Dominic Valerie Casare wrote:
> On Fri, 23 May 2008, Stefan Reuther wrote:
[Selbstverstaendlicher, transmedialer Umgang von Teenagern mit Handys]
>>>>Siehst du, und das ist genau das, was ich nicht will. Ich will keine
>>>>hirnlosen Knöpfchendrück-Konsumzombies. Unter "ein Medium beherrschen"
>>>>verstehe ich nicht, im Wizard den "Next"-Knopf solange zu drücken, bis
>>>>da "Finish" steht, sondern zumindest Grundlagen der benutzten Technik zu
>>>>kennen.
>>>
>>>Das sind - wenn auch sympathische - absolut ueberzogene Forderungen.
>>>Fuer das Bedienen deines PKWs verlangt auch keiner, dass du dich zum
>>>KFZ-Mechaniker ausbilden laesst, sondern nur, dass du mit dem
>>>'User-Interface' klarkommst. Also sprich weisst, wofuer die Pedale,
>>>Lenkrad, Schalthebel, Bedienelemente etc pp da sind und wie man sie
>>>zielgerichtet benutzt.
>>
>>Im Vergleich zum MMS'enden Teenager weiß man damit schon eine ganze
>>Menge. Man ist zum Beispiel selbstständig in der Lage, den korrekten
>>Gang
>
> das richtige Format
Du meinst, nach PDF konvertierte Scans von Ausdrucken in Word
eingebundener JPEGs? Sorry, in meinen Bekanntenkreis wissen nicht mal
die, die sich Techniker nennen, dass man Screenshots nicht als JPEG
verschickt. Deine MMS'enden Teenies erst recht nicht.
>>zu kriegen.
>>Das selbstständige Wählen des optimalen
>>Übertragungsweges für die Kontaktdaten (vcard per OBEX oder SMS?) oder
>>das Bereinigen des Geräts von versehentlich eingefangenen Hintergrund-
>>Bildern fällt den Leuten schon schwerer.
>
> Manche Leute kapitulieren vor einem schlichten Radwechsel, wissen
> womoeglich nicht einmal, wie sie an ihr Reserverad kommen...
Ich verlange von keinem Handynutzer, dass er eine Displaytransplantation
schafft.
>>>Zur 'Warezsammlung'... Ich hole mir schon seit etlichen Jahren meine
>>>'Warez' aus dem Netz. Warum auch nicht? Ist alles verfuegbar, frei
>>>offen, die Urheber selbst erlauben das nicht nur, sie bitten sogar
>>>darum, dass man es benutzt und weiter verbreitet.
>>
>>Dann sind das keine Warez.
>
> Darum die ''.
>
>>Dann kannst du damit auf der Mittelschule
>>keine Weiber aufreißen und auch nicht in #h4x0rs (oder wo auch immer)
>>damit rumprahlen.
>
> Hm... Du willst tatsaechlich ernsthaft ueber pubertaeres Verhalten die
> Relevanz von Urheberrechten diskutieren?
Nein. Ich wollte nur zeigen, wie der von dir gepriesene Umgang mit der
Technik ("selbstverstaendlicher, transmedialer Umgang von Teenagern mit
Handys") real aussieht.
[Graffity am Haus vs. Schaden durch Kopie]
>>>>>Egal, es geht hier um eine materielle Sache, auf welche in einer
>>>>>veraendernden Art eingewirkt wurde. Wenn ich ne boesartige SQL-Injection
>>>>>in die SpOn-Server einschleuse, faellt das auch darunter.
>>>>
>>>>Das Bemalen deines Hauses schränkt dessen Funktionsfähigkeit genauso-
>>>>wenig ein wie das Kopieren einer Seite vom SpOn-Server. Warum ist das
>>>>eine nun also "naturgegeben!!!!1" böse und das andere nicht?
>>>
>>>Nicht naturgegeben. Ich sagte bereits, dass mir das Haus mit Graffiti
>>>u.U. vllt sogar besser gefallen wuerde. Es ist aber so, dass hier eine
>>>objektive Wertminderung vorliegt. Wenn ich das Haus jetzt verkaufen will
>>>oder muss, dann ist es mit Graffiti weniger wert als ohne. Das genau ist
>>>der Verlusst dabei.
>>
>>Woher kommt das "objektiv"?
>
> Vom Gutachter, der den Wert des Hauses feststellt.
