>>unter den Jackets der Vorstände. Gut, die bieten dir dann eben nicht
>>>Madonna, Stones oder Britney Spears, aber das ist dein Problem.
>> Nein das ist eher das Gegenteil von einem Problem.
>>>Und selbst, wenn es die nicht gäbe, dürftest du dir die Werke der
>>>anderen nicht einfach nehmen.
>> Wir leben in Zeiten des Internet. Musik ist hier allgegenwaertig. Du
>> kennst www.jamendo.com? Sowas ist die neue Konkurrenz.
> Dann geh doch einfach zu Jamendo, und heul nicht über die bösen Major
> Labels, die immer noch Kohle für ihre Musik wollen.

Sprichst du von mir? Mir ist die Musik der Majors doch voellig egal. Mir
geht es um die Freiheit des Informationsaustausches und wie ich die von
den Bestrebungen der MAFIA bedroht sehe. Ich will keine Kommerzfascho-
Zensur-Behoerde im Netz und kein Abmahnbusiness als sekundaere
Einnahmequelle wenn das mit dem Verkauf von Kopien nicht mehr so
funktionieren will. Ich will eine moeglichst freie Informations-
Gesellschaft und ich will das moeglichst global. Was ich gewiss nicht
will, ist ein Chinesisches Internet nach Maszgabe der Content-Mafia.
> Sollte Jamendo irgendwann mal groß genug werden, um ernsthafte
> Konkurrenz zu sein, werden die Majors sicherlich umdenken. Momentan ist
> das einfach noch nicht der Fall. Momentan heulen alle über die bösen
> bösen Majors,

Weil sie einfache Leute verfolgen (Kinder, Studenten, Hausfrauen,
Rentner, gern auch mal Tote...), teils mit fragwuerdigen Mitteln und
diese abmahnen oder verklagen, wenn sie sich sicher sind, dass der
Beschuldigte keine Gegenwehr zeigen wird (denn er ist finanziell gar
nicht in der Lage, es juristisch mit einem Konzern aufzunehmen).
> aber haben wollen sie den Kram dann doch. Dann verzichtet
> eben auf Madonna, Stones und Spears, wenn euch deren Geschäftsmänner
> nicht passen!

Ich bin der falsche Adressat fuer diese Forderung. Darum kann ich hier
vllt auch etwas freier Partei ergreifen. Die Forderung, ueberteuerte CDs
und DVDs solcher Majors nicht mehr zu kaufen, kann ich aber voll und
ganz unterstuetzen...
>> [Musik nach Ablauf gesenkter Schutzfrist frei zu tauschen]
>>>Die freie von der nicht freien Software zu trennen schaffst du doch auch.
>> Die ist aber schon von Anfang an frei zu kopieren, nicht erst nach einer
>> individuellen Schonzeit. Das waere arg kompliziert und undurchschaubar.
> OpenSolaris ist frei kopierbar. Die Vorgänger, z.B. Solaris 2.6, nicht.

Es ist aber nicht so, dass hier (wie bei deinen anderen Beispielen) ein
Automatismus eingerichtet waere, der das Kopieren des Werkes erst
untersagt und dann, nach Ablauf einer fixen Zeit freigibt. Da muss man
schon erst nachforschen und Aufwand betreiben, ob man jetzt DARF, was
man sowieso KANN. (Das ist etwas schizophren nebenbei). Und wenn du das
Prinzip jetzt auf viele Millionen Songs extrapolierst, die nach dem
Schema entweder erlaubt oder - noch - verboten sind, dann sollte die
Unsinnigkeit dieses Ansatzes offensichtlich werden.
> Was ist an "X Jahre pma" daran schwieriger? Was wäre an "X Jahre nach
> Erstveröffentlichung" daran schwieriger?

