Re: Artikel aus Spiegel 20-2008: Wir sind die Guten
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Re: Artikel aus Spiegel 20-2008: Wir sind die Guten         

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Author: Dominic Valerie Casare
Date: May 25, 2008 07:07

On Fri, 23 May 2008, Stefan Reuther wrote:
> Dominic Valerie Casare wrote:
>> On Tue, 20 May 2008, Stefan Reuther wrote:
> [Digitale Alphabetisierung]
>> Wir kommen so nie zueinander: Ich betrachte etwas _Prinzipielles_ und du
>> machst es von einem _speziellen_ Kriterium abhaengig. Ob Kopieren
>> 'hirnlos' oder nicht stattfindet, ist dabei absolut unerheblich, wenn es
>> darum geht, ob nahezu ausschliesslich jeder jederzeit die Moeglichkeit
>> dazu hat.
> Richtig. Ich verlange aber nicht vom Gesetzgeber, die hirnlose Version
> unbedingt freizugeben.

Nein, nur eine immer weiter ins skurrile ausartende Verkomplizierung
eines mitlerweile von der Zeit ueberholten Regelwerkes.
> Ich verlange vom Gesetzgeber, ein gesundes Mittelmaß zu finden.
> Das existierende Urheberrecht ist nicht optimal,

Es ist vor allem nicht mehr zeitgemaess. Man sollte es komplett neu
formulieren, statt noch X 'Koerbe' darum zu stricken und dabei
allerdings wirklich die Realitaeten im Blick behalten; nicht nur die
schwarzen Koffer der Lobbyisten.
>>>>[Selbstverstaendlicher, transmedialer Umgang von Teenagern mit Handys]
>>>>Wenn alles 'von alleine' geht, braucht es das Hintergrundwissen nicht
>>>>zwangslaeufig.
>>>Siehst du, und das ist genau das, was ich nicht will. Ich will keine
>>>hirnlosen Knöpfchendrück-Konsumzombies. Unter "ein Medium beherrschen"
>>>verstehe ich nicht, im Wizard den "Next"-Knopf solange zu drücken, bis
>>>da "Finish" steht, sondern zumindest Grundlagen der benutzten Technik zu
>>>kennen.
>> Das sind - wenn auch sympathische - absolut ueberzogene Forderungen.
>> Fuer das Bedienen deines PKWs verlangt auch keiner, dass du dich zum
>> KFZ-Mechaniker ausbilden laesst, sondern nur, dass du mit dem
>> 'User-Interface' klarkommst. Also sprich weisst, wofuer die Pedale,
>> Lenkrad, Schalthebel, Bedienelemente etc pp da sind und wie man sie
>> zielgerichtet benutzt.
> Im Vergleich zum MMS'enden Teenager weiß man damit schon eine ganze
> Menge. Man ist zum Beispiel selbstständig in der Lage, den korrekten
> Gang

das richtige Format
> zu wählen, oder nach einem Matschguss vom LKW nebenan die Scheibe
> wieder frei

unverlangt zugestellten Spam aussortiert/geloescht
> zu kriegen.
> Das selbstständige Wählen des optimalen
> Übertragungsweges für die Kontaktdaten (vcard per OBEX oder SMS?) oder
> das Bereinigen des Geräts von versehentlich eingefangenen Hintergrund-
> Bildern fällt den Leuten schon schwerer.

Manche Leute kapitulieren vor einem schlichten Radwechsel, wissen
womoeglich nicht einmal, wie sie an ihr Reserverad kommen...
>>>Dabei will ich nicht, dass mir jemand die Unterschiede der Modulations-
>>>Verfahren von Bluetooth und UMTS runterbeten kann. "Blauzahn ist
>>>Point-to-Point und daher immer gratis, UMTS geht durch das
>>>Mobilfunknetz" würde schon reichen.
>> S.o. ich glaube sogar, es ist von industrieller Seite eher so gewollt,
>> dass die Leute nicht wirklich verstehen, was sie da benutzen.
> Das ist wahr, aber nicht gut.
>
> Und hat mit Urheberrecht nix zu tun.

Indirekt schon, da das 'hirnlose Kopieren' ja genau dieser Vorgabe
folgt, resp. diese 'hirnlose Kultur' gerade dadurch erst herangezoegn
wird. Wuerden alle Kinder in der Schule mit Linux aufwachsen und lernen,
wozu ein Compiler da ist und wie man ihn benutzt, saehe das sicherlich
anders aus. Da waere wohl auch die mentale Verbindung zum Code (und der
Arbeit die darin steckt) eher gegeben, als wenn man unter 'Software'
immer nur einen Haufen Binarys versteht, der entweder 'funzt oder net'.
>> Zur 'Warezsammlung'... Ich hole mir schon seit etlichen Jahren meine
>> 'Warez' aus dem Netz. Warum auch nicht? Ist alles verfuegbar, frei
>> offen, die Urheber selbst erlauben das nicht nur, sie bitten sogar
>> darum, dass man es benutzt und weiter verbreitet.
> Dann sind das keine Warez.

Darum die ''.
> Dann kannst du damit auf der Mittelschule
> keine Weiber aufreißen und auch nicht in #h4x0rs (oder wo auch immer)
> damit rumprahlen.

Hm... Du willst tatsaechlich ernsthaft ueber pubertaeres Verhalten die
Relevanz von Urheberrechten diskutieren? Lass ihn doch sammeln und
prahlen - Kinder haben eine gewisse Narrenfreiheit was das betrifft.
Eine Kriminalisierung der Schulhoefe waere wohl nicht zu begruessen.
> Der Warez-Kopierer macht das aus der gleichen Motivation wie der Sprayer
> sein Tag überall hinterlässt. Das ist zwar inzwischen auch normal, aber
> nichts, das ich unterstützenswert finde.