Wir drehen uns im Kreis. Der Gutachter stellt auch nur deswegen einen
geringeren Wert fest, weil er weiß, dass potenzielle Käufer einen
geringeren Betrag ausgeben würden, was daran liegt, dass sie per
Konvention gerne ein einfarbig pastellfarbenes Haus hätten.
>>Das Gesetz
>>wurde zwar konkretisiert (z.B. Proxy-Privileg), aber im großen und
>>ganzen was SpOn betreffende Regeln angeht nicht verändert.
>
> Du /willst/ mich nicht verstehen oder? Diese Regelungen _passen_
> _nicht_ _so_ _richtig_ auf das Internet, weil die Grundlage des
> Internets der freie Austausch an Daten resp. digitaler Information ist.
>
> Das Internet ist neu. Die Gesetze sind alt. Was muss sich aendern - das
> Internet oder die medienrelevanten Gesetze?
Die Gesetze müssen sich durchaus weiter ändern; die komplette Freigabe
digitaler Informationen halte ich jedoch aus den schon lang und breit
ausgeführten Gründen nicht für wünschenswert.
>>>>Ich halte es auch weiterhin für essenziell, dem Urheber die Möglichkeit
>>>>zu geben, die Entstehungskosten seines Werkes entsprechend umzulegen.
>>>
>>>Es gibt keinen instantanen Anspruch auf Entlohnung einer Leistung, die
>>>man freiwillig erbracht hat. Man sollte vorher ueberlegen, wie man aus
>>>einer Idee eventuell Profit schlagen kann. Sich dabei aber einzig auf
>>>die Kooperation des Rechtsapparates zu verlassen (weil es ansonsten gar
>>>nicht richtig funktionieren will), ist etwas billig.
>>
>>Du implizierst ständig, dass jeder Urheber sein Werk aus lauter
>>Langeweile schafft, und dann erwartet, dass die Menschheit ihm
>>gefälligst zu Füßen liegen und ihm das Ding abzukaufen habe.
>
> Nein. Ich impliziere, dass der Urheber keinen Anspruch darauf hat, sich
> jede Schei**e vergolden zu lassen. Andere Gewerbe muessen sich auch an
> den Beduerfnissen und Gegebenheiten des Marktes orientieren, den sie
> bedienen wollen. Misachten sie diese, wird es nichts mit dem Business
> und sie gehen inso.
Wie sie sich an den Bedürfnissen des Marktes bedienen, schrieb ich im
folgenden Absatz.
>>Und natürlich gibt es auch die Urheber, die einfach aus Langeweile ein
>>Werk schaffen, das instant so beliebt wird, dass es jeder haben möchte.
>>Warum sollen die, die einem Großteil der Bevölkerung z.B. Unterhaltung
>>und Freude verschafft haben, genau deswegen leer ausgehen, weil sie es
>>freiwillig getan haben?
>
> Sollen sie nicht? Wenn sie es richtig anstellen, gehen sie gewiss nicht
> leer aus.
Zum 148sten Mal: wie sollen sie es "richtig anstellen"?
>>>Du meinst also hier einen Anspruch darauf zu haben, mit Software Geld
>>>verdienen zu koennen. Das ist per se nicht so. Dazu gehoert zumindest,
>>>dass es dafuer auch einen Markt gibt, der bereit ist, diese Software zu
>>>kaufen. Wenn es den Markt nicht gibt - oder nicht in der Groesse, dass
>>>man davon leben koennte - dann ist es mit deinem Anspruch auch nicht
>>>getan. Hast du hingegen ne richtig tolle Idee, die alle haben wollen,
>>>dann kannst du die gern anbieten und wirst vllt sogar davon leben
>>>koennen.
>>
>>Erkläre doch mal bitte *endlich*, wie *konkret* ich davon leben soll.
>
> Ist das ein Freistellungsantrag aus der kapitalistischen Marktordnung?
> Fuer dich gilt das selbe wie fuer jeden anderen !Politiker im Lande:
> Klappt es nicht mit deinem Business, steht dir nur ein Anspruch auf
> Grundsicherung zu. Davon wirst du leben koennen. Wie das geht, hat ja
> kuerzlich erst einer 'vorgerechnet'... Mehr kannst du nicht erwarten.
Okay, du bist also ernsthaft der Meinung, dass die Schaffenden
bitteschön weiterhin ihre Werke schaffen sollen (weil die Gesellschaft
sie ja haben will), und dann von Grundsicherung leben sollen?