Es ist nicht praktikabel - weltweit gesehen schon gar nicht.
>> Es ist daneben bemerkenswert, wie fest du - entgegen deiner eigenen
>> Aussage - die Augen vor den Realitaeten geschlossen haeltst! Dass der
>> Bedarf an Musik im mp3-Format sich primaer darauf begruendet, dass damit
>> ein Hoechstmasz an Interoperabilitaet zwischen etlichen, teils mobilen,
>> teils stationaeren Devices moeglich wird, von denen heuer jeder mehrere
>> rumstehen hat, kommt dir gar nicht in den Sinn. Dein Tunnelblick klebt
>> stur am 'Raubkopierer', der sich nur bereichern will. Einen anderen
>> Grund kanns dafuer gar nicht geben. Das ist echt armselig.
> *Dein* Tunnelblick orientiert sich stur am Konsumenten, der immer mehr
> konsumieren will und nichts dafür ausgeben will. *Das* ist armselig.

Dir gehen wohl langsam die Argumente aus, wenn du dich schon genoetigt
siehst, meine einfach nur umzuschreiben?[*] Oder war das eine
Demonstration in Sachen freie Kopierbarkeit? ;> Aber wie auch immer - es
hat nicht geklappt, was du versucht hast. Meine Perspektive ist - wie
jeder in diesem Thread nachlesen kann, ja eher das Gegenteil von einem
'Tunnelblick': Ich will die Freiheit und Offenheit des Netzes bewahren
und spreche mich fuer den unbeschraenkten Informationsaustausch zwischen
allen und jedem aus. Ein Tunnel ohne Waende sozusagen, mit Blick in alle
Richtungen gleichzeitig...

[*] Btw das Prinzip kam mir jetzt irgendwie bekannt vor und siehe da:

"Laut Sommer argumentiert die Internetwirtschaft aber "widersprüchlich
und unseriös". Die Versuche der Internetprovider, "sich an alten
Geschäftsmodellen festzuklammern, gehen an der Realität vorbei." In
Zeiten der digitalen Distribution von Inhalten seien auch die
Infrastrukturanbieter gefordert, "gemeinsam Lösungen zu entwickeln und
die Rahmenbedingungen für einen legalen Markt zu schaffen". Der
GVU-Vertreter drehte damit einen oft gehörten Vorwurf an die
Inhalteanbieter um, das Internet und die sich damit eröffnenden
digitalen Geschäftsmöglichkeiten verschlafen zu haben und nach wie vor
nicht konsequent zu nutzen."
[http://www.heise.de/newsticker/meldung/108424]

Gleiches Prinzip oder? Duemmer gehts wohl nicht... Aber klar doch. Z.B.
mit der Forderung von 1,00 Euro pro GB Speicherplatz als neue
Urheberrechtsabgabe. Das wuerde bei einer 500 GB Festplatte eine
Preissteigerung von ~80,00 auf 580 Euro bedeuten. Yeah, so macht man
sich Freunde...
http://netzpolitik.org/2008/man-kann-es-auch-uebertreiben/
> Das Urheberrecht genau wie das Patentrecht haben aber eben auch den
> Zweck, Leute zum Schaffen von Werken zu animieren, indem sie ihnen die
> Aussicht auf Entlohnung geben. Die möchtest du ihnen nehmen.

So ein Unsinn. Vor diesen Gesetzen brauchte es auch keine solche
'Animation' - die Leute haben einfach getan, was sie tun wollten. Und es
gab ueberhaupt keine Garantie, dass sich das zeitlebens fuer sie
ausgezahlt haette. Beruehmte Maler wie van Gogh z.B. schlugen sich
bisweilen an der Armutsgrenze durchs Leben - erst als sie tot waren,
stiegen die Preise fuer ihre Werke ins exorbitante. Da haben allerdings
nur noch /andere/ etwas davon, nicht die originaeren Urheber.
>>>>>>[Softwareentwicklung klein/gross]
>>>>>Ist es wirklich unrealistisch, so was banales wie eine Entschädigung für
>>>>>den Aufwand der Erstellung des Werkes haben zu wollen?
>>>>So wie du das forderst, wahrscheinlich schon jetzt (und in Zukunft erst
>>>>recht). Natuerlich kannst du einen Deal mit irgendeinem Konzern oder
>>>>Betrieb ausmachen und fuer den eine spezielle Software entwickeln. Du
>>>>verkaufst sie ihm und er bezahlt dir den Preis den du ihm genannt hast.
>>>Okay, und was macht der Konzern nun mit der Software? Wie verkauft er
>>>sie weiter an Endkunden?
>> nice try
>> Du hast hier geflissentlich ueberlesen (wiedermal), dass der
>> grossangelegte Vertrieb von Kopien ein Auslaufmodell ist.
> In anderen Worten: die Schaffung von Werken für die große Menge ist ein
> Auslaufmodell.