Weiss nicht, was den tatsaechlich antreibt. Ich halte es jedoch nicht
fuer so bedeutsam, dass man deshalb dagegen ins Feld ziehen muesste. Wie
gesagt, letztlich ist es doch nichts anderes als das Kopieren von
Software, was hier geschieht und praktiziert wird. Software und Kopieren
liegt so nahe beieinander, dass allein schon der Versuch, das eine vom
anderen zu trennen, im Ansatz zum Scheitern verurteilt sein muss. Oder
anders ausgedrueckt: Wenn man es tatsaechlich schafft, dann ist die
Software unbrauchbar. Wo ist der Sinn?
>> [Graffity am Haus vs. Schaden durch Kopie]
>>>>Egal, es geht hier um eine materielle Sache, auf welche in einer
>>>>veraendernden Art eingewirkt wurde. Wenn ich ne boesartige SQL-Injection
>>>>in die SpOn-Server einschleuse, faellt das auch darunter.
>>>Das Bemalen deines Hauses schränkt dessen Funktionsfähigkeit genauso-
>>>wenig ein wie das Kopieren einer Seite vom SpOn-Server. Warum ist das
>>>eine nun also "naturgegeben!!!!1" böse und das andere nicht?
>> Nicht naturgegeben. Ich sagte bereits, dass mir das Haus mit Graffiti
>> u.U. vllt sogar besser gefallen wuerde. Es ist aber so, dass hier eine
>> objektive Wertminderung vorliegt. Wenn ich das Haus jetzt verkaufen will
>> oder muss, dann ist es mit Graffiti weniger wert als ohne. Das genau ist
>> der Verlusst dabei.
> Woher kommt das "objektiv"?

Vom Gutachter, der den Wert des Hauses feststellt.
> Gibt es eine Einschränkung in den
> Nutzungsmöglichkeiten? Oder hat es sich nur per Konvention etabliert,
> dass ein Haus eben möglichst einfarbig weiß-gelb-grau zu sein hat?

Hm, meins ist blau. (kein Witz) Der Grund ist wohl schlicht, dass ein
Graffiti unter 'Beschmutzung' faellt, da es von der Mehrheit eher als
stoerend wahrgenommen wird. Aber nicht, weil es irgendwo gesetzlich
verankert waere (siehe wiedermal-> Normative Kraft des Faktischen).
> (Hier hat mal eine Baufirma ein paar Haussegmente knallrot #ff0000
> bemalt. Nach Protesten der Nachbarn musste es dann umgestrichen werden.
> Jetzt sind die Haussegmente schweinchenrosa #ffcccc und hellgrau #e0e0e0.)

Du sprichst aber nicht von Haeusern in Second Life oder? *fragjanur*
>>>> Also muss sich die Industrie veraendern.
>>>Und zwar wie? Insbesondere wenn wir über Urheberrecht im Allgemeinen
>>>reden, und nicht nur über Musik-CDs? Soll der Zeitungsredakteur zum
>>>Gelderwerb seine Artikel live lesen? ("heute 20 Uhr im Großen Saal: Kai
>>>Diekmann liest die besten Wetterberichte der letzten 15 Jahre")
>> :-)) Die Vorstellung hat was. Aber gut: Zum Feld der Musik (und Film)
>> haette ich schon konkrete Vorschlaege. Da du aber wohl eher im
>> journalistischen Bereich interessiert bist, muss ich erstmal
>> feststellen, dass eine Zeitung ein klassisches _Printmedium_ ist. Das
>> Internet ein ein neuartiges Medium bzw eine Plattform. Wenn sich die
>> Redaktion entscheidet, diese Plattform in ihr Angebot mit einzubeziehen,
>> dann muss sie sich auch mit dessen Gegebenheiten abfinden resp.
>> arrangieren.
> Nur zur Erinnerung: die Paragraphen, die verbieten, Material von der
> SpOn-Seite selbst weiter zu verbreiten, gab es auch schon quasi
> unverändert als der Spiegel noch ein reines Printmedium war.

Nur zur Erinnerung: Das Internet gab es damals noch nicht.
> Das Gesetz
> wurde zwar konkretisiert (z.B. Proxy-Privileg), aber im großen und
> ganzen was SpOn betreffende Regeln angeht nicht verändert.

Du /willst/ mich nicht verstehen oder? Diese Regelungen _passen_
_nicht_ _so_ _richtig_ auf das Internet, weil die Grundlage des
Internets der freie Austausch an Daten resp. digitaler Information ist.

Das Internet ist neu. Die Gesetze sind alt. Was muss sich aendern - das
Internet oder die medienrelevanten Gesetze?
>> Also mal bitte nicht auf die Traenendruese druecken von Wegen: Wir
>> muessen jetzt im Internet um unser digitales Ueberleben kaempfen.
>> Das gilt nicht. Sie sind herzlich eingeladen, im Netz mitzuspielen -
>> aber bitte zu den Konditionen des Netzes, nicht umgekehrt.
> Wo gibt es den RFC, der vorschreibt, dass freie Kopierbarkeit eine
> Kondition des Netzes ist, auch und erst recht, wenn das im Gegensatz zu
> geltendem Recht steht?