Niemand verlangt, dass ein Urheber einen Anspruch darauf haben soll,
dass ihm jemand sein Werk abnimmt. Aber wenn es ihm jemand abnehmen
will, benötigt der Urheber eine Möglichkeit, sich dafür sinnvoll
bezahlen zu lassen. Hat er diese Möglichkeit nicht, wird er künftig
keine Werke mehr schaffen, da es sich für ihn einfach nicht lohnt.
Beziehungsweise er wird das nicht mehr fulltime tun.
>>Konkretes Szenario: Angenommen, ich habe wirklich die tolle Idee, das
>>Action-Puzzle-Strategie-Spiel, auf das Millionen Deutsche gewartet
>>haben. Meine Bank findet es gut, und ich kann es für 50 Millionen EUR
>>entwickeln. Wie soll ich das Spiel nun _konkret_ an den Mann bringen?
>
> Riskante Sache. Es kann klappen oder nicht. Ich weiss nicht, warum es
> dir damit besser gehen soll, als einen beliebigen Mittelstaendler, der
> einen solchen (50 Mio?!? Ich glaube den rueckt die Bank so schnell nicht
> raus) Kredit beantragt und bewilligt bekommt. Es gibt keine Garantie,
> dass die Sache gelingt und sich der erhoffte Erfolg einstellt.
Du lenkst mal wieder vom Thema ab. Ich ging für das Beispiel davon aus,
dass das tatsächlich Millionen haben wollen.
Das Geschäftsmodelle auch mal in die Hose gehen können, weil das Produkt
am Markt vorbei entwickelt ist, hat mit Urheberrecht nichts zu tun. Und
für solche Produkte verlange ich auch keine gesetzliche Gewinngarantie.
>>Wäre freies Kopieren erlaubt, werde ich vielleicht ein paar Dutzend
>>Kopien los. Danach steht es in sämtlichen Tauschbörsen.
>
> Mach endlich deine Augen auf! Egal ob du es erlaubst oder nicht - es
> steht so wie so kurz danach in einschlaegigen Tauschboersen. Aber wenn
> du einen Mittelweg anstrebst, z.B. ueber einen sehr niedrigen
> Einstiegspreis, Ingame-Werbung und/oder Spendenbutton auf deiner
> Website, wo der Download angeboten wird, dann wirst du wohl feststellen,
> dass deutlich mehr Leute bereit sind, dir etwas fuer deine Leistung zu
> geben, als es sein muessten, wenn sie es alle nur fuer lau haben
> wollten.
Wenn du das so sicher weißt, kannst du sicherlich Beispiele nennen. Die
mir bekannten Beispiele, wo z.B. Künstler ihre Werke kostenlos
verteilen, sind allesamt Leute, die nicht davon leben müssen, weil sie
entweder bereits genug eingenommen haben, oder sowieso (noch) keine
realistische Chance auf Viel Geld[tm] haben und erstmal nur bekannt
werden wollen.
> Du aber willst ja was ganz anderes: Es reicht dir nicht, nur genug Geld
> herein zu bekommen - du willst _verhindern_, dass es Leute ueberhaupt
> kriegen koennen, ohne dafuer zu bezahlen.
Was ist daran jetzt abwegig?
>>Es _gibt_ ja Anbieter, die dir Musik zu besseren
>>Konditionen bieten als ein Major Label mit dem Muff von tausend Jahren
>>unter den Jackets der Vorstände. Gut, die bieten dir dann eben nicht
>>Madonna, Stones oder Britney Spears, aber das ist dein Problem.
>
> Nein das ist eher das Gegenteil von einem Problem.
>
>>Und selbst, wenn es die nicht gäbe, dürftest du dir die Werke der
>>anderen nicht einfach nehmen.
>
> Wir leben in Zeiten des Internet. Musik ist hier allgegenwaertig. Du
> kennst
www.jamendo.com? Sowas ist die neue Konkurrenz.
Dann geh doch einfach zu Jamendo, und heul nicht über die bösen Major
Labels, die immer noch Kohle für ihre Musik wollen.
Sollte Jamendo irgendwann mal groß genug werden, um ernsthafte
Konkurrenz zu sein, werden die Majors sicherlich umdenken. Momentan ist
das einfach noch nicht der Fall. Momentan heulen alle über die bösen
bösen Majors, aber haben wollen sie den Kram dann doch. Dann verzichtet
eben auf Madonna, Stones und Spears, wenn euch deren Geschäftsmänner
nicht passen!