Nein, nur das Vertriebsmodell ueber den Verkauf von ueberteuerten
Kopien.
> Das wolltest du doch damit sagen? Denn, zum 149sten Mal:
> wenn dem Urheber keine Entlohnung in Aussicht gestellt wird, schafft er
> auch kein Werk.

151. Das ist etwas zwischen dreister Behauptung und Luege. Schau auf
freshmeat.net oder sorceforge.net, wie viele Programmierer Werke
schaffen und sie zur freien Verfuegung stellen. Schau auf
jamendo.com, wo Musiker ihre Musik fuer lau veroeffentlichen. Es
gibt jede Menge weitere Projekte auf einer aehnlichen Grundlage,
die alle gemeinsam haben, dass hier Werke geschaffen und kostenlos
angeboten werden. Das allein straft deine dreiste Behauptung
luegen.

Und ich sagte bereits, dass es nicht nur entweder-oder geben muss,
sondern dass man auch einen Mittelweg anstreben kann. Fuer sowas muss
man jedoch etwas mehr 'open-minded' sein, als du dich hier gibst. Wenn
dein wichtigstes Anliegen ist, andere Leute davon abzuhalten, dein Werk
kostenlos zu kopieren, dann wirst du in Zeiten des Internet und
omnipraesenter IT in allen Wohnungen auf keinen gruenen Zweig kommen.
Don Quichote hatte da eine wesentlich bessere Ausgangslage. Seine
Windmuehlen waren wenigstens gegenstaendlich und ortsgebunden...
> Ausnahmen sind wie immer die, die Werke "aus Langeweile" schaffen,

Lies mal Torvalds Biografie. Der hat den ersten Linuxkernel nicht aus
Langeweile geprogt, sondern wie schon der Titel suggeriert: Just for
fun (und weil es auf einer fuer ihn praktischen Problemloesung
aufbaute). Und Leuten wie RMS das zu unterstellen, ist auch ein wenig
gewagt. Aber dein abstraktes Vorstellungsvermoegen laesst wohl nichts
anderes zu ausser: Entweder aus wirtschaftlichem Zwang oder aus
Langeweile. :-/
> weil
> sie nichts besseres zu tun haben. Da gehöre ich zugegebenermaßen auch
> dazu. Aber ich muss von meinem Planets-Client auch nicht leben.

Kein Urheber *muss* von so etwas leben. Er *kann* es versuchen. Wenns
nicht klappt, dann hat er eben Pech und *sollte* etwas anderes
versuchen. Das waer ja noch schoener wenn einer meint, sein Geld mit
Musik verdienen zu *muessen* und es funktioniert nicht, dass er dann
einen Anspruch darauf haette, davon leben zu *koennen*.
>>>>Das Kinoerlebnis laeuft quasi ausser
>>>>Konkurrenz, weil es gegenueber einer Filmkopie einen Erlebnisfaktor
>>>>bietet. Wichtig sind die Kopien, die unmittelbar nach der
>>>>Veroeffentlichung im Netz auftauchen: Man stellt sie einfach selbst zur
>>>>Verfuegung! Eine Low-Quality (fuer die dies ganz kostenlos wollen), eine
>>>>High-Quality zu einem attraktiven Preis als direkt DL ueber ein
>>>>populaeres P2P-Protokoll.
>>>Wie genau erreichst du nun, dass die High-Quality-Version mehr als eine
>>>Handvoll Downloads generiert?
>> Attraktiver Preis + geringer Aufwand == niedrige Hemmschwelle ->
>> Kundenentscheidung pro deal. Mit einer Tauschboerse ist ein gewisser
>> aufwand verbunden und es gibt keine Garantie bzgl Qualitaet und
>> Zeitpunkt, wo mir das begehrte Objekt zur Verfuegung steht. Das sind
>> Faktoren, die direkt mit der vom kommerziellen Angebot aufgestellten
>> Huerde konkurrieren.
> Du widersprichst dir selbst. "High-Quality-Version über ein populäres
> P2P-Protokoll". Ob ich nun die bittorrent.exe oder die edonkey2k.exe
> starte, ist doch vollkommen Wurst.