Es gaebe /keinen/ /einzigen/ RFC, wenn dem nicht so waere. Diese Form
der konsensualen Etablierung digitaler Normen ist geradezu ein
Paradebeispiel fuer das von mir mehrfach reklamierte 'Digitale
Selbstverstaendnis' im aufkeimenden Informationszeitalter. Demgegenueber
steht der von dir praeferierte Top-Down-Ansatz der Gesetzgebung: "Wir
entwerfen ein Regelwerk und zwingen es der Gemeinschaft auf - egal ob
es passt oder ob die, die es betrifft, mitziehen wollen oder nicht."
>> Wo waeren wir denn heute, wenn die kommerziellen Ansprueche schon
>> zu Beginn des Internet da gewesen waeren? Wie haette sich das
>> ganze entwickeln koennen sollen, wenn an jeder Ecke irgendeiner
>> die Hand aufhaelt von wegen Copyright und Urheberrechtsabgabe?
>> Wie wuerde es dir gefallen, wenn fuer jeden http-request ein
>> kleiner Betrag von deinem Konto abgezogen wuerde?
> Auf Netzwerkequipment sind durchaus Patente drauf.

Knapp daneben ist auch vorbei.
> Die bekommst du nur als Endkunde eher selten zu sehen.

Aha. B2B ist wohl doch etwas anderes als B2P oder gar P2P?
> Und auch auf diverse Arten
> http-request gibt es Patente (ich sage nur "Amazon 1-click").

Das ist eine /Methode/ afaik, kein Protokoll und ob sowas hierzulande
ueberhaupt patentierbar ist, darf be2felt werden. Aber gutes Bsp fuer
die Art, wie man es /nicht/ machen sollte.
>>>Ich halte es auch weiterhin für essenziell, dem Urheber die Möglichkeit
>>>zu geben, die Entstehungskosten seines Werkes entsprechend umzulegen.
>> Es gibt keinen instantanen Anspruch auf Entlohnung einer Leistung, die
>> man freiwillig erbracht hat. Man sollte vorher ueberlegen, wie man aus
>> einer Idee eventuell Profit schlagen kann. Sich dabei aber einzig auf
>> die Kooperation des Rechtsapparates zu verlassen (weil es ansonsten gar
>> nicht richtig funktionieren will), ist etwas billig.
> Du implizierst ständig, dass jeder Urheber sein Werk aus lauter
> Langeweile schafft, und dann erwartet, dass die Menschheit ihm
> gefälligst zu Füßen liegen und ihm das Ding abzukaufen habe.

Nein. Ich impliziere, dass der Urheber keinen Anspruch darauf hat, sich
jede Schei**e vergolden zu lassen. Andere Gewerbe muessen sich auch an
den Beduerfnissen und Gegebenheiten des Marktes orientieren, den sie
bedienen wollen. Misachten sie diese, wird es nichts mit dem Business
und sie gehen inso.
> Klar, solche Leute gibt's, aber in den meisten Fällen steht heutzutage
> am Anfang die Analyse dessen, was der Markt haben will ("die Leute
> wollen heutzutage Autorennspiele", "die Leute wollen Berichte aus
> Hollywood"). Und dieses Marktbedürfnis wird dann erfüllt. Genauso, wie
> andere Teilnehmer anderer Märkte das Bedürfnis nach Doppelbrötchen,
> Energiesparlampen und Radioweckern erfüllen.

Dann sollte es auch keinen Grund zur Klage geben. Oder hast du hier noch
ein nicht ganz unwesentliches Detail unterschlagen?
> Und natürlich gibt es auch die Urheber, die einfach aus Langeweile ein
> Werk schaffen, das instant so beliebt wird, dass es jeder haben möchte.
> Warum sollen die, die einem Großteil der Bevölkerung z.B. Unterhaltung
> und Freude verschafft haben, genau deswegen leer ausgehen, weil sie es
> freiwillig getan haben?

Sollen sie nicht? Wenn sie es richtig anstellen, gehen sie gewiss nicht
leer aus. Wenn sie jedoch den Anspruch erheben, fuer minimalsten Aufwand
maximalen Profit herausschlagen zu koennen, wobei es fuer jeden anderen
ebenso nur ein minimaler Aufwand ist, das Produkt kostenlos zu erhalten,
dann werden sich wohl entsprechend viele dafuer entscheiden, die
kostenlose Variante zu waehlen. Die Broetchen muss man schon irgendwie
dringender haben, als ein Rennspiel, wenn Geld nicht unbegrenzt zur
Verfuegung steht.
>> Du meinst also hier einen Anspruch darauf zu haben, mit Software Geld
>> verdienen zu koennen. Das ist per se nicht so. Dazu gehoert zumindest,
>> dass es dafuer auch einen Markt gibt, der bereit ist, diese Software zu
>> kaufen. Wenn es den Markt nicht gibt - oder nicht in der Groesse, dass
>> man davon leben koennte - dann ist es mit deinem Anspruch auch nicht
>> getan. Hast du hingegen ne richtig tolle Idee, die alle haben wollen,
>> dann kannst du die gern anbieten und wirst vllt sogar davon leben
>> koennen.
> Erkläre doch mal bitte *endlich*, wie *konkret* ich davon leben soll.

Ist das ein Freistellungsantrag aus der kapitalistischen Marktordnung?
Fuer dich gilt das selbe wie fuer jeden anderen !Politiker im Lande:
Klappt es nicht mit deinem Business, steht dir nur ein Anspruch auf
Grundsicherung zu. Davon wirst du leben koennen. Wie das geht, hat ja
kuerzlich erst einer 'vorgerechnet'... Mehr kannst du nicht erwarten.
> Konkretes Szenario: Angenommen, ich habe wirklich die tolle Idee, das
> Action-Puzzle-Strategie-Spiel, auf das Millionen Deutsche gewartet
> haben. Meine Bank findet es gut, und ich kann es für 50 Millionen EUR
> entwickeln. Wie soll ich das Spiel nun _konkret_ an den Mann bringen?