>>>Aber der Wandel, der sich bereits vollzogen hat, ist viel
>>>grundsaetzlicherer NAtur. Schau nur einmal auf die schiere /MASSE/ an
>>>mittlerweile verfuegbarer Musik! Selbst wenn es so eine Verkuerzung
>>>der Schutzfristen geben wuerde, wie willst du das effektiv
>>>voneinander trennen, also den erlaubten von dem unerlaubten Content?
>>
>>Genauso, wie man es heute auch schon tut. Auf der Platte steht i.A. der
>>Name des Künstlers; wann der gestorben ist, weiß der Publikumsjoker.
>
> Eigentlich waers schon lange Zeit fuer ne Merkbefreiung. So undeutlich
> kann ich mich gar nicht artikulieren, wie du mich hier konsequent nicht
> verstehen willst.
>
> [Musik nach Ablauf gesenkter Schutzfrist frei zu tauschen]
>
>>Die freie von der nicht freien Software zu trennen schaffst du doch auch.
>
> Die ist aber schon von Anfang an frei zu kopieren, nicht erst nach einer
> individuellen Schonzeit. Das waere arg kompliziert und undurchschaubar.
OpenSolaris ist frei kopierbar. Die Vorgänger, z.B. Solaris 2.6, nicht.
Ghostscript war zeitweilig in der jeweils neusten Version non-free (nach
GNU-Definition), erst später GPL.
Der Quake-Quellcode ist frei. Das DOS-Compilat nebst Datendateien nicht.
Was ist an "X Jahre pma" daran schwieriger? Was wäre an "X Jahre nach
Erstveröffentlichung" daran schwieriger?
> Es ist daneben bemerkenswert, wie fest du - entgegen deiner eigenen
> Aussage - die Augen vor den Realitaeten geschlossen haeltst! Dass der
> Bedarf an Musik im mp3-Format sich primaer darauf begruendet, dass damit
> ein Hoechstmasz an Interoperabilitaet zwischen etlichen, teils mobilen,
> teils stationaeren Devices moeglich wird, von denen heuer jeder mehrere
> rumstehen hat, kommt dir gar nicht in den Sinn. Dein Tunnelblick klebt
> stur am 'Raubkopierer', der sich nur bereichern will. Einen anderen
> Grund kanns dafuer gar nicht geben. Das ist echt armselig.
*Dein* Tunnelblick orientiert sich stur am Konsumenten, der immer mehr
konsumieren will und nichts dafür ausgeben will. *Das* ist armselig.
Das Urheberrecht genau wie das Patentrecht haben aber eben auch den
Zweck, Leute zum Schaffen von Werken zu animieren, indem sie ihnen die
Aussicht auf Entlohnung geben. Die möchtest du ihnen nehmen.
>>>>Und, mal ehrlich, 99%% der Napsternutzung war: Suchfunktion, anklicken,
>>>>saugen - egal von welchem Anbieter.
>>>
>>>Bei Napster konnte man afair mit demjenigen, mit dem man gerade
>>>verbunden war, einen Chat eroeffnen.
>>
>>Das ist mir klar, nur: wer hat das tatsächlich getan?
>
> Ich kenne wahrscheinlich nicht annaehernd soviele ehemalige
> Napster-User, wie du? Oder anders: Auf welcher Grundlage steht deine
> Behauptung bzgl. des Verhaltens der meissten Napster-User?
Ich kenne eine Handvoll, und die haben eben ausschließlich die
Suchfunktion genutzt. Wozu auch Chatten, man will schließlich die Mucke,
und zwar schnell.
>>>>>[Softwareentwicklung klein/gross]
>>>>
>>>>Ist es wirklich unrealistisch, so was banales wie eine Entschädigung für
>>>>den Aufwand der Erstellung des Werkes haben zu wollen?
>>>
>>>So wie du das forderst, wahrscheinlich schon jetzt (und in Zukunft erst
>>>recht). Natuerlich kannst du einen Deal mit irgendeinem Konzern oder
>>>Betrieb ausmachen und fuer den eine spezielle Software entwickeln. Du
>>>verkaufst sie ihm und er bezahlt dir den Preis den du ihm genannt hast.
>>
>>Okay, und was macht der Konzern nun mit der Software? Wie verkauft er
>>sie weiter an Endkunden?