Du stellst hier deine eigene Kompetenz in Frage. Du bist Programmierer
und kennst nicht den Unterschied zwischen einem Protokoll und einem
Anwendungsprogramm, was selbiges unterstuetzt? Von mir aus koennen die
DLs auch direkt von deren Server laufen - das P2P-Protokoll hatte ich
nur aus oekonomischen Erwaegungen ins Spiel gebracht, um die Kosten fuer
die Bandbreite gleich mit auf die zu umzulegen, die es haben wollen.
>>>Wie verhinderst du, dass das ein Student
>>>zieht und die ganze Uni versorgt?
>> Gar nicht. Es geht um die, die kaufen, nicht um die, die nicht kaufen.
> Korrekt. Und es geht darum, die erste Gruppe möglichst groß zu
> gestalten, um den "attraktiven Preis" bieten zu können.

So rum funktioniert das hier (im Netz) nicht mehr. Hier musst du - wenn
du eine moeglichst grosse Gruppe haben willst, die es kauft, die Huerde
so niedrig wie moeglich halten. Dazu gehoert der Preis, die
'Bequemlichkeit' und die Freiheiten, die das Produkt mir laesst. Stimmt
die Mischung aus allen drei Komponenten, gibt es sicherlich keine
Absatzprobleme. Versucht man hingegen Strategien einzuflechten, die den
Preis pro Kopie moeglichst hoch halten sollen, dann erreicht man den
gegenteiligen Effekt: Die Leute wandern vom eigenen Angebot ab und
suchen sich alternative Wege.
>>>Gut, alternativ kannst du natürlich die
>>>Preise anheben. Wenn eine Lizenz für die HQ-Version 50000 EUR kostet,
>>>werden die Leute, die da ein Jahresgehalt für ausgeben, die schon aus
>>>Egoismus nicht filesharen.
>> "Du scheiss Kunde hast gefaelligst den Mist zu kaufen, den ich dir
>> vorsetze und zwar zu meinen Bedingungen und es ist mir scheiss egal, ob
>> du das auch einfacher hinkriegen kannst - ich verbiete es dir und mein
>> Wille ist Gesetz!"
>> So in etwa?
> Du hingegen willst "Du scheiß Urheber

...solltest dich vorher mit den Rahmenbedingungen vertraut machen und
vor allen nicht jedem Specht vertrauen, der dir verspricht, dir zu
massenhaft Kohle zu verhelfen. Mach etwas und wenn es gut ist, lass dir
vom Netz helfen, es zu vertreiben. Es macht dich schnell bekannt - wenn
es wirklich gut ist - und das ist der erste wichtige Schritt zum
Verdienst, in der Oekonomie des Daten-Ueberflusses.
>>>Oder kennst du z.B. einen freien WMA-Pro-Decoder? (Du brauchst mir jetzt
>>>nicht ausweichend zu erzählen, dass du kein WMA benutzt, und dass das
>>>sowieso kein Mensch brauche, da die kommerzielle Realität nun mal anders
>>>aussieht.)
>> Die kommerzielle Realitaet sieht wohl eher so aus, dass das wma dann auf
>> CD gebrannt, gerippt und mp3-codiert wird. Was genau wolltest du nochmal
>> sagen?
> Dass du von der kommerziellen Realität keine Ahnung hast?

Mag schon sein...
> Die Realität sieht so aus, dass die Kunden Geräte mit WMA-Unterstützung
> *wollen*.

Der Kunde hat ein originaeres Interesse an DRM, welches seine
Moeglichkeiten nur kuenstlich beschneidet, ja? Wen willst du hier
auf die Schippe nehmen?
> Zumindest aus diesem Grund wurde mir das ins Pflichtenheft
> diktiert.