Riskante Sache. Es kann klappen oder nicht. Ich weiss nicht, warum es
dir damit besser gehen soll, als einen beliebigen Mittelstaendler, der
einen solchen (50 Mio?!? Ich glaube den rueckt die Bank so schnell nicht
raus) Kredit beantragt und bewilligt bekommt. Es gibt keine Garantie,
dass die Sache gelingt und sich der erhoffte Erfolg einstellt.
> Wäre freies Kopieren erlaubt, werde ich vielleicht ein paar Dutzend
> Kopien los. Danach steht es in sämtlichen Tauschbörsen.

Mach endlich deine Augen auf! Egal ob du es erlaubst oder nicht - es
steht so wie so kurz danach in einschlaegigen Tauschboersen. Aber wenn
du einen Mittelweg anstrebst, z.B. ueber einen sehr niedrigen
Einstiegspreis, Ingame-Werbung und/oder Spendenbutton auf deiner
Website, wo der Download angeboten wird, dann wirst du wohl feststellen,
dass deutlich mehr Leute bereit sind, dir etwas fuer deine Leistung zu
geben, als es sein muessten, wenn sie es alle nur fuer lau haben
wollten.

Du aber willst ja was ganz anderes: Es reicht dir nicht, nur genug Geld
herein zu bekommen - du willst _verhindern_, dass es Leute ueberhaupt
kriegen koennen, ohne dafuer zu bezahlen.
> Also mach ich DRM. Und wenn das geknackt ist, mach ich noch schärferes
> DRM. Und noch schärferes.

Immerhin auch ein Ansporn fuer neue Innovation: Die Leute, die ein
sportliches Interesse daran entwickeln, solche bloedsinnigen
Kopiersperren zu knacken, entwickeln immer bessere Strategien und Tools,
um jene zu umgehen. Sie jedoch haben kein Problem damit, die Fruechte
ihrer Arbeit frei kopierbar ins Netz zu stellen. ;>
> Willst du das wirklich?

Mir egal. DRM ist fuer mich ein Ausschluss-Kriterium. Wer mir mit sowas
kommt, den kann ich getrost ignorieren. Genauso wie das, was er meint,
anbieten zu muessen. Und wenn du DRM wirklich mal so 'perfektionierst',
dass es nicht ausgehebelt werden kann, dann werden sich wohl sehr viele
von deinem Angebot distanzieren, weil es mit Sicherheit Alternativen
dazu gibt.
>>>Veröffentlichung an
>>>einen potenziell INT_MAX großen Personenkreis nicht.
>> Hypothetenkram. Theoretisch landet ein Posting in doc auf zehntausend
>> Newsservern und in einigen Newsarchiven mit Webinterface und kann
>> potenziell von Milliarden Menschen gelesen werden. Konkret betrifft es
>> vllt ne Gruppe von einigen Hundert Leuten (hoch gerechnet) ueber mehrere
>> Jahre hinweg.
> "einige hundert Leute" ist eben nicht mehr Privatkopie.

Ja das Problem kann man schon im Gesetz nachvollziehen: Wie gross darf
denn der Freundeskreis sein? 5, 7 oder 10 Leute? Wenn ich manche
Familienfeier so sehe, da kommen gut ueber 50 zusammen - und das ist
reine Verwandschaft! Wenn da jeder noch 5-7 Freunde mitbringt, und die
tauschen alle ein bestimmtes $SUPERTOLLES untereinander aus - dann ist
das von der Privatkopie gedeckt. Oder nicht? Klar. Es gibt ne Rechnung,
dass auf der Welt jeder Mensch mit jedem anderen ueber 6 Ecken verwandt
ist... K.A. ob das stimmt, aber wenn ja, dann ist selbst die PirateBay
nur ein einziger grosser Freundeskreis. Und so eine kuschelige Newsgroup
erst recht.
>>>Leute wollen vor allem Musik, ohne dafür zu bezahlen.
>> Das ist ne Frechheit mein Lieber. Wer hat denn die M.A.F.I.A. so reich
>> gemacht, wenn nicht die Leute, die die ganze Zeit dafuer bezahlt haben,
>> hm?!? Leute lassen sich nur nicht gern ausnehmen, wie ne Weihnachtsgans,
>> wenn die Forderungen total unrealistisch und ueberzogen sind!
> Nur weil der, der die Dinge hat, die man haben will, sie nicht zu den
> dir genehmen Konditionen rausrücken will, darfst du dir die nicht
> einfach nehmen.

An einer einsamen Landstrasse steht eine Kiste mit Aepfeln. Daneben
steht ein Schild: Aepfel aus der Kiste nehmen verboten! Weit und breit
kein Mensch zu sehen. Du hast... nicht gleich Hunger, aber Appetit. Also
nimmst du einen Apfel aus der Kiste - und - WOAH! Es liegt sofort ein
neuer darin, der dem Alten aufs µ gleicht. Du wunderst dich zwar, beisst
aber dennoch in deinen Apfel und er schmeckt... gut. Du isst ihn ganz -
immernoch keiner zu sehen. Du schaust auf die Kiste - sie sieht aus wie
zuvor - und das Schild: Aepfel aus der Kiste nehmen verboten! (Es sieht
auch noch aus wie zuvor.) Du zuckst mit den Schultern und gehst
weiter...
> Es _gibt_ ja Anbieter, die dir Musik zu besseren
> Konditionen bieten als ein Major Label mit dem Muff von tausend Jahren
> unter den Jackets der Vorstände. Gut, die bieten dir dann eben nicht
> Madonna, Stones oder Britney Spears, aber das ist dein Problem.