>
> nice try
>
> Du hast hier geflissentlich ueberlesen (wiedermal), dass der
> grossangelegte Vertrieb von Kopien ein Auslaufmodell ist.
In anderen Worten: die Schaffung von Werken für die große Menge ist ein
Auslaufmodell. Das wolltest du doch damit sagen? Denn, zum 149sten Mal:
wenn dem Urheber keine Entlohnung in Aussicht gestellt wird, schafft er
auch kein Werk.
Ausnahmen sind wie immer die, die Werke "aus Langeweile" schaffen, weil
sie nichts besseres zu tun haben. Da gehöre ich zugegebenermaßen auch
dazu. Aber ich muss von meinem Planets-Client auch nicht leben. Und es
gibt nun mal ganz realistisch betrachtet Werk-Formen, die kein Hobbyist
schafft. Der tagesaktuelle journalistische Bericht aus Thailand wäre
eine. Ein Actionfilm eine andere.
>>>Das Kinoerlebnis laeuft quasi ausser
>>>Konkurrenz, weil es gegenueber einer Filmkopie einen Erlebnisfaktor
>>>bietet. Wichtig sind die Kopien, die unmittelbar nach der
>>>Veroeffentlichung im Netz auftauchen: Man stellt sie einfach selbst zur
>>>Verfuegung! Eine Low-Quality (fuer die dies ganz kostenlos wollen), eine
>>>High-Quality zu einem attraktiven Preis als direkt DL ueber ein
>>>populaeres P2P-Protokoll.
>>
>>Wie genau erreichst du nun, dass die High-Quality-Version mehr als eine
>>Handvoll Downloads generiert?
>
> Attraktiver Preis + geringer Aufwand == niedrige Hemmschwelle ->
> Kundenentscheidung pro deal. Mit einer Tauschboerse ist ein gewisser
> aufwand verbunden und es gibt keine Garantie bzgl Qualitaet und
> Zeitpunkt, wo mir das begehrte Objekt zur Verfuegung steht. Das sind
> Faktoren, die direkt mit der vom kommerziellen Angebot aufgestellten
> Huerde konkurrieren.
Du widersprichst dir selbst. "High-Quality-Version über ein populäres
P2P-Protokoll". Ob ich nun die bittorrent.exe oder die edonkey2k.exe
starte, ist doch vollkommen Wurst. Und zur Sicherung der Qualität:
Hashes existieren. Ich habe seit Jahren keinen P2P-Client benutzt, aber
meines Wissens funktionieren die inzwischen über Hashes. Wenn ich einen
Esel-Link aus vertrauenswürdiger Quelle hab, wird die Datei dahinter
wohl das Gewünschte enthalten.
>>Wie verhinderst du, dass das ein Student
>>zieht und die ganze Uni versorgt?
>
> Gar nicht. Es geht um die, die kaufen, nicht um die, die nicht kaufen.
Korrekt. Und es geht darum, die erste Gruppe möglichst groß zu
gestalten, um den "attraktiven Preis" bieten zu können.
>>Gut, alternativ kannst du natürlich die
>>Preise anheben. Wenn eine Lizenz für die HQ-Version 50000 EUR kostet,
>>werden die Leute, die da ein Jahresgehalt für ausgeben, die schon aus
>>Egoismus nicht filesharen.
>
> "Du scheiss Kunde hast gefaelligst den Mist zu kaufen, den ich dir
> vorsetze und zwar zu meinen Bedingungen und es ist mir scheiss egal, ob
> du das auch einfacher hinkriegen kannst - ich verbiete es dir und mein
> Wille ist Gesetz!"
>
> So in etwa?
Du hingegen willst "Du scheiß Urheber hast gefälligst dein Werk
rauszurücken, und zwar zu meinen Bedingungen, und es ist mir scheiß
egal, ob du damit deinen Aufwand gedeckt bekommst oder nicht."
Der Sinn eines Gesetzes ist es, den Mittelwert zwischen beiden Extremen
zu finden. Und ich will lieber eine Welt, in der die Gesetze dem Urheber
erlauben, legale Schranken aufzustellen, an die man sich dann zu 95%%
hält, als eine, in der es keine legalen Schranken gibt, so dass der
Urheber dann eben zu technischen Schranken greift (aka DRM), die auch
"fair use" vermasseln.