Dieses 'Interesse' ist eher kuenstlich generiert: Der Kunde will Musik
*downloaden*, am liebsten in mp3. alles was die Industrie bereits ist,
zu geben, ist jedoch wma. Also schafft sie ein Angebot zum download von
wma und das weckt dann freilich Interesse. Aber die Argumentation, es
gaebe wma weil der *Kunde* das wuenscht, die ist einfach nur hohl. Wenn
das tatsaechlich deine Ueberzeugung ist, dann tust du mir sogar leid.
> *Mir* reicht auch MP3 und Vorbis (und MOD :-). Mag sein, dass
> du in deinem Umfeld niemanden kennst, der WMA encodet oder kauft. Aber
> offenbar gibt es solche Leute. Und ich würde auch mal behaupten, dass
> nur die wenigsten davon de.org.ccc frequentieren.

S.o. Man hat den Leuten nie die Wahl gelassen, was sie am liebsten haben
wollen, sondern man hat etwas entwickelt, was sich ausschliesslich an
den Beduerfnissen der Industrie orientiert und *so* *aussieht*, als
waere es etwas *Richtiges* (downloadbare Musik, die auf jedem Player
laeuft)
>>>Aber die Künstler gehen eben zu den großen Labels, weil die unterm
>>>Strich offenbar doch die attraktiveren Verträge bieten. Und weil die
>>>Konsumenten zu den großen Labels gehen, so dass dort einfach mehr Umsatz
>>>zu erwarten ist.
>> Du hast ne ziemlich blauaeugige Sicht der Dinge auf dieses Business. Die
>> Realitaet sieht so aus, dass sich mehr und mehr soagr namhafte Kuenstler
>> von ihren Labels trennen, nachdem ihre Vertraege *endlich* ausgelaufen
>> sind (vorher war das naemlich nicht moeglich). Die, die neu nachkommen,
>> sind fast ausnahmslos nur noch zusammengecastet, nach den Vorstellungen
>> der Trendscouts, was sich wohl am besten verkaufen koennte (also dem
>> antizipierten Massengeschmack folgend) und das wird dann auf Teufel komm
>> raus promotet.
> Und warum gehen die zusammengecasteten Bands zu den Major Labels? Weil
> sie sich von dort attraktivere Verträge versprechen. Eben die Millionen-
> Dollar-Radio-Promo.

Sie *gehen* da nicht hin - sie *kommen* daher. Argh... nimm die Tomaten
von den Augen.
> Das ist ein sch**ß Geschäftsmodell, aber offenbar funktioniert es *noch*
> gut genug.

Wenn du es wirklich scheisse findest, warum kaempfst du dann fuer dessen
Erhalt?
>>>>Oder die armen Programmierer - wer benutzt das Lizens- und
>>>>Patentrecht in exzessiver Weise, um eine Software-Monokultur
>>>>durchzudruecken?
>>>Auch dazu gehören immer zwei. Wenn alle Welt Monokultur-Software
>>>einsetzt, freut sich der Monokultur-Anbieter.
>> Warum setzen sie die ein? Hat es vllt etwas damit zu tun, dass fast
>> jeder PC mit Monokultur-Software ausgeliefert wird, die im Preis schon
>> inbegriffen ist? Und warum wird fast jeder PC mit Monokultur-Software
>> ausgeliefert, die im Preis inbegriffen schon ist? Hat es vllt etwas mit
>> der Marktmacht/-dominanz des Monokultur-Software-Herstellers zu tun, der
>> entsprechende Vertraege mit Herstellern und Einzelhandel abschliesst, um
>> seine Monokultursoftware durchzudruecken?
> Nur um mal zum Thema zurückzukommen: das hat mit Urheberrecht rein gar
> nichts zu tun.

Ach geh, wer woellte das behaupten. MS waere sicherlich auch ohne das
Copyright so aehm... finanziell unabhaengig geworden, dass es fast jedem
Vertriebspartner seine Bedingungen diktieren kann...
> Freigabe des Urheberrechts würde daran überhaupt nichts
> ändern. Microsoft würde dann aben Windows mit den Rechnern verdongeln.
> Äh, Moment, das tun sie ja bereits.

Gut, dann kann man es ja auch abschaffen und schaun was weiter passiert.
Vllt verstaerkt sowas: http://www.heise.de/newsticker/meldung/108080 ?

Dominic
no comments
diggit! del.icio.us! reddit!