Nein das ist eher das Gegenteil von einem Problem.
> Und
> selbst, wenn es die nicht gäbe, dürftest du dir die Werke der anderen
> nicht einfach nehmen.

Wir leben in Zeiten des Internet. Musik ist hier allgegenwaertig. Du
kennst www.jamendo.com? Sowas ist die neue Konkurrenz.
> Die Firma Porsche will für ihre Autos auch
> unverschämt viel Kohle haben, total unrealistisch und überzogen! Dabei
> ist der Cayenne doch auch nur ein Touareg!

Sowie ich es schaffe, einen Cayenne verlusstfrei auf meinen USB-Stick zu
kopieren und ihn mir in meiner Garage re-materialisieren zu lassen,
fahre ich auch einen. ;> Aber das dauert noch ein Weilchen. Bis dahin
verweise ich nachdruecklich auf den Unterschied zw. materiellen Dingen
und reiner Information.
>>>>Leute wollen Musik auch dann noch hoeren, wenn sie im Laden nicht mehr
>>>>zu kaufen ist. Das war bei Napster moeglich.
>>>Das ist aufgrund der langen Schutzfrist momentan illegal. Ich wäre
>>>sofort dafür, diese zu verkürzen. Dann wäre Beatles-Tauschen vielleicht
>>>legal.
>> Gut, kleines Entgegenkommen wahrgenommen. ;)
> Bilde dir bloß nichts drauf ein.

Na den haette ich mir aber verkniffen. ;)
>> Aber der Wandel, der sich bereits vollzogen hat, ist viel
>> grundsaetzlicherer NAtur. Schau nur einmal auf die schiere /MASSE/ an
>> mittlerweile verfuegbarer Musik! Selbst wenn es so eine Verkuerzung
>> der Schutzfristen geben wuerde, wie willst du das effektiv
>> voneinander trennen, also den erlaubten von dem unerlaubten Content?
> Genauso, wie man es heute auch schon tut. Auf der Platte steht i.A. der
> Name des Künstlers; wann der gestorben ist, weiß der Publikumsjoker.

Eigentlich waers schon lange Zeit fuer ne Merkbefreiung. So undeutlich
kann ich mich gar nicht artikulieren, wie du mich hier konsequent nicht
verstehen willst.

[Musik nach Ablauf gesenkter Schutzfrist frei zu tauschen]
> Die freie von der nicht freien Software zu trennen schaffst du doch auch.

Die ist aber schon von Anfang an frei zu kopieren, nicht erst nach einer
individuellen Schonzeit. Das waere arg kompliziert und undurchschaubar.
>>>>Leute wollen Musik, die sie noch nicht kennen, entdecken. Das war bei
>>>>Napster ebenso moeglich.
>>>Im Plattenladen ebenso.
>> Der Plattenladen ist tot! Es lebe das Internet.
>> Der Plattenladen ist tot! Die Leute brauchen mp3 statt Plastik.
>> Der Plattenladen ist tot! Der Festplattenladen hat Konjunktur.
> Der Plattenladen ist tot, weil die Leute lieber Rechtsbruch begehen.

Der Plattenladen ist aus dem selben Grunde 'tot', wie der Hufschmied.
Einst ein florierendes Gewerbe - heuer eine marginale Randerscheinung
fuer spezielle Einsatzzwecke. Es gibt keinen Anspruch auf Artenschutz
fuer obsolete Geschaeftsmodelle.
> Der Supermarkt ist tot! Es lebe das selber-ernten auf des Bauers Feld.

Falsch - der Einkauf im Supermarkt ist bequemer als die Ernte auf dem
Feld. Die Entscheidung faellt pro Supermarkt.
> Der Supermarkt ist tot! Die Leute brauchen Kaliber 9mm statt Geld (falls
> der Bauer sich dumm stellt).

Das waer ja noch umstaendlicher - dann lieber doch der Supermarkt. Oder
gleich der Bringedienst.
> Der Supermarkt ist tot! Der Kettensägenladen hat Konjunktur (falls der
> Bauer immer noch nicht will).

Langsam wirds langweilig. Du machst dir ja nichtmal die muehe, einen
*passenden* Vergleich zu suchen. :(

Es ist daneben bemerkenswert, wie fest du - entgegen deiner eigenen
Aussage - die Augen vor den Realitaeten geschlossen haeltst! Dass der
Bedarf an Musik im mp3-Format sich primaer darauf begruendet, dass damit
ein Hoechstmasz an Interoperabilitaet zwischen etlichen, teils mobilen,
teils stationaeren Devices moeglich wird, von denen heuer jeder mehrere
rumstehen hat, kommt dir gar nicht in den Sinn. Dein Tunnelblick klebt
stur am 'Raubkopierer', der sich nur bereichern will. Einen anderen
Grund kanns dafuer gar nicht geben. Das ist echt armselig.
>>>Und, mal ehrlich, 99%% der Napsternutzung war: Suchfunktion, anklicken,
>>>saugen - egal von welchem Anbieter.
>> Bei Napster konnte man afair mit demjenigen, mit dem man gerade
>> verbunden war, einen Chat eroeffnen.
> Das ist mir klar, nur: wer hat das tatsächlich getan?

Ich kenne wahrscheinlich nicht annaehernd soviele ehemalige
Napster-User, wie du? Oder anders: Auf welcher Grundlage steht deine
Behauptung bzgl. des Verhaltens der meissten Napster-User? Hast du ne
Studie oder so darueber zur Hand? Oder ist das nur wieder *deine*
Vorstellung vom Verhalten eines *typischen* Napster-Users?
>> Jeder hat was ihm gefaellt und stellt es /allen/ zur Verfuegung.
>> Daraus folgt, alle haben einen Fundus, der praktisch alles enthaelt, was
>> es gab, gibt und geben wird. Das Prinzip ist unschlagbar bestechend -
>> und - mal von den ganzen Anspruechen der Rechte-Industrien abgesehen,
>> einfach das naheliegendste. Der Speicher des (globalen) kulturellen
>> Schatzes verteilt sich auf /SEHR/ /VIELE/ /EINZELNE/, die ueber ein
>> gemeinsames - vereinigendes - Interface verbunden sind.
> Das ist durchaus ein ehrenwertes Ziel. Nur sollte man eben die, die die
> entsprechenden Werke herstellen, bitteschön vorher fragen.

Soviel zur Theorie. Bedeutende gesellschaftliche Umwaelzungen finden
hingegen einfach nur statt, ohne sich an theoretische Vorgaben zu
halten. Sonst waeren es ja keine Umwaelzungen, sondern koordinierte
Bewegungen in eine vorgegebene Richtung.
>>>>[Softwareentwicklung klein/gross]
>>>Ist es wirklich unrealistisch, so was banales wie eine Entschädigung für
>>>den Aufwand der Erstellung des Werkes haben zu wollen?
>> So wie du das forderst, wahrscheinlich schon jetzt (und in Zukunft erst
>> recht). Natuerlich kannst du einen Deal mit irgendeinem Konzern oder
>> Betrieb ausmachen und fuer den eine spezielle Software entwickeln. Du
>> verkaufst sie ihm und er bezahlt dir den Preis den du ihm genannt hast.
> Okay, und was macht der Konzern nun mit der Software? Wie verkauft er
> sie weiter an Endkunden?

nice try

Du hast hier geflissentlich ueberlesen (wiedermal), dass der
grossangelegte Vertrieb von Kopien ein Auslaufmodell ist. Wovon bei mir
die Rede war, ist eine Software, die der Betrieb/Konzern *selbst*
benoetigt und dich dafuer bezahlt, dass du sie ihm entwickelst
(z.B. fuer ein Kassensystem).

Wenn du das nicht absichtlich missverstanden hast, gebe ich es bald auf,
denn dann wird das auch in zehn weiteren Postings nicht besser klappen.
>>>Ja, DRM *ist* Mist, aber mach doch mal einen *konkreten* Vorschlag, wie
>>>z.B. ein Film oder ein Computerspiel (Kosten mehrere Millionen Währungs-
>>>einheiten) überhaupt entstehen soll, wenn du nicht die Option hast, die
>>>Kosten nachher auf mehrere verkaufte Kopien zu verteilen.
>> Es gibt da nicht entweder oder. Man kann sich auch die Eigendynamik des
>> Netzes zu Nutze machen. Wenn man verstanden hat, dass das Netz die
>> eigentliche Konkurrenz ist, gegen die man arbeitet - und dabei der
>> /Zeitfaktor/ eine zentrale Rolle spielt, dann folgt daraus, dass man
>> selbst im Netz der /Erste/ sein muss, also vor allen anderen. Das wuerde
>> bedeuten, dass die Industrie sich von ihren alten 'Verwertungszyklen'
>> verabschiedet und _gleichzeitig_ einen Film sowohl im Kino als auch im
>> Netz veroeffentlich. Selber. Das Kinoerlebnis laeuft quasi ausser
>> Konkurrenz, weil es gegenueber einer Filmkopie einen Erlebnisfaktor
>> bietet. Wichtig sind die Kopien, die unmittelbar nach der
>> Veroeffentlichung im Netz auftauchen: Man stellt sie einfach selbst zur
>> Verfuegung! Eine Low-Quality (fuer die dies ganz kostenlos wollen), eine
>> High-Quality zu einem attraktiven Preis als direkt DL ueber ein
>> populaeres P2P-Protokoll.
> Wie genau erreichst du nun, dass die High-Quality-Version mehr als eine
> Handvoll Downloads generiert?

Attraktiver Preis + geringer Aufwand == niedrige Hemmschwelle ->
Kundenentscheidung pro deal. Mit einer Tauschboerse ist ein gewisser
aufwand verbunden und es gibt keine Garantie bzgl Qualitaet und
Zeitpunkt, wo mir das begehrte Objekt zur Verfuegung steht. Das sind
Faktoren, die direkt mit der vom kommerziellen Angebot aufgestellten
Huerde konkurrieren. Leuchtet dir das nicht ein? Aber wo schonmal *gar*
*kein* Angebot existiert, da ist die Suche in der Tauschboese wohl das
Naheliegendste ueberhaupt.
> Wie verhinderst du, dass das ein Student
> zieht und die ganze Uni versorgt?

Gar nicht. Es geht um die, die kaufen, nicht um die, die nicht kaufen.
> Die Antwort ist: das kannst du nur juristisch verhindern

Nein, die Antwort ist: Du kannst es nichtmal juristisch verhindern.
Sonst haette die Strategie der MAFIAA schon laengst Erfolg gezeigt und
die 'illegalen' Downloads eingedaemmt. Es geht aber nicht. Die Leute
spielen IM GROSSEN STIL nicht mit.
> (auf die Art,
> wie eine juristische Verhinderung halt wirkt). Oder technisch. Willst du
> wirklich DRM statt Urheberrecht?

Nein *du* willst mit aller Gewalt etwas *erzwingen*, was an sich nicht
mehr moeglich - und dazu noch voellig widersinnig - ist.
> Gut, alternativ kannst du natürlich die
> Preise anheben. Wenn eine Lizenz für die HQ-Version 50000 EUR kostet,
> werden die Leute, die da ein Jahresgehalt für ausgeben, die schon aus
> Egoismus nicht filesharen.

"Du scheiss Kunde hast gefaelligst den Mist zu kaufen, den ich dir
vorsetze und zwar zu meinen Bedingungen und es ist mir scheiss egal, ob
du das auch einfacher hinkriegen kannst - ich verbiete es dir und mein
Wille ist Gesetz!"

So in etwa?
>> Und GTA4 war wohl ein voller Erfolg, oder? Also die Leute kaufen das
>> Teil wie verrueckt. Sie werdens auch tauschen - klar - aber was solls?
>> Es zaehlt doch was am Ende bei rauskommt, nicht was sich vllt fuer lau
>> so mit durchgemogelt hat.
> Zum einen hast du bei Online-Spielen grundsätzlich recht gute
> Möglichkeiten, Kopien technisch zu verhindern (wenn du gegen deinen
> Kumpel spielen willst, und das Spiel sich weigert, zwei Instanzen mit
> gleicher Seriennummer in eine Partie aufzunehmen, müsst ihr eben zwei
> Kopien kaufen).

Ich spiele sowas nicht, aber wie auch immer: Das Konzept scheint
aufzugehen und das gibt ihnen in dem Falle recht. Seis drum - ich goenn
es den Leuten. Aber daraus einen Anspruch fuer alle abzuleiten: "Weil
die ihr Spiel so gut verkaufen will ich meins auch so gut verkaufen!"
Das funktioniert nicht.
> Zum anderen wird sich das Verhältnis gekaufte/"raub"kopierte Kopien bei
> einer Freigabe mit ziemlicher Sicherheit sehr zuungunsten des
> Herstellers entwickeln.

Das ist wieder eine Frage des Betrachtungswinkels: Wenn man nur auf die
absoluten Zahlen blickt (verkaufte gegen frei kopierte) mag das so
erscheinen. Wenn man dann jedoch auf die Einnahmen blickt und die ins
Verhaeltnis zum Aufwand setzt, dabei trotzdem noch ein stattlicher
Gewinn zu verzeichnen ist - was gibts da zu beklagen? Das man freilich
lieber das Geld fuer jede einzelne Kopie kassiert haette, steht wohl
ausser Frage. Aber feuchte Traeume sind nunmal seltenst mit der
Realitaet deckungsgleich.
>>>Dafür
>>>soll er doch bitteschön wenigstens den Leuten, aus dessen Arbeitskraft
>>>sein Gewinn erwächst, ihre Bedingungen (aka Lizenz) erfüllen. Im Fall
>>>der GNU GPL eben Freigabe der modifizierten Quellen, "damit auch seine
>>>Arbeit die Menschheit weiterbringt".
>> Wie hat er denn an der Software gearbeitet? Ich denke, er hat sie nur
>> fuer sein Geraet benutzt? Aber ist schon recht, die Quellen muss er
>> offen halten falls die einer sehen will. Aber das ist nun wirklich kein
>> besonders grosser Aufwand nicht?
> Für traditionell denkende Firmen schon.
^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^
Umdenken?
> Die wollen nämlich nicht - und
> ich halte das durchaus für verständlich -, dass der Chinamann kommt, das
> Referenzdesign des Hardwareherstellers nachbaut, die Software vom
> Konkurrenten draufspielt und das ganze zum halben Preis verkauft.

Naja da geht man lieber gleich nach China und stellt denen das Know-How
selbst zur Verfuegung... ;>
> Und gerade im Bereich Unterhaltungselektronik gibt es auch eine Menge
> Code, den die Entwickler nicht unkontrolliert kursieren sehen wollen.

Wollen ist das eine, koennen das andere. Und ob das ganze dann auch Sinn
macht, ist die entscheidente Frage.
> Oder kennst du z.B. einen freien WMA-Pro-Decoder? (Du brauchst mir jetzt
> nicht ausweichend zu erzählen, dass du kein WMA benutzt, und dass das
> sowieso kein Mensch brauche, da die kommerzielle Realität nun mal anders
> aussieht.)

Die kommerzielle Realitaet sieht wohl eher so aus, dass das wma dann auf
CD gebrannt, gerippt und mp3-codiert wird. Was genau wolltest du nochmal
sagen?
> Wenn dir der Vertrag mit dem Hersteller dieses Codes
> verbietet, das Ding im Quellcode zu veröffentlichen, ist vollkommen
> egal, was das Urheberrecht dazu sagt, bei B2B erst recht.

B2B sowieso und das ist auch ne voellig andere Baustelle. B2B da stehen
sich zwei zumindest potenziell gleichwertige Gegenueber; B2P ist schon
vom Ansatz her ein ungleiches/unfaires Verhaeltnis.
>>>Und das wäre für mein Rechtsempfinden ziemlich unfair.
>> Nach meinem Rechtsempfinden ist vor allem unfair, dass diese
>> Urheberrechtsdebatte immer auf dem Ruecken der kleinen Malocher gefuehrt
>> wird, die nun wirklich ueberhaupt nicht die grossen Nutznieser dieser
>> Rechtskonstruktion sind. Immer ist von den armen Kuenstlern die Rede,
>> die angeblich nicht existieren koennen, wegen den Leuten, die die Musik
>> lieber kostenlos tauschen - aber wer beklaut die Kuenstler? Die, die
>> ihre Rechte einkassiert haben und ihnen nur marginale Anteile zukommen
>> lassen!
> Gerade da bietet das Internet nun zahlreiche neue Möglichkeiten. Eine
> Webseite mit 30s Probehörschnipseln und Bestellmöglichkeit setzen dir
> zahlreiche Techniker gerne für kleines Geld auf.