>>>>Dafür
>>>>soll er doch bitteschön wenigstens den Leuten, aus dessen Arbeitskraft
>>>>sein Gewinn erwächst, ihre Bedingungen (aka Lizenz) erfüllen. Im Fall
>>>>der GNU GPL eben Freigabe der modifizierten Quellen, "damit auch seine
>>>>Arbeit die Menschheit weiterbringt".
>>>
>>>Wie hat er denn an der Software gearbeitet? Ich denke, er hat sie nur
>>>fuer sein Geraet benutzt? Aber ist schon recht, die Quellen muss er
>>>offen halten falls die einer sehen will. Aber das ist nun wirklich kein
>>>besonders grosser Aufwand nicht?
>>
>>Für traditionell denkende Firmen schon.
> ^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^
> Umdenken?
Real existierende Wirtschaft? Die baust du nun mal nicht von heut auf
morgen *komplett* um. Wenn man mal von der ungeklärten Frage absieht, ob
das überhaupt wünschenswert ist.
>>Oder kennst du z.B. einen freien WMA-Pro-Decoder? (Du brauchst mir jetzt
>>nicht ausweichend zu erzählen, dass du kein WMA benutzt, und dass das
>>sowieso kein Mensch brauche, da die kommerzielle Realität nun mal anders
>>aussieht.)
>
> Die kommerzielle Realitaet sieht wohl eher so aus, dass das wma dann auf
> CD gebrannt, gerippt und mp3-codiert wird. Was genau wolltest du nochmal
> sagen?
Dass du von der kommerziellen Realität keine Ahnung hast?
Die Realität sieht so aus, dass die Kunden Geräte mit WMA-Unterstützung
*wollen*. Zumindest aus diesem Grund wurde mir das ins Pflichtenheft
diktiert. *Mir* reicht auch MP3 und Vorbis (und MOD :-). Mag sein, dass
du in deinem Umfeld niemanden kennst, der WMA encodet oder kauft. Aber
offenbar gibt es solche Leute. Und ich würde auch mal behaupten, dass
nur die wenigsten davon
de.org.ccc frequentieren.
>>Aber die Künstler gehen eben zu den großen Labels, weil die unterm
>>Strich offenbar doch die attraktiveren Verträge bieten. Und weil die
>>Konsumenten zu den großen Labels gehen, so dass dort einfach mehr Umsatz
>>zu erwarten ist.
>
> Du hast ne ziemlich blauaeugige Sicht der Dinge auf dieses Business. Die
> Realitaet sieht so aus, dass sich mehr und mehr soagr namhafte Kuenstler
> von ihren Labels trennen, nachdem ihre Vertraege *endlich* ausgelaufen
> sind (vorher war das naemlich nicht moeglich). Die, die neu nachkommen,
> sind fast ausnahmslos nur noch zusammengecastet, nach den Vorstellungen
> der Trendscouts, was sich wohl am besten verkaufen koennte (also dem
> antizipierten Massengeschmack folgend) und das wird dann auf Teufel komm
> raus promotet.
Und warum gehen die zusammengecasteten Bands zu den Major Labels? Weil
sie sich von dort attraktivere Verträge versprechen. Eben die Millionen-
Dollar-Radio-Promo.
Das ist ein sch**ß Geschäftsmodell, aber offenbar funktioniert es *noch*
gut genug.
>>>Oder die armen Programmierer - wer benutzt das Lizens- und
>>>Patentrecht in exzessiver Weise, um eine Software-Monokultur
>>>durchzudruecken?
>>
>>Auch dazu gehören immer zwei. Wenn alle Welt Monokultur-Software
>>einsetzt, freut sich der Monokultur-Anbieter.
>
> Warum setzen sie die ein? Hat es vllt etwas damit zu tun, dass fast
> jeder PC mit Monokultur-Software ausgeliefert wird, die im Preis schon
> inbegriffen ist? Und warum wird fast jeder PC mit Monokultur-Software
> ausgeliefert, die im Preis inbegriffen schon ist? Hat es vllt etwas mit
> der Marktmacht/-dominanz des Monokultur-Software-Herstellers zu tun, der
> entsprechende Vertraege mit Herstellern und Einzelhandel abschliesst, um
> seine Monokultursoftware durchzudruecken?
Nur um mal zum Thema zurückzukommen: das hat mit Urheberrecht rein gar
nichts zu tun. Freigabe des Urheberrechts würde daran überhaupt nichts
ändern. Microsoft würde dann aben Windows mit den Rechnern verdongeln.
Äh, Moment, das tun sie ja bereits.
Stefan