Wie starb der bayrische Märchenkönig? Königstreue vom Geheimbund der
"Guglmänner" behaupten, dass der extravagante Herrscher ermordet wurde.
Damit könnten sie durchaus Recht haben. Es gibt nämlich neue Hinweise,
die nicht zu Ludwigs angeblichem Suizid passen.
"Umbracht ham’s ihn“, soll Österreichs Kaiserin Elisabeth ausgerufen
haben, als sie vom Ableben König Ludwig II. von Bayern erfuhr. Es war
der Abend des 13. Juni 1886 – doch die Legende vom Meuchelmord am
Märchenkönig sollte die Getreuen des Monarchen auch 121 Jahre später
nicht ruhen lassen.
Als der Wittelsbacher starb, hinterließ er seinem Land prächtige
Lustschlösser und acht Millionen Reichsmark Schulden. Um der
Verschwendung Einhalt zu gebieten und die eigene Macht zu sichern, hatte
der bayrische Ministerrat den König für verrückt erklären und
entmündigen lassen. Von Schloss Neuschwanstein wurde er in ein
schmuckloses Schlösschen am Starnberger See verbracht. Aus Verbitterung
über die Absetzung soll er nur kurz darauf die schon lange gehegten
Suizid-Pläne in die Tat umgesetzt haben, indem er ins Wasser ging.
Seinen Irrenarzt Bernhard von Gudden, der ihn begleitete und
zurückhalten wollte, schlug er angeblich kurzerhand bewusstlos –
woraufhin auch dieser ertrank. Soweit die offizielle Version.
Ruchloser Mörder und geistig umnachteter Selbstmörder im knietiefen
Wasser: eigentlich nicht gerade der Stoff, aus dem Legenden sind. Doch
es kam ganz anders.
Es gibt Belege für einen vereitelten Fluchtversuch Ludwigs
„Es war Mord!“, skandieren die mit Kutte und Kapuze verhüllten
Königstreuen vom Geheimbund der „Guglmänner“ noch heute: „Der König war
kein Selbstmörder und erst recht kein Mörder. Wir werden es nicht
zulassen, dass unser König diesen Rufmord und diese Schmach noch länger
zu erdulden hat.“
Nahrung erhält ihr Glaube an eine durch Otto von Bismarck angezettelte
Verschwörung durch zwei ominöse Löcher im königlichen Mantel – und ein
inzwischen verschollenes Gemälde, das den König kurz nach seinem Tod
zeigt. Der angesehene Kunsthistoriker Siegfried Wichmann, ehemaliger
Oberkonservator der Staatsgemäldesammlung und Spitzweg-Experte, will
darauf eingetrocknetes Lungenblut erkannt haben. „Wenn er ertrunken
wäre, würde das Blut nicht verdickt aus dem Mund heraustreten“,
behauptet der 87-jährige Professor in einem im Eigenverlag
veröffentlichten Buch.
Also Tod durch Erschießen? Ja, sagt der Berliner Verleger Peter Glowasz
(71). Das angeblich von Hofmaler Hermann Kaulbach angefertigte
Totenbildnis hält er zwar für eine Fälschung, doch durch jahrzehntelange
„Ludwig-zwei-Forschung“ habe er Belege für einen vereitelten
Fluchtversuch des Monarchen gefunden. Demnach habe sich Ludwig II. von
Getreuen mit einem Fischerboot zur Roseninsel übersetzen lassen wollen,
um sich später gemeinsam mit Kaiserin Sisi per Kutsche abzusetzen. Doch
ein im Park von Schloss Berg patrouillierender Kriminalbeamter in Zivil
habe ihn hinterrücks erschossen.
Im Mantel des Königs befanden sich Einschusslöcher
Glowasz’ Kronzeuge ist der heute 60 Jahre alte Münchner Bankangestellte
Detlev Utermöhle. In einer eidesstattlichen Versicherung berichtet er,
wie ihm die mit den Wittelsbachern verwandte Reichsgräfin Josephine von
Wrbna-Kaunitz in den 50er-Jahren den Mantel Ludwigs aus der Todesnacht
gezeigt habe. „Oben rechts und unten links waren Einschusslöcher, das
weiß ich hundertprozentig“, sagt Utermöhle. Unglücklicherweise
verschwand der graue Mantel in den Wirren eines Brandes im gräflichen
Haushalt 1973. Peter Glowasz ist sicher: „Eine Person wurde beobachtet,
die ein Paket mit Kleiderstücken entwendete. Das Beweisstück könnte sich
heute bei den Wittelsbachern befinden.“
Beharrlich weigert sich die einstige Herrscher-Familie, den in einer
Gruft der St. Michaelskirche in München zur Ruhe gebetteten König noch
einmal gerichtsmedizinisch untersuchen zu lassen. Allerdings genehmigte
Herzog Franz von Bayern bereits 1986 dem ehemaligen Richter Wilhelm
Wöbking Einblicke ins geheime Hausarchiv der Wittelsbacher. In einem
Gutachten fand Wöbking „keinerlei Anhaltspunkte“ für eine Intrige:
„Insbesondere ist mit Sicherheit Tod durch Schussverletzungen
auszuschließen.“
Laut Glowasz fehlt allerdings im offiziellen Sektionsprotokoll von 1886
die Todesursache. Im Internet sammelt er nun Stimmen für eine
Durchleuchtung des Ludwig-Sarkophages mit moderner Röntgentechnologie:
„Dies würde die Totenruhe nicht stören. 800 Jastimmen habe ich schon.“
Der König war keinesfalls verrückt
Für die „Guglmänner“ steht des Ergebnis einer solchen Untersuchungen
selbstredend schon fest: „Im Sarkophag Ludwig II. ist ein Loch!“,
schrieben sie voller Empörung an Herzog Franz – mithin sei „der letzte
Beweis der ruchlosen Mordtat“ bereits vor Jahrzehnten beseitigt und an
einen geheimen Ort geschafft worden.
Zumindest mit einem Mythos konnte in jüngster Zeit aufgeräumt werden:
Der König war nämlich keinesfalls verrückt – wie das der am 13. Juni
1886 angeblich durch des Königs Hand zu Tode gekommene Spezialist für
Gehirnanatomie von Gudden diagnostiziert hatte.
Nur mithilfe der bereits damals zur Verfügung stehenden Unterlagen
stellte Prof. Hans Förstl, Direktor der Klinik für Psychiatrie der
Technischen Universität München, eine Persönlichkeitsstörung mit
Defiziten im zwischenmenschlichen Bereich sowie eine Schrumpfung des
Frontalhirns mit ungebremster Impulsivität fest. Förstl: „Der Mann hat
gesponnen.“
Für eine Absetzung durch den Ministerrat hätte diese Diagnose aber
sicher kaum gereicht.
Quelle:
http://www.welt.de/wissenschaft/history/article1407986/Neue_Spekulationen_ueber_das_Ende_Ludwigs_II...
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MfG