Sags der MI, nicht mir. Aber das aendert nichts daran, dass die Kunden
mehrheitlich gar keine Plastikscheiben mehr wollen, weil sie mp3
brauchen. Das will ihnen die Industrie (von paar Ausnahmen, die es
schonmal gibt) aber nicht verkaufen, weil sie es nicht kontrollieren
kann, was damit dann geschieht. Selber schuld - jeder Tag der
gezoegert wird, sind zusaetzlich verlorene Verkaeufe.
> Aber die Künstler gehen eben zu den großen Labels, weil die unterm
> Strich offenbar doch die attraktiveren Verträge bieten. Und weil die
> Konsumenten zu den großen Labels gehen, so dass dort einfach mehr Umsatz
> zu erwarten ist.

Du hast ne ziemlich blauaeugige Sicht der Dinge auf dieses Business. Die
Realitaet sieht so aus, dass sich mehr und mehr soagr namhafte Kuenstler
von ihren Labels trennen, nachdem ihre Vertraege *endlich* ausgelaufen
sind (vorher war das naemlich nicht moeglich). Die, die neu nachkommen,
sind fast ausnahmslos nur noch zusammengecastet, nach den Vorstellungen
der Trendscouts, was sich wohl am besten verkaufen koennte (also dem
antizipierten Massengeschmack folgend) und das wird dann auf Teufel komm
raus promotet. Klar dass Millionen Dollar, die man in Werbung und
Radio-Promo investiert, zu einem entsprechend hohen Bekanntheitsgrad
fuehren - aber das hat mit den vielzitierten kleinen Kuenstlern
eigentlich nichts mehr zu tun. Qualitaet steckt da auch nicht drin, nur
eine zwanghafte Fixierung auf Quantitaet. Die qualitativ hochwertigen
Sachen findet man fast nur im Underground, bei kleineren Labels und/oder
in kleineren oder speziellen Clubs. Uebrigens auch eine Umgebung, wo die
'Trendscouts' gerne hausieren gehen um billige /Kopien/ dann 'gross
rauszubringen'...
> Die gleichen Gesetze, die dem erstgenannten Geschäftsmodell wenigstens
> den Hauch einer Chance garantieren, sichern nun mal dem Label ebenfalls
> seine fetten Einkünfte. Einfach aufgrund der Größe. Genauso, wie eine
> Steuersenkung, die dem kleinen Mann 100 EUR/Monat mehr in die Tasche
> bringt, dem Bankvorstand ein paar Tausender mehr bringt.

Die Senkung der Koerperschaftssteuer hat sich beim kleinen Mann eher
nicht so bemerkbar gemacht, wenn du das meinst. Bei den Konzernen
hingegen schon. Um das Loch zu stopfen musste freilich die Mehrwertseuer
etwas angehoben werden. Die schlaegt sich allerdings gut bis zum kleinen
Mann durch. Mehrfach sogar. >:-[ Mitleid fuer Konzerne suchst du bei mir
vergeblich.
>> Oder die armen Programmierer - wer benutzt das Lizens- und
>> Patentrecht in exzessiver Weise, um eine Software-Monokultur
>> durchzudruecken?
> Auch dazu gehören immer zwei. Wenn alle Welt Monokultur-Software
> einsetzt, freut sich der Monokultur-Anbieter.

Warum setzen sie die ein? Hat es vllt etwas damit zu tun, dass fast
jeder PC mit Monokultur-Software ausgeliefert wird, die im Preis schon
inbegriffen ist? Und warum wird fast jeder PC mit Monokultur-Software
ausgeliefert, die im Preis inbegriffen schon ist? Hat es vllt etwas mit
der Marktmacht/-dominanz des Monokultur-Software-Herstellers zu tun, der
entsprechende Vertraege mit Herstellern und Einzelhandel abschliesst, um
seine Monokultursoftware durchzudruecken?
>> Richtig, die, die am lautesten schreien, es wuerde die
>> kleinen kaputt machen und die am fettesten dadurch geworden sind. Das
>> gleiche Prinzip ueberall: Ginge es wirklich um all die Indie-Labels oder
>> freischaffenden Programmierer und Filmproduzenten - ja ok, dann koennte
>> man wirklich Verstaendnis dafuer aufbringen, aber um die geht es nicht.
>> Es geht um Pfruende in Milliardenhoehe, die erbittert verteidigt werden.
> Natürlich. Aber mal ehrlich: wenn Microsoft ausreichend Bonzen schmiert,
> um mir das von mir gewünschte Urheberrecht auf Software zu erhalten,
> warum soll ich dann selber auch noch aktiv werden? Wenn BMG dafür sorgt,
> dass CDs auch weiterhin nur mit Urhebererlaubnis verbreitet werden
> dürfen, warum soll ich da als Garagenband mit Ambitionen auch noch aktiv
> werden?

Wenn man einen Dinosaurier zum Freund hat, kann man sich freilich sehr
stark fuehlen. Man sollte nur nicht grad in dessen Naehe stehen, wenn er
strauchelt und umfaellt...

Dominic